WÜRZBURG

Staatsarchiv: Mehr als 2600 Unterschriften gegen Umzug

Staatsarchiv: Proteste reißen nicht ab       -  Protest gegen die Verlegung: Am Donnerstag geht es im öffentlichen Fachgespräch um die Zukunft des Staatsarchivs.ARCHIVFoto: OBERMEIER
Protest gegen die Verlegung: Am Donnerstag geht es im öffentlichen Fachgespräch um die Zukunft des Staatsarchivs.ARCHIVFoto: OBERMEIER

Das Staatsarchiv soll in Würzburg bleiben. Das fordern inzwischen viele, nicht nur Fachleute. In einem öffentlichen Fachgespräch „Kulturgut Archiv – Gedächtnisort und Wissensschatz“, zu dem der SPD-Landtagsabgeordnete Georg Rosenthal am Donnerstag, 18. Februar, um 19 Uhr in die Barockhäuser in der Neubaustraße 12 einlädt, wollen bedeutende Vertreter des deutschen Archivwesens nochmals ein deutliches Zeichen gegen den drohenden Schaden für die Region Würzburg setzen, heißt es der Ankündigung.

Wenn die Entscheidung zur Verlagerung bestehen bleibe, werde Würzburg viel Profil verlieren, Kitzingen aber auch nichts Entscheidendes gewinnen können. Es gehe aber auch darum, für die brach liegenden Konversionsflächen in Kitzingen eine strukturpolitische Erneuerung zu finden, so die Mitteilung weiter.

Auch die Juso-Hochschulgruppe Würzburg kritisiert die Pläne des Heimatministers Markus Söder jetzt in einer Pressemitteilung. Das Würzburger Staatsarchiv nach Kitzingen zu verlegen, würden für viele Studierende der Geisteswissenschaften bedeuten, für Recherchen pendeln zu müssen.

„Für uns ist nicht klar, wie man auf diese Idee kommen konnte“, sagt Melanie Tietze, Sprecherin der Juso-Hochschulgruppe Würzburg, laut Mitteilung. „Alle Beteiligten hier in Würzburg, allen voran die Studierendenvertretung, und auch die gesamte Opposition im Landtag haben sich entschieden dagegen positioniert", so Tietze weiter

.

Von einer „Zerschlagung des Wissenschaftsstandort Würzburg“ spricht gar der Verband deutscher Archivarinnen und Archivare in einer Petition. „Das dürfte für die Geisteswissenschaften keine Untertreibung sein“, meint Daniel Schneider, selbst Geschichtsstudent, laut der Pressemitteilung.

„Ich selbst nutze das Archiv gelegentlich. Momentan kann ich dahin noch zu Fuß gehen. Entweder ich suche bald nach anderen Quellen oder - wenn mir keine andere Wahl bleibt - nehme die lange Fahrt auf mich.“

„Die Verlagerung des Archivs aus dem Zentrum der Studierenden, Forschern und Forscherinnen und aus den historischen Gemäuern der Residenz nach Kitzingen wird lediglich mit 'strukturpolitischen Gründen' erklärt", beklagt Michael Reitmair, Landeskoordinator der Juso-Hochschulgruppen Bayern.

„Die Folgen wurden bei dieser politischen Entscheidung wohl nicht bedacht. Diese Diskussion wird nachzuholen sein“, ergänzt Reitmair.

Mit einem Antrag zur Anhörung von Fachleuten, der am Donnerstag im Stadtrat behandelt wird, möchte die SPD-Fraktion die Grundlage für eine konstruktive Diskussion in der Stadt Würzburg und im Bayerischen Landtag schaffen. Der Antrag sieht vor, dass das Ergebnis als Eingabe an das für die Entscheidung zuständige Wissenschaftsministerium geht.

Bisher haben die Stadt und OB Christian Schuchardt (CDU) auf eine Stellungnahme verzichtet. Die Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat zeigen jedoch, dass im Stadtrat eine spannende Abstimmung bevorsteht, so eine Pressemitteilung des SPD-Landtagsabgeordneten und früheren Würzburger Oberbürgermeisters Georg Rosenthal.

Die Stadt habe zwar keine Befugnisse, um gegen die Entscheidung der Staatsregierung des Freistaats Bayern administrativ vorzugehen, erklärt Rosenthal, der den Antrag der Stadtratsfraktion unterstützt. Dennoch stelle sich zurecht die Frage, wie sich die Stadt Würzburg zum Abzug des Staatsarchivs positioniere.

„Es geht hier schließlich nicht um irgendeine x-beliebige Behörde, deren Umzug ansteht, sondern um das kollektive Gedächtnis von Stadt und Region“, betont er. Das Staatsarchiv könne auf eine 250-jährige Tradition und Geschichte zurückblicken und sei heute ein entscheidender Baustein in der Forschungslandschaft von Würzburg.

„Es wäre fahrlässig, wenn die Stadt Würzburg auf das ihr zustehende Recht verzichten würde, ihren Standpunkt gegenüber der Staatsregierung darzulegen und damit die Interessen der Stadtgesellschaft zu vertreten“, so Rosenthal weiter.

Zu den zahlreichen Kritikern gehört auch der Verband deutscher Archivarinnen und Archivare. An diesem Montag, 15. Februar, endete die von dem Verband initiierte Unterschriftensammlung. Sie wird demnächst mit über 2600 Unterschriften an das Wissenschaftsministerium übergeben.

An der Diskussion nehmen auf Einladung von Georg Rosenthal neben der Hochschul- und Kulturpolitischen Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Isabell Zacharias, Dr. Michael Hollmann, Präsident des Bundesarchivs, Dr. Sabine Happ, stellvertretender VdA-Vorsitzender, sowie der Archivpreisträger Prof. Dr. theol. Dr. phil. habil. Godehard Ruppert, Präsident der Otto-Friedrich-Universität Bamberg teil.

Der Eintritt ist frei.

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