WÜRZBURG/SCHWEINFURT

Sparkassen in der Region: Tresor ist kein Thema

Weltspartag
Sparkassen suchen wie Banken auch nach Auswegen aus der Zinsfalle. Denn sie müssen draufzahlen, wenn sie ihr Geld bei der Europäischen Zentralbank parken. Foto: Daniel Naupold, dpa

Die Sparkassen in Mainfranken werden ihr überschüssiges Bargeld künftig nicht im Keller lagern. Mit Blick auf den Strafzins der Europäischen Zentralbank (EZB) für Geldeinlagen war am Freitag diese Frage aufgetaucht.

Sie sorgte deshalb für Aufsehen, weil der Sparkassenverband Bayern den 71 angeschlossenen Geldhäusern in einem internen Rundschreiben Beispielrechnungen vorlegte. Darin ist nach einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zu lesen, dass es unter Umständen günstiger sein kann, hohe Bargeldwerte nicht bei der EZB zu lagern, sondern im eigenen Haus – also zum Beispiel in einem Tresor.

Wer die Variante Tresor wählt, muss dann allerdings den Versicherungsschutz erhöhen, ganz zu schweigen vom Ausbau der Sicherheitsvorkehrungen. Da gilt es gegenzurechnen, ob das unterm Strich wirtschaftlicher kommt als jene 0,3 Prozent Strafzins für das Parken von Geld bei der EZB. Der Strafzins soll Geld im Wirtschaftskreislauf halten und die Konjunktur beleben.

Tresor oder nicht – „alles kein Thema“, ist unisono von den fünf Sparkassen in Mainfranken zu hören. Das scheint man aber in einigen anderen Sparkassen Bayerns nicht so entspannt zu sehen. Denn es habe aufgrund des Rundschreibens „einige Anfragen“ gegeben, sagte die Sprecherin des Sparkassenverbandes in München, Eva Mang, gegenüber unserer Redaktion.

In Mainfranken lehnen sich die Banker aber offenbar zurück. Nach den Worten des Vorstandsvorsitzenden Johannes Rieger lagert die Sparkasse Schweinfurt „kein Geld bei der EZB“. Überschüssige Liquidität werde vielmehr in vielfältiger Weise angelegt, zum Beispiel in Industrie- oder Bundesanleihen. Nach Rieger geht es hier um eine Milliarde Euro (Stichtagswert) als überschüssige Liquidität – die Differenz aus Kundeneinlagen und Kundenkrediten.

Ähnlich geht man in der Sparkasse Bad Kissingen vor. Bargeldwerte bei der EZB zu lagern, „das wäre totes Kapital“, sagte Vorstandsvorsitzender Roland Friedrich auf Anfrage. Insofern stelle sich die Variante mit dem Tresor nicht. Wie in Schweinfurt legen auch die Sparkassen in Bad Kissingen und Bad Neustadt ihr überschüssiges Geld anderweitig an – aber eben nicht bei der EZB. Friedrich zufolge sind das in Bad Kissingen im Schnitt 600 Millionen Euro.

Es geht um viel (Bar-)Geld

„Eine gezielte Einlagerung von Bargeld zur Vermeidung von Negativzinsen ist derzeit nicht geplant“, teilte die Sparkasse Mainfranken in Würzburg mit. Gleichwohl würden alle Kassen und Geldautomaten betriebswirtschaftlich disponiert. „In Zeiten hoher Zinsen wird wegen des Zinsverlustes knapp disponiert und häufiger befüllt. In Zeiten niedriger Zinsen wird dies zur Vermeidung von Transportkosten optimiert.“

Neue Tresore für Bargeld seien nicht in Planung, heißt es aus Würzburg weiter. Die für die Stadt- und Landkreise Würzburg, Kitzingen und Main-Spessart zuständige Sparkasse streut ihre Liquidität „in verschiedenen Anlage-Laufzeiten, zum Beispiel in Anleihen und Pfandbriefen“.

In der Sparkasse Ostunterfranken in Haßfurt „haben wir das Rundschreiben des Sparkassenverbandes nicht beachtet – weil es keinen Sinn macht“, sagte Vorstandsmitglied Andreas Linder. Das einzige Geld, das sein Haus bei der EZB liegen habe, sei die vorgeschriebene Mindestreserve.

Nach Linders Darstellung legen die Haßfurter ihr überschüssiges Bargeld vor allem bei den Verbundpartnern der Sparkasse, also unter anderem bei den Landesbanken an. Noch besser sei es freilich, flüssige Mittel so gering wie möglich zu halten, „denn Bargeldhaltung ist teuer“.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Schweinfurt
  • Bad Neustadt
  • Bad Kissingen
  • Haßfurt
  • Jürgen Haug-Peichl
  • Europäische Zentralbank
  • Johannes Rieger
  • Roland Friedrich
  • Sparkasse Bad Kissingen
  • Sparkasse Ostunterfranken
  • Sparkasse Schweinfurt
  • Sparkassen
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!