Sommerhausen

Sommerhausen: Aus den Kunsttagen werden zwei Veranstaltungen

Mehr als 30 Jahre lang öffneten die ansässigen Künstler einfach ihre Ateliers. Die neuen Organisatoren wollten mehr. Dagegen regte sich Widerspruch.
In Sommerhausen (Archivfoto) dreht sich an vier Tagen im Juni alles um Kunst. Foto: Claudia Schuhmann

Unter dem Namen "Kunsttage" ist die jährlich stattfindende Veranstaltung im Altort von Sommerhausen bekannt geworden. Doch heuer, im 33. Jahr ihres Bestehens, wird auf einmal zweigleisig gefahren. Zeitgleich mit den "Kunsttagen" finden vom 20.  bis 23. Juni die "Kunstwege" statt. Wie kam es zu dieser Aufspaltung?

Rückblick: Vor 33 Jahren hatte die Künstlerin Annadora Diller-Köninger die Sommerhäuser Kunsttage ins Leben gerufen. Galerien, Ateliers und Werkstätten öffneten ihre Pforten, Kunstfreunde konnten durch den Altort schlendern und entdecken, was die ansässigen Künstler an Kreativem geschaffen hatten. Nach diesem Muster lief die Veranstaltung seither ab, bis zum Jahr 2017. Damals zog sich Annadora Diller-Köninger mit 82 Jahren aus der Organisation zurück, das Ruder übernahm eine Interessengemeinschaft von Mitwirkenden.

Ein umfangreiches Rahmenprogramm kam dazu

Dieser Gemeinschaft gehören unter anderem die Geschäftsinhaberin Trude Wellstein und Dieter Neuser an, der in Sommerhausen eine Vinothek betreibt und Vorsitzender des Verkehrsvereins ist. Gemeinsam hatte sich das neue Organisationsteam an einige Veränderungen gewagt. Die Kunsttage wurden um ein umfangreiches Rahmenprogramm erweitert, etwa mit Showeinlagen, Musik und einer künstlerischen Schnitzeljagd, der "Kunstsuche".

"Der Erfolg hat uns Recht gegeben."
Trude Wellstein, Mit-Organisatorin der Kunstwege

"Vier Tage lang nur die Türen aufmachen – das sind Ideen von Vor-Vorgestern" sagt Trude Wellstein. 2015 habe sich das ganz deutlich gezeigt, ergänzt Dieter Neuser. In jenem Jahr seien die Kunsttage ein "absolutes Desaster" mit nur wenig Publikum gewesen. Die Besucher, die sich heutzutage für eine Veranstaltung wie die Kunsttage interessieren, erwarten mehr. Da ist sich Trude Wellstein sicher. "Und der Erfolg hat uns Recht gegeben", sagt sie selbstbewusst. "Wir wollen die Veranstaltung erweitern und auch für andere Kunstformen wie Literatur und Musik öffnen", erklärt Dieter Neuser.

In Sommerhausen finden erstmals parallel zwei Veranstaltungen statt: die bekannten "Kunsttage" und die "Kunstwege". Dieter Neuser und Trude Wellstein sind Mitorganisatoren der "Kunstwege". Foto: Claudia Schuhmann

Doch die Neuausrichtung gefiel nicht allen. Eine Gruppe habe lieber den "alten" Stil beibehalten wollen, sagt Trude Wellstein. Ein Konsens zwischen den Verfechtern der traditionellen Kunsttage und denen einer moderneren Variante sei letztendlich leider nicht zustande gekommen. Deshalb wird es in diesem Jahr gleichzeitig die "Kunsttage" und die "Kunstwege" in Sommerhausen geben. Den Besuchern werde vermutlich gar nicht auffallen, dass es sich rein formell nicht um ein und dieselbe Veranstaltung handelt, glaubt Trude Wellstein.

Die Bewegung soll im Vordergrund stehen

Für den Titel "Kunstwege" hat sich das Organisationsteam entschieden, weil das Thema Bewegung im Mittelpunkt stehen soll. Nicht nur können sich die Besucher auf einem Rundweg mit 15 Stationen durch den Ort bewegen, sie werden unter Umständen auch in die Veranstaltung mit einbezogen. Denn zwei Künstler in Masken und Kostümen werden im Altort unterwegs sein und den einen oder anderen humorvoll ansprechen. Bei der "Kunstsuche", die auch in diesem Jahr angeboten wird, gibt es wieder etwas zu gewinnen. Der Ort mit seinen Gassen, Häusern und Plätzen solle eine "begehbare Kunstausstellung" sein, fasst Dieter Neuser zusammen.

