OBERHAUSEN

Sösse Kümmerle und Grumbieregmüäs

Gerrit Himmelsbach (links) stellt am Stalldorfer Dorfplatz (von links) Franz Gabel, Lioba Gabel, Kira Schmitz, Hiltrud Gabel, Karl Schneider und Hermann Popp die Muster für die Informationstafeln vor.
Gerrit Himmelsbach (links) stellt am Stalldorfer Dorfplatz (von links) Franz Gabel, Lioba Gabel, Kira Schmitz, Hiltrud Gabel, Karl Schneider und Hermann Popp die Muster für die Informationstafeln vor. Foto: Hannelore Grimm

Von wegen: „Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht.“ Unter den Teilnehmern, die sich im Gasthaus Deppisch trafen, war wohl kaum einer, bei dem schon mal „Sösse Kümmerle und Grumbieregmüäs midd Bauchflesch“ (Süße Gurken und Kartoffelgemüse mit Bauchfleisch) auf dem Tisch gestanden haben und trotzdem ließen sich alle das bisher unbekannte Essen schmecken.

Diese kulinarische Reise in eine Zeit, in der dieses spezielle Gericht oftmals auf den Tellern in Stalldorf, Oberhausen, Lenzenbrunn und Riedenheim zu finden war, bildete den Auftakt zur Eröffnung des 99. Europäischen Kulturweges Riedenheim, die am Sonntag, 22. Juli um 12 Uhr in Stalldorf ebenfalls mit dem längst in Vergessenheit geratenen Essen beginnt.

Deftiges Gericht

Für die Köchinnen des schmackhaften, deftigen Gerichtes Lioba und Hiltrud Gabel gab es vom stellvertretenden Bürgermeister Hermann Popp ebenso ein großes Lob wie für ihre wertvolle Mitarbeit in der Arbeitsgemeinschaft (AG) Kulturweg Riedenheim.

Beim Testessen langte die Managerin der Interkommunalen Allianz Fränkischer Süden Kira Schmitz ebenso herzhaft zu wie Franz Schnabel und Karl Schneider, die mit großem Einsatz in der AG mitgewirkt haben.

Gut schmecken ließ es sich auch der Projektleiter Landschaftsmanagement/Europäische Kulturwege Gerrit Himmelsbach (Hösbach). Unter der Leitung des Historikers und Archäologen ist der Kulturweg entstanden. Vor sich den Teller mit dem ihm unbekannten Gericht, sagte er: „Essen, das aus der Landschaft selbst kommt, das die Menschen noch aus ihrer Kindheit kennen, das ist auch Kultur.“

Wie Hermann Popp, der selbst zu den eifrigsten Mitgliedern zählt und Bürgermeister Edwin Fries spürten seit 2016 weitere 13 Bürger aus Riedenheim und den Ortsteilen Lenzenbrunn, Oberhausen und Stalldorf der Geschichte ihrer Dörfer nach.

Aus den verborgenen Schätzen, die bei der Zusammenarbeit gehoben wurden, ist der Kulturweg entstanden, dessen Ausgangspunkt für beide Runden jeweils in Stalldorf ist. Der Kulturweg, der den Namen „Frühe Kulte“ trägt, verläuft in zwei Runden.

Nach der Eröffnung der 7,5 Kilometer langen Westschleife wird am 9. September um 14 Uhr der 12,5 Kilometer lange östliche Rundweg eröffnet.

Über die mit „ Stalldorf-Stöckachwald“ und mit „ Riedenheim-Oberhausen-Stalldorf“ betitelten Schleifen, werden die Wanderer auf großen Informationstafeln auf dem Stalldorfer Dorfplatz informiert.

In der Gemeinde Riedenheim, die sich durch einen großen Reichtum an vor- und frühgeschichtlichen Kulturdenkmälern auszeichnet, finden sich Hügelgräber bis zur Größe des Fürstengrabes ebenso wie keltische Viereckschanzen. Die Vielzahl der Hügelgräber ist bereits außergewöhnlich, wobei – wie die Informationstafel Auskunft gibt – zu beachten ist, dass es früher sicher weitaus mehr Begräbnisstätten gab.

Doch durch den Pflug wurden sie auf dem freien Feld im Laufe der Jahrhunderte eingeebnet und die Steine der Grabkammern von den Äckern entfernt. Die beiden Viereckschanzen können als keltische Tempelbezirke angesehen werden.

Neben den archäologischen Sehenswürdigkeiten entlang des bereits existierenden archäologischen Wanderpfades und Wissenswertes über die Entwicklung des Stöckachwaldes, die der langjährige Förster Karl Schneider über Jahrzehnte hinweg festgehalten hat, stehen in Stalldorf Menschen im Mittelpunkt, die in dem kleinen Ort Geschichte geschrieben haben.

Pfarrer als Krippenfigur

Dazu gehört Pfarrer Martin (1876-1949), der von 1912 bis 1949 in Stalldorf gewirkt und eine Dorfchronik geschrieben hat. Das Antlitz des Geistlichen wird bis heute den Kirchgängern in der Weihnachtszeit vor Augen geführt. Pfarrer Martin ist eine der Krippenfiguren, deren Gesichter Stalldorfer Bürgern nachempfunden sind.

Ein anderes Original war Anton Berner aus dem Nachbarort Bernsfelden. Der Kaufmann versorgte mit seinem mobilen Verkaufsstand auf einem Fahrrad die Stalldorfer lange Zeit mit Lebensmitteln und allerlei Hausrat.

Als nach der Eingemeindung nach Riedenheim erstmals Straßennamen vergeben wurden, setzten die Stalldorfer dem Kaufmann, der am Dorfplatz seine Waren mit einem langen Spruch angepriesen hat, ein Denkmal indem sie eine Straße nach ihm benannt haben.

Hiltrud Gabel bringt mit „Sösse Kümmerle und Grumbieregmüäs midd Bauchflesch” zur Eröffnung des Riedenheimer Kulturweges am Sonntag, 22. Juli ein fast vergessenes leckeres Gericht auf den Tisch.
Hiltrud Gabel bringt mit „Sösse Kümmerle und Grumbieregmüäs midd Bauchflesch” zur Eröffnung des Riedenheimer Kulturweges am Sonntag, 22. Juli ein fast vergessenes leckeres Gericht auf den Tisch. Foto: Hannelore Grimm

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Archäologen
  • Edwin Fries
  • Essen
  • Historikerinnen und Historiker
  • Karl Schneider
  • Kaufmann
  • Kelten
  • Kulturdenkmäler
  • Köche
  • Pfarrer und Pastoren
  • Sankt Lioba Schule Bad Nauheim
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!