Würzburg

So hat Unterfranken gewählt: Ein guter Tag für Amtsinhaber

In Würzburg und Schweinfurt setzten sich Christian Schuchardt (CDU) und Sebastian Remelé (CSU) auf Anhieb durch. Aber auch ein SPD-Amtsinhaber sorgte für Überraschung.
Der Kandidat der Grünen Martin Heilig (links) gratuliert dem alten und neuen Oberbürgermeister der Stadt Würzburg Christian Schuchardt (CDU) im Ratssaal in Würzburg zu seiner Wiederwahl. Foto: Daniel Peter

Sensationen sind am Sonntag in Unterfranken ausgeblieben. Bei den Wahlen in den Landkreisen und kreisfreien Städten setzten sich die Amtsinhaber, soweit sie wieder angetreten sind, durch. Überraschend allerdings, dass es der grüne Herausforderer Martin Heilig in Würzburg nicht in die Stichwahl schaffte. Die CSU scheiterte deutlich beim Versuch, den Kreis Schweinfurt zurückzuerobern.

Stadt Würzburg

Christian Schuchardt (CDU) bleibt sechs weitere Jahre Oberbürgermeister in Würzburg. Der 51-Jährige siegte überraschend schon im ersten Wahlgang mit 51,95 Prozent. Grünen-Herausforderer Martin Heilig belegte mit 32,18 Prozent Platz zwei. Weit zurück lagen Volker Omert (Freie Wähler, 5,09), Kerstin Westphal (SPD, 4,89), Sebastian Roth (Linke, 3,84 Prozent) und Dagmar Dewald (ÖDP, 2,05 Prozent).

Landkreis Würzburg

Die Nachfolge von Landrat Eberhard Nuß (CSU) entscheidet sich erst bei der Stichwahl in 14 Tagen – zwischen Thomas Eberth (CSU), für den 42,6 Prozent votierten, und vermutlich Karen Heußner (Grüne), die auf 20,4 Prozent kam. Felix von Zobel (UWG-FW) lag mit 19,2 Prozent knapp dahinter.

In Ochsenfurt kommt es zu einer Stichwahl zwischen Amtsinhaber Peter Juks (Freie Wähler, 47,88 Prozent) und Rosa Behon (CSU, 35,31 Prozent). In Höchberg setzte sich der parteilose Alexander Knahn mit 58,48 Prozent schon im ersten Wahlgang durch. Er folgt auf Peter Stichler (SPD).

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Landkreis Kitzingen

Klare Sache: Tamara Bischof (FW) bleibt weitere sechs Jahre Landrätin von Kitzingen. Die 56-Jährige, die seit 2000 im Amt ist, setzte sich mit 73,3 Prozent gegen Timo Markert (CSU) durch, der auf 26,7 Prozent kam.

In der Stadt Kitzingen müssen die Wähler noch einmal ran: Stefan Güntner (CSU) geht mit 42,9 Prozent als Favorit in die Oberbürgermeister-Stichwahl, gefolgt von Manfred Paul (SPD) mit 22,6 Prozent.

Eine Überraschung gab es in Wiesenbronn: Der neue Bürgermeister kommt von den Grünen: Volkhard Warmdt erzielte 60,4 Prozent. In Dettelbach lag Matthias Bielek (Freie Wähler) mit 44,8 Prozent vorn. In der Stichwahl trifft er auf Marcel Hannweber, der 36,2 Prozent erreichte.

Landkreis Main-Spessart

Die Landratswahl wird erst in der Stichwahl entschieden: Sabine Sitter (CSU) lag mit 44,6 Prozent klar vorn, mit in die Stichwahl geht Christoph Vogel (FW), der 22,1 Prozent erzielte.

In Lohr schaffte es Amtsinhaber Mario Paul, den Grüne und SPD nominiert hatten, mit 56,8 Prozent auf Anhieb. Dirk Rieb (CSU) erzielte 32,8 Prozent. Mit 76,54 Prozent setzt sich Thomas Stamm (CSU) in Marktheidenfeld überraschend deutlich gegen seinen Mitbewerber Holger Seidel (FW) durch. In Karlstadt ziehen Michael Hombach (CSU, 37,3 Prozent) und Stefan Rümmer (SPD, 21,7 Prozent) in die Stichwahl.

Stadt Schweinfurt

Bereits im ersten Wahlgang gewann Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU) deutlich. Der 50-Jährige kam auf 58,42 Prozent. Die Konkurrenten Marietta Eder (SPD) und Holger Laschka (Grüne) erzielten 26,50 und 15,09 Prozent.