Das Rahmenprogramm sieht unter anderem am "Sommerhäuser Freitag" Straßenmusik, eine Gästeführung und eine Feuershow im Schlosshof vor. Außerdem stehen Lesungen auf dem Programm. Unter anderem trägt Schauspieler Markus Grimm spannende Stücke aus Geschichte und Gegenwart Sommerhausens vor. Und der Würzburger Studentenpfarrer Burkhard Hose wird am Sonntag aus seinem Buch "Seid laut" vorlesen.

Ärger über Kommerzialisierung

Annadora Diller-Köninger und Dieter Schmitt gehören zu denen, die wieder zu den "Kunsttagen" in ihrer gewohnten Form zurückkehren wollten. Was die neuen Organisatoren in den letzten beiden Jahren aus ihrer Veranstaltung gemacht hätten, sei nicht in ihrem Sinne gewesen, sagt Dieter Schmitt. Denn um Kunst sei es nicht mehr vorrangig gegangen, sondern um gewerbliche Interessen. Beschwerden ortsansässiger Künstler mit diesem Tenor seien an sie herangetragen worden, sagt Annadora Diller-Köninger. Diese "Kommerzialisierung" wollte sie nicht mit den "Kunsttagen" verbunden wissen. Im Oktober vergangenen Jahres sei dem neuen Team daher mitgeteilt worden, dass seine Mitarbeit nicht mehr nötig sei.

Dass die "Neuen" sich aber nicht zurückziehen, sondern stattdessen mit eigenen "Kunstwegen" unabhängig weiter machen wollten, hätte er erst im Februar erfahren, sagt Dieter Schmitt. Dadurch sei die Suche nach Ausstellungsflächen für Gastkünstler schwieriger geworden, da nun zwei Veranstaltungen um geeignete Flächen konkurrierten. Denn die Organisatoren beider Veranstaltungen laden auswärtige Künstler ein.

Ein Roboter malt Bilder

Dieter Schmitt hat für dieses Jahr erstmals einen nicht menschlichen Künstler engagiert. In Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Delft in den Niederlanden und zwei Sponsoren sei die Vorführung eines Roboters ermöglicht worden, der während der "Kunsttage" in Sommerhausen das Malen lernen und am Ende auf einer großen Leinwand eigenständig Kunstwerke erschaffen soll. Auch Studenten, die sich mit dem Thema "künstliche Intelligenz" befassen, werden vor Ort sein. Zu dem Thema wird es außerdem eine Diskussionsrunde geben.

Ebenso wie Annadora Diller-Köninger, die am Samstag in ihrem Anwesen im Mönchshof wieder ihr beliebtes Jazzkonzert veranstaltet, hat auch Dieter Schmitt einen musikalischen Gast eingeladen. Bei ihm im "Art&Weise"-Gewölbekeller wird am Freitagabend "The Fabulous Robert Cotton Band" Blues-Rock präsentieren.

Dass die Kunsttage in ihrer alten Form zuletzt unter massivem Besucherschwund gelitten hätten, sieht Annadora Diller-Köninger übrigens ganz anders als die Organisatoren der "Kunstwege". Um alle rechtlichen Vorgaben als Veranstalter erfüllen zu können, haben die Macher der "Kunsttage" nun eigens eine GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts, d. Red.) gegründet.

Die "Kunstwege" finden vom 20. bis 23.Juni statt. Die Öffnungszeiten sind am Donnerstag von 14 bis 19 Uhr, am "Sommerhäuser Freitag" von 17 bis 22 Uhr, am Samstag von 14 bis 19 Uhr und am Sonntag von 11 bis 17 Uhr. Informationen im Internet unter www.sommerhausen.de. Die "Kunsttage" finden ebenfalls vom 20. bis 23. Juni zu folgenden Zeiten statt: Donnerstag bis Sonntag von 14 bis 19 Uhr und am "Sommerhäuser Freitag" von 17 bis 22 Uhr.

Schlagworte

  • Sommerhausen
  • Claudia Schuhmann
  • Annadora Diller-Köninger
  • Bluesrock
  • Burkhard Hose
  • Dieter Schmitt
  • Kunst- und Kulturausstellungen
  • Kunstinteressierte
  • Künstlerinnen und Künstler
  • Markus Grimm
  • Pfarrer und Pastoren
  • Straßenmusik
  • Studentinnen und Studenten
  • Technische Hochschulen
  • Veranstaltungen
  • Ärger
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!