Würzburg

Sorge wegen Corona: Bürgertelefon in Würzburg läuft heiß

In Bayern haben sich bis Freitag 102 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Aus Unterfranken wurden zunächst keine neuen Fälle bekannt. Doch die Verunsicherung ist groß.
Ein Apotheker zeigt eine sogenannte eine FFP2-Atemschutzmaske. Sie bietet Ärzten und Klinikpersonal Schutz im Umgang mit Corona-Patienten.
Ein Apotheker zeigt eine sogenannte eine FFP2-Atemschutzmaske. Sie bietet Ärzten und Klinikpersonal Schutz im Umgang mit Corona-Patienten. Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

In Unterfranken sind am Freitag keine neuen Coronavirus-Fälle bekannt geworden, somit blieb es bis zum Abend bei sieben Infektionen – sechs in Würzburg, eine im Landkreis Bad Kissingen. Das zuständige Ministerium bestätigte erst am späten Freitagnachmittag die drei neuen Fälle vom Vortag.

Möglicherweise sind weitere Infektionen noch in Bearbeitung bei den Behörden. Erst wenn sie vom Ministerium bestätigt sind, dürfen die Landratsämter dazu informieren. Bayernweit wurden am Freitag 29 neue Coronafälle bestätigt, damit haben sich im Freistaat mittlerweile 102 Menschen mit dem neuartigen Virus angesteckt.

Alle Klassenkameraden des infizierten Schülers werden getestet

Unterdessen sollen bis Samstag alle 23 Klassenkameraden des infizierten Schülers der Würzburger Leonhard-Frank-Grundschule auf das Coronavirus getestet werden. Nach Auskunft des Gesundheitsamtes werden die Ergebnisse für Sonntag erwartet.  Auch weitere Freunde des Schülers werden kontaktiert. Wie berichtet, wurde die Schule vorsorglich bis Ende nächster Woche geschlossen.

Wegen eines Coronafalls bis Ende nächster Woche geschlossen: die Leonhard-Frank-Grundschule im Würzburger Stadtteil Heuchelhof.
Wegen eines Coronafalls bis Ende nächster Woche geschlossen: die Leonhard-Frank-Grundschule im Würzburger Stadtteil Heuchelhof. Foto: Daniel Biscan

Getestet werden Kontaktpersonen der Kategorie I, sie haben ein höheres Infektionsrisiko. Zu der Kategorie gehört, wer zum Beispiel 15 Minuten mit einem Infizierten Sprechkontakt oder direkten Kontakt zu Sekreten oder Körperflüssigkeiten hatte.

Nach Skilager in Südtirol: Schüler bleiben zuhause

Für eine neue Situation sorgt die Einstufung Südtirols als Risikogebiet. Einige Schulklassen in der Region sind von dort aus Skikursen oder von Klassenfahrten zurückgekehrt. Laut Erwin Pfeuffer, Leiter des Schulamtes für Stadt und Landkreis Würzburg, sollen betreffende Schüler nächste Woche zuhause bleiben. 

Um eine mögliche Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, hat die Schulleitung der Waldorfschule in Haßfurt (Lkr. Haßberge) am Freitag den Unterricht für die nächste Woche komplett abgesagt. Zunächst bestand die Sorge, dass ein Schüler sich mit Corona infiziert haben könnte. Zusammen mit seiner Familie war dieser zuvor im Urlaub in einem Risikogebiet. Das Testergebnis war allerdings negativ. Trotzdem bleibt die Waldorfschule für eine Woche geschlossen. Die Begründung: Zahlreiche Lehrer und Schüler sind ohnehin krank. 

Im Main-Tauber-Kreis (Baden-Württemberg) wurden am Freitag ein zweiter und am Samstag 21 neue Coronafälle bestätigt. Laut Landratsamt Tauberbischofsheim gehören sämtliche Betroffene einer Reisegruppe an, die gemeinsam in Südtirol war und von dort am 28. Februar zurückgekehrt war. Auch die ersten beiden Corona-Patienten, zwei Frauen, waren zusammen in Südtirol unterwegs. 

Mehrere hundert Anrufer bei neu eingerichtetem Bürgertelefon 

Landratsamt und Stadt Würzburg haben am Freitag ihr gemeinsames Bürgertelefon in Betrieb genommen, an das besorgte Bürger ab sofort ihre Fragen rund um das Coronavirus richten können. Auch in Bad Kissingen wurde nach dem ersten bestätigten Fall eine solche Hotline eingerichtet, teilte das zuständige Gesundheitsamt mit.