Landkreis Schweinfurt

Florian Töpper (SPD) bleibt Landrat von Schweinfurt. Er kam auf satte 73,78 Prozent (22.30 Uhr). Herausforder Lothar Zachmann (CSU) enttäuschte mit 26,22 Prozent.

Landkreis Bad Kissingen

Thomas Bold bleibt Landrat in Bad Kissingen. Der CSU-Kandidat erzielte 60,48 Prozent. Manuela Rottmann (Grüne) kam auf 24,01 Prozent und Thomas Menz (SPD) auf 15,51 Prozent.

Bad Kissingen wird weiter von einem SPD-OB regiert. Dirk Vogel wird Nachfolger von Kay Blankenburg, er kam auf 51,1 Prozent. CSU-Mann Gerhad Schneider schaffte 41,9 Prozent.

Bürgermeister in Hammelburg bleibt Armin Warmuth (CSU). Er schaffte 69,26 Prozent. Norbert Schaub (SPD) erzielte 30,74 Prozent.

In Oberleichtersbach setzte sich Amtsinhaber Dieter Muth (AWG) mit 73,6 Prozent durch. Der wegen rechtslastiger Facebook-Kommentare umstrittene CSU-Kandidat Oliver Fell (CSU) kam auf 26,4 Prozent.

Landkreis Rhön-Grabfeld

Landrat Thomas Habermann (CSU) darf, wie erwartet, weitermachen. Mit 63,8 Prozent (Stand: 20.40 Uhr) lag er deutlich vor Yatin Shah (Grüne, 17,02 Prozent), Thorsten Raschert (SPD, 9,91 Prozent) und Karl Graf von Stauffenberg (FDP, 9,27 Prozent).

In Bad Neustadt setzte sich Michael Werner (Freie Wähler) überraschend schon im ersten Wahlgang durch: Der Nachfolger von Bruno Altrichter (Freie Wähler) kam auf 50,68 Prozent. Er ist erst 31 Jahre alt. Christiane Hanshans (CSU) schaffte 31,8 Prozent.

Thomas Helbling (CSU) bleibt Bürgermeister in Bad Königshofen, er erreichte 57,44 Prozent. Herausforderer Frank Helmereich (Team 2020) schaffte mit 42,56 Prozent einen Achtungserfolg.

In Mellrichstadt setzte sich Michael Kraus (Freie Wähler) mit 53,63 Prozent gegen Frank Vetter (CSU, 36,65 Prozent) und Wolfgang Stahl (SPD) mit 9,72 Prozent).

Landkreis Haßberge

Mit 68,23 Prozent der Stimmen setzte sich Landrat Wilhelm Schneider (CSU) erwartungsgemäß klar durch. Mitbewerber Wolfgang Bühl (SPD) erzielte lediglich 31,77 Prozent.

In Haßfurt wurde Bürgermeister Günther Werner (WG) mit 59,29 Prozent wiedergewählt. Volker Ortloff (CSU) kam auf 27,48 Prozent, Stephan Schneider (SPD) auf 13,23 Prozent.

Landkreis Miltenberg

Vor sechs Jahren war der Sieg des Grünen Jens Marco Scherf (Grüne) eine Sensation. Diesmal triumphierte der Landrat mit 69,19 Prozent deutlich vor CSU-Herausforderer Armin Bohnhoff, für den 30,81 Prozent votierten.

Stadt Aschaffenburg

Eine Stichwahl entscheidet in Aschaffenburg über den Nachfolger von SPD-Urgestein Klaus Herzog. Jürgen Herzig (SPD) lag in der ersten Runde mit 47,88 Prozent vor Jessica Euler (CSU), für die 29,56 Prozent votierten. Überraschend klar zurück war Johannes Wagener (Grüne). Auf ihn entfielen 15,13 Prozent.

Landkreis Aschaffenburg

Alexander Legler (CSU) wird Nachfolger von Landrat Ulrich Reuter (CSU). Er holte 58,62 Prozent (Stand 22.30 Uhr). Platz zwei belegte Özcan Pancarci (SPD/Grüne, 19,32 Prozent) vor Maili Wagner (Freie Wähler, 18,69 Prozent).

