WÜRZBURG

Spitalgeschichte(n) auf der Bühne

Relief mit Widder im Wappen.SAMMLUNG DÜRRNAGEL
Relief mit Widder im Wappen.SAMMLUNG DÜRRNAGEL Foto: Foto:

Wenn am Abend des 2. Juli fünf Leute in der Kelterhalle des Bürgerspital-Weinguts zusammensitzen und sich über die 700-jährige Geschichte dieser Würzburger Stiftung unterhalten, klingt dies nicht besonders aufregend.

Etwas anderes ist es, wenn dieses Quintett sein Gespräch vor 380 Zuschauern auf einer eigens aufgebauten Bühne führt. Und wenn es sich bei den Fünf um professionelle Schauspieler des Mainfranken Theaters handelt. Denn zum Jubiläum des Bürgerspitals wird am am 2. Juli das musikalische Schauspiel „Ein Widder mit Flügeln“ uraufgeführt.

Es ist das erste Mal, dass die beiden Nachbarn aus der Ludwig- und Theaterstraße eine Kooperation miteinander eingehen und geht auf eine Idee der Leitenden Stiftungsdirektorin des Bürgerspitals Annette Noffz zurück. Als sie den Vorschlag einer Inszenierung zum Stiftungsjubiläum an den damals noch amtierenden Intendanten Herrmann Schneider quasi über die Straße ins Theater getragen habe, sei dieser auf der Stelle begeistert gewesen, so Noffz bei einem Pressegespräch in dieser Woche.

„Interessant, kurzweilig, charmant und ernsthaft“ solle die Geschichte der Stiftung in dem Stück erzählt werden, so die Stiftungsdirektorin. Dabei solle der Blick nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch auf Gegenwart und Zukunft der sozialen Stiftung gerichtet werden, in deren Mittelpunkt nach wie vor die Pflege alter Menschen steht. Daneben hat sich das Spital im Lauf der Jahrhunderte stetig weiterentwickelt und bietet heute mannigfaltige Berufsfelder im Sozialbereich, in Verwaltung und Weinbau.

Was der Widder im Titel bedeuten? Annette Noffz klärt auf. Das hat mit Stiftungsgründer Johann von Steren, einem der führenden Repräsentanten Würzburgs im frühen 14. Jahrhundert, zu tun. Dessen Name von Steren leitet sich von dem Wort aries ab, was im Lateinischen Widder heißt und im Mittelhochdeutschen zu ster wurde. Deshalb trug die Familie in ihrem Wappen einen Widder. Das Wappentier hat Stiftungsdirektorin Noffz für das Jubiläum von Stadtgrafiker Markus Westendorf zeitgemäß als freche Karikatur überarbeiten lassen.

Was man zunächst brauchte, war ein Autor für das noch zu verfassende Bühnenstück. Nach dem Motto „Never change a winning team“ hab man schnell an die Würzburger Schriftstellerin Ulrike Schäfer gedacht, berichtet Dramaturg Roland Marzinowski. Mit der inzwischen mehrfach preisgekrönten Autorin realisierte das Mainfranken Theater bereits 2015 ihre Bearbeitung von Leonhard Franks „Die Jünger Jesu“. „Ein riesiger Erfolg“, wie Marzinowski sagt. Es mussten damals sogar zusätzliche Vorstellungen angesetzt werden, so groß war die Nachfrage.

Allzu viele Einblicke in ihre Schreibwerkstatt wollte und konnte Ulrike Schäfer zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht preisgeben. Es gehe ihr nicht um eine chronologische Abbildung der Spitalgeschichte, sondern „um den Spirit des Hauses“, denn schließlich „leben Menschen nicht von einer historischen Situation zu anderen.“ Die fünf Personen des Stücks unterhielten sich über Fragen aus der Geschichte des Spitals, wobei auch Themen aus dem Alltag besprochen würden. Dabei gehe es teilweise auch „recht hemdsärmelig“ zu, so Schäfer. Zur Zeit sucht das Theaterteam noch nach Kompositionen aus Würzburg, die das Stück musikalisch ergänzen sollen.

Traditionelle Lieder sollen dabei neu vertextet werden. Dass dabei die „Würzburger Glöckli“ vom Glockenspiel des Bürgerspitals nicht fehlen dürfen, versteht sich fast schon von selbst. Bei der Pressekonferenz gaben Sopranistin Anja Gutgesell und Kapellmeister Alexis Agrafiotis schon einmal einen Vorgeschmack darauf.

Theater-Geschäftsführer Dirk Terwey und Schauspieldirektor Stephan Suschke äußerten sich beim Pressegespräch sehr zufrieden darüber, dass nach „Café Revue“ und den „Jüngern Jesu“ abermals ein Thema aus der Würzburger Stadtgesellschaft auf der Theaterbühne zu erleben sein wird. Schließlich wolle „Theater Geschichte erzählen und Geschichte(n) sinnlich machen“, so Suschke.

Der Aufführungsort außerhalb des Theaters erlaube schon mal einen Blick in die Zukunft des Theaters während der Sanierung. Es sei eine spannende Herausforderung, so Terwey, einen Alltags- in einen Theaterraum zu verwandeln. Die Proben für das Stück sollen Ende Mai, Anfang Juni beginnen. Regie führt Axel Stöcker, der schon mehrfach am Mainfranken Theater inszenierte.

Die Premiere ist am Samstag, 2. Juli. Weitere Aufführungen sind für 9., 10., 16., 17. und 24. Juli angesetzt. Sollte dies nicht ausreichen, kann das Theater weitere Vorstellungen einschieben.

Der Vorverkauf hat bereits begonnen.

Karten gibt es im Internet unter www.theaterwuerzburg.de per E-Mail: karten@theaterwuerzburg.de

sowie an der Theaterkasse Tel. (0931) 3908 124

Funk und Fernsehen       -  Auch im Stück zum 700. Geburtstag des Bürgerspitals wird das bekannte Glockenspiel einen Part übernehmen. Hier ein Bild von Februar 1957, als sein Klang für ein Fernseh-Pausenzeichen aufgenommen wurde.
Auch im Stück zum 700. Geburtstag des Bürgerspitals wird das bekannte Glockenspiel einen Part übernehmen. Hier ein Bild von Februar 1957, als sein Klang für ein Fernseh-Pausenzeichen aufgenommen wurde. Foto: ArchivMP
Bürgerspital       -  Ein Wahrzeichen des Bürgerspitals zum Hl. Geist ist das Glockenspiel ARCHIVFoto: HANS HEER
Ein Wahrzeichen des Bürgerspitals zum Hl. Geist ist das Glockenspiel ARCHIVFoto: HANS HEER Foto: Hans Heer

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