Stark frequentiert war das Bürgertelefon zum Coronavirus bereits am ersten Tag. Im Landratsamt arbeiten derzeit Mitarbeiter von Stadt und Landratsamt gemeinsam an bis zu fünf Apparaten.
Stark frequentiert war das Bürgertelefon zum Coronavirus bereits am ersten Tag. Im Landratsamt arbeiten derzeit Mitarbeiter von Stadt und Landratsamt gemeinsam an bis zu fünf Apparaten. Foto: Eva Schorno

Bereits am ersten Tag seien mehrere hundert Anrufe beim Bürgertelefon eingegangen, berichtet das Landratsamt Würzburg. Vor allem die Ausdehnung des vom Robert-Koch-Instituts festgelegten Risikogebietes auf Südtirol habe die Anrufer beschäftigt. "Viele erzählen, dass sie die vergangenen Tage in Südtirol zum Skifahren waren und jetzt unsicher sind, wie sie sich verhalten sollen", so Mitarbeiterinnen.

Bei Symptomen Hausarzt oder Notdienst anrufen

"Wer Symptome hat und aus einem Risikogebiet kommt", werde am Bürgertelefon aufgefordert, "unnötige Kontakte zu vermeiden, nach Möglichkeit zuhause zu bleiben und sich an seinen Hausarzt oder an den Notdienst der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns mit der Rufnummer 116117 zu wenden", heißt es aus dem Landratsamt. Doch da lauert auch schon das nächste Problem: "Anrufer berichten, dass beim Notdienst der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns kaum ein Durchkommen ist", berichten die Landratsamt-Mitarbeiterinnen Jana Hölz und Laura Steffan.

Auch Verantwortliche aus Schulen und Kindergärten hätten sich vermehrt an die Hotline gewandt. Dabei herrsche vor allem Unsicherheit in der Frage, "ob Urlauber aus Südtirol noch in die Einrichtung gehen dürfen und ob dafür ein ärztliches Attest erforderlich sei".

Grundsätzlich gilt laut Landratsamt, "dass Personen, die sich in einem vom RKI ausgewiesenen Risikogebiet aufgehalten haben – unabhängig von Symptomen – unnötige Kontakte vermeiden und nach Möglichkeit zu Hause bleiben sollen". Auch wenn es vereinzelt "genervte und ungeduldige" Anrufer gegeben habe, seien die meisten dankbar für Rat und Hilfe der Mitarbeiterinnen gewesen. 

Auch am Samstag und Sonntag wird das Bürgertelefon von Stadt und Landkreis von 10 bis 16 Uhr unter der Nummer (0931) 8003-5100 besetzt sein. Ab Montag ist die Nummer bis auf weiteres von 8 bis 16 Uhr zu erreichen.

Zahlreiche Veranstaltungen in Unterfranken wegen Coronavirus abgesagt

In ganz Unterfranken wurden Veranstaltungen wegen des Coronavirus abgesagt. Verschoben wird beispielsweise der Benefizflohmarkt des BRK Würzburg, der am Samstag beginnen sollte. Dieser hätte zwei Wochen dauern sollen. "Wir wollen kein Risiko eingehen", sagt BRK-Sprecher Stefan Krüger. Akute Angst habe man zwar nicht vor dem Virus, der Flohmarkt sei jedoch "sehr personalintensiv". Das BRK wolle seine Ressourcen schonen. "Momentan wissen wir nicht, wie wir unsere Leute brauchen", so Krüger. Darüber hinaus fallen auch Kongresse, Messen, Kinderkleiderbasare und ein Gardeturnier in Unterfranken aus.

Hier sah es es noch gut aus: Die Akteure vor dem Starkbieranstich am Nockherberg, der wegen Corona nicht wie gewohnt stattfinden wird.
Hier sah es es noch gut aus: Die Akteure vor dem Starkbieranstich am Nockherberg, der wegen Corona nicht wie gewohnt stattfinden wird. Foto: Peter Kneffel, dpa

Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus beeinträchtigt auch zunehmend politische Veranstaltungen in Bayern. Das beliebte Politiker-Derblecken beim Starkbieranstich auf dem Nockherberg in München findet nicht wie geplant statt, wie der Chef der veranstaltenden Paulaner-Brauerei, Andreas Steinfatt, am Freitag sagte. Die Veranstaltung mit satirischer Bußpredigt und anschließendem Singspiel vor Bayerns politischer Prominenz ist eine beliebte Fernsehsendung mit Millionen Zuschauern.

Corona-Störung im Kommunalwahlkampf

Auch für den Kommunalwahlkampf ist Sars-CoV-2 eine Herausforderung. Im schwäbischen Landkreis Augsburg habe sich der Freie-Wähler-Kandidat Werner Halank (53) infiziert, teilten die örtlichen Behörden mit. Der Jurist habe in den vergangenen Tagen "massiven Wahlkampf" betrieben, sagte ein Sprecher. Die Behörden suchen nach Kontaktpersonen, die dem Mann etwa im Wahlkampf die Hand geschüttelt haben.

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