Stimmen zur Wahl
Hörbar gut gelaunt ist am Wahlabend Gerhard Eck. Der CSU-Bezirkschef erklärte: "Für die CSU ist die Wahl sehr gut gelaufen." Man habe einige Bürgermeisterstühle zurückgewonnen und "die großen verteidigt": Dass Christian Schuchardt in Würzburg und Sebastian Remelé in Schweinfurt wiedergewählt wurden, nannte Eck "ausgezeichnet" und einen "verdienten Erfolg". "Ich freue mich." Die deutliche Niederlage der CSU bei der Landratswahl in Schweinfurt, wo Amtsinhaber Florian Töpper (SPD) deutlich vor CSU-Herausforderer Lothar Zachmann gewann, kommentierte Eck knapp: "Es ist wie es ist. Wir sind Demokraten und diese Wahl haben wir verloren."
"Im Vergleich zur vergangenen Kommunalwahl haben wir überall dazu gewonnen", sagt die Bezirkschefin der Grünen, Simone Artz. "Wir können zufrieden sein." Was die Zahl der Stichwahlen betrifft, seien die Erwartungen der Grünen höher gewesen. Dass Herausforder in vielen Orten schon im ersten Wahlgang gewonnen haben, sei enttäuschend. In Würzburg habe man zum Beispiel fest mit einer Stichwahl gerechnet. Trotzdem sei es ein "super Ergebnis", so Artz. Besonders freue man sich über den deutlichen Sieg des amtierenden Landrats im Kreis Miltenberg, Jens Marco Scherf. Erfreulich sei auch, dass der Bezirksgeschäftsführer der Grünen, Volkhard Warmdt, die Bürgermeisterwahl in Wiesenbronn (Lkr. Kitzingen) gewonnen hat.
"Es gibt Licht und Schatten", sagt der SPD-Bezirksvorsitzende Bernd Rützel über die Ergebnisse am Wahlabend. Zum guten Abschneiden des amtierenden Schweinfurter Landrats Florian Töpper äußerte er sich zufrieden: "Er macht eine sehr solide und gute Arbeit. Das ist honoriert worden." Töpper habe seinen Weg gefunden. Die deutliche Wahlniederlage der Würzburger OB-Kandidatin Kerstin Westphal sei sehr enttäuschend, findet Rützel. "Damit hätte ich nicht gerechnet." Es sei der SPD wohl nicht gelungen ihre Themen zu transportieren. Das liege allerdings nicht am Wahlkampf der Sozialdemokraten in Würzburg, sondern sei ein grundsätzliches Problem der SPD in den vergangenen Monaten gewesen.
Zufriedenheit herrscht am Wahlabend bei Gerald Pittner, Bezirkschef der Freien Wähler. "Es war für uns die erste wichtige Wahl nach der Regierungsbeteiligung", mit der einige noch haderten, so der Landtagsabgeordnete. "Da bestand die Gefahr, dass wir eine auf den Hut bekommen. Das ist nicht passiert." Als größten Erfolg für die Freien Wähler wertet er den Sieg von Michael Werner in Bad Neustadt. Der erst 31-Jährige wurde im ersten Wahlgang zum neuen Bürgermeister gewählt. Es sei "keine Überraschung", dass Werner gewonnen habe. Dass es aber schon im ersten Wahlgang klappt, "habe ich nicht geglaubt", so Pittner.
Bei der AfD tut man sich am Sonntagabend noch schwer mit einer Einschätzung der Wahlergebnisse. Dass der AfD-Bürgermeisterkandidat Peter Eggen in Bad Kissingen über sieben Prozent holte, nannte AfD-Bezirkschef Richard Graupner ein "passables Ergebnis". Die Wiederwahl Sebastian Remelés in Schweinfurt, wo Graupner im Stadtrat sitzt, kommentierte er so: "Wenn die AfD in Schweinfurt einen Bürgermeisterkandidaten gestellt hätte, hätte es Remelé nicht im ersten Wahlgang geschafft." Graupner weiter: "Wir haben ja nur wenige Bürgermeisterkandidaten gestellt. Daher sind für uns vor allem die Ergebnisse der Kreistags- und Gemeinderatswahlen interessant." Diese Zahlen lagen zum Zeitpunkt des Gesprächs noch nicht vor.
Dass Christian Schuchardt, den auch die FDP unterstützte, in Würzburg im ersten Wahlgang gewonnen hat, freut den Bezirkschef der FDP, Karsten Klein. Was Landrats- und Bürgermeisterposten betrifft, sagt Klein, dass das nicht die entscheidenden Wahlen für die FDP seien. Trotzdem sei es wichtig, weiterhin Kandidaten für diese Ämter aufzustellen, um die eigenen politischen Vorstellungen darzustellen. Bedeutender seien allerdings die Stadtrats- und Kreistagswahlen für die FDP. Zu deren Ergebnissen könne er so früh am Abend aber noch nichts sagen, so Klein.

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