Zellerau

Söder in Würzburg: Wahlkampf-Abschluss als kleiner Parteitag

Gut 800 Menschen waren beim Auftritt von Ministerpräsident Markus Söder. Der setzte auf CSU-typische Themen. Einziger Kontrapunkt war eine "Kunstaktion" junger Leute.
Optimismus trotz schlechter Umfragewerte: Ministerpräsident Markus Söder bei der Abschlusskundgebung der CSU im Würzburger Vogel Convention. Foto: Patty Varasano
Optimismus trotz schlechter Umfragewerte: Ministerpräsident Markus Söder bei der Abschlusskundgebung der CSU im Würzburger Vogel Convention. Foto: Patty Varasano

Wenn der Ministerpräsident zur Wahlkampf-Abschlusskundgebung kommt, dann ist die unterfränkische CSU geschlossen am Start: So geschehen am Dienstag im Vogel Convention Center - gut 800 Menschen waren da und wollten hören, was Markus Söder auf der Wahlkampf-Zielgeraden zu sagen hatte.

An der guten Stimmung im Saal und dem immer wieder aufbrandenden Applaus war es ebenso abzulesen wie an den lächelnden und zufriedenen Gesichtern während und nach der knapp zweistündigen Veranstaltung: Unentschlossene Wähler dürften kaum dabei gewesen sein, es war eher ein kleiner CSU-Parteitag. "Ich hoffe, hier ist keiner, der noch unschlüssig ist", sagte der Kreisverbandsvorsitzende Oliver Jörg bei der Begrüßung.

Söder spricht 75 Minuten lang

Die erste Reihe war mit Landtagspräsidentin Barbara Stamm, Justizminister Winfried Bausback und Staatssekretär Gerhard Eck prominent besetzt. "Wir hatten schon fünf Kundgebungen im ganzen Land, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt", sagte Generalsekretär Markus Blume, der die CSU als "einzig verbliebene Volkspartei und die erfolgreichste Volkspartei in ganz Europa" bezeichnete. Warum das so ist, erklärte anschließend Markus Söder gut 75 Minuten lang.

Der Ministerpräsident betonte beim Heimspiel in Unterfranken seine fränkische Herkunft und gab sichtrotz dauerhaft schlechter Umfragewerte für die CSU optimistisch: "Ich glaube, dass das am Sonntag ganz anders ausgeht als prognostiziert", sagte Söder unter dem Beifall des Publikums.

Stabilität für Bayern ist das Zauberwort, auf das die CSU in der Endphase des Wahlkampfs setzt: Dass der Freistaat auf allen Ebenen das stärkste Bundesland sei, ist laut Söder "kein Zufall, sondern das Ergebnis einer langfristig stabilen Politik".

"Kunstaktion" junger Leute

Söder ließ sich auch durch eine von den Protagonisten als "Kunstaktion" bezeichneten Störung nicht aus der Ruhe bringen: Mehrere junge Leute setzten im Saal Söder-Masken auf, beschmierten sich mit brauner Farbe, skandierten "Nationalismus raus aus den Köpfen" und zeigten ein Banner mit der Aufschrift "CSU - blau ist das neue braun". Sie wurden ausgebuht und aus dem Saal geleitet, nach einer knappen Minute setzte Söder seine Rede fort, als sei nichts geschehen.

Themen wie Klimaschutz oder bezahlbare Mieten kamen darin nicht vor - Söder sprach über CSU-typische Dinge wie das christliche Menschenbild als Teil der Prägung Deutschlands, die Sicherung der europäischen Außengrenzen, die bayerische Grenzpolizei, die Vorzüge des neuen Polizeiaufgabengesetzes, den Abbau der bayerischen Staatsschulden um sechs Milliarden Euro und die jährlichen Zahlungen Bayerns von bis zu acht Milliarden Euro in den Länderfinanzausgleich. Die Staatsregierung versorge also nicht nur das eigene Lande, sondern sei auch in der Lage, andere zu versorgen: "Da wäre manchmal etwas mehr Dankbarkeit angebracht", forderte Söder.

Klare Kante Richtung AfD

Auch einige politische Mitbewerber bekamen ihr Fett weg: Die FDP habe aus Eigeninteresse die Regierungsverantwortung in Berlin abgelehnt, die Grünen seien eine rein ideologisch geprägte Verbotspartei. Klare Kante zeigte Söder in Richtung AfD, deren Maske der Bürgerlichkeit spätestens in Chemnitz gefallen sei: "Die Reihen haben sich geschlossen. NPD, Pegida und gewaltbereite Hooligans sind die Partner der AfD", betonte der Ministerpräsident.

Am Sonntag gehe es nicht um ein Signal an die Bundesregierung: "Man kann damit in Berlin wenig verändern. Es geht um die nächsten fünf Jahre Bayern", sagte Söder. Bis zu sieben Parteien im Landtag seien möglich, das bedeute nicht nur bis zu 50 Sitze mehr durch Überhangmandate: "Wollen wir wirklich, dass die bayerische Demokratie zu einem großen Komödienstadel wird?"

Am Ende erhielt er minutenlange stehende Ovationen, und Landtagspräsidentin Barbara Stamm sprach das Schlusswort: "Wir wollen den Menschen die Botschaft mitgeben, dass sie bei uns und unserem Ministerpräsidenten bestens aufgehoben sind."

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