WÜRZBURG/KITZINGEN

Staatsarchiv soll in den Innopark

Viel Platz: 620 Meter lang ist das Gebäude im Innopark, in dem das Staatsarchiv aus Würzburg untergebracht werden soll. Die Dimension kann man auf diesem Foto sehr gut nachvollziehen, das zur Verdeutlichung nachbearbeitet wurde. Voller Optimismus gehen Inhaber Bernhard Beck (links) und der Landtagsabgeordnete Otto Hünnerkopf an dieses Kitzinger Leuchtturm-Projekt. Foto: Norbert Hohler/Bearbeitung MP-Grafik

Aus dem Gebäude schaut man rüber zum Schwanberg, hat Weitblick übers Frankenland. Drinnen spaziert man über die breiten Flure des 620 Meter langen Kasernengebäudes, das bis vor ein paar Jahren das längste Bayerns war. Genau hier, im Innopark Kitzingen, soll das Staatsarchiv seine neue Heimat finden, das noch in Würzburg an zwei Standorten auf der Festung und in der Residenz untergebracht ist.

Die Idee für diese Rochade kam dem Landtagsabgeordneten Otto Hünnerkopf, als Horst Seehofer im Zuge der Vergabe des „Museums für Bayerische Geschichte“ an Regensburg den knapp unterlegenen Würzburgern offenbarte: Ihr bekommt rund 100 Millionen Euro, um das Mainfränkische Museum auf der Festung völlig neu aufzubauen. „Es wurde schnell klar, dass das Staatsarchiv diesen Plänen im Weg steht, umziehen muss“, sagt der 63-Jährige. „Und damit war die Gelegenheit da, Kitzingen in Sachen Konversion ein wichtiges Stück voranzubringen.“

Schon Edmund Stoiber und sein damaliger Wirtschaftsminister Erwin Huber seien 2007 von dem abgerundeten Gebäude aus den 1930er Jahren begeistert gewesen. Horst Seehofer sei es 2010 bei seinem Besuch nicht anders gegangen. „Was damals noch fehlte, war die richtige Nutzungsidee. Und andere Standorte mit höherer Arbeitslosigkeit hatten überdies höhere Priorität bei der Konversion als Kitzingen“, gibt der CSU-Politiker zu bedenken.

Jetzt aber könnte eine echte „win-win“-Situation für Würzburg und Kitzingen entstehen. „Je früher wir das Staatsarchiv in den Innopark umziehen, desto schneller können die Pläne auf der Festung und der Residenz in Würzburg angepackt werden“, findet der Abgeordnete aus Untersambach. Er unterstreicht die Einigkeit in dieser Frage mit den Würzburger CSU-Spitzen Barbara Stamm, Oliver Jörg und Christian Schuchardt.

Beim Ortstermin im Innopark lassen sich gute Gründe für den Standort mühelos finden: Das unterkellerte Gebäude mit zwei Stockwerken und einem ausbaufähigen Dach erfüllt locker die Anforderung von 7000 Quadratmetern Fläche. „Allein die beiden Stockwerke ergeben um die 10 000“, weiß Gebäudemanager Michael Klos. Dazu kommt: Das Gelände ist weitläufig, hat alten Baumbestand und ist doch sehr stadtnah. „Die 20 Kilometer von Würzburg sind keine echte Hürde. Die Fahrt von der Universität am Hubland nach Kitzingen dauert nicht länger als die von der Residenz zur Festung. Und Parkprobleme gibt es im Innopark garantiert keine“, findet Inhaber Bernhard Beck.

Er hat der Staatsregierung ein sehr verlockendes Angebot gemacht: „Wir verkaufen, wir bauen um und vermieten, wie es gewünscht wird“, verspricht Beck. Jetzt sei das Staatliche Bauamt am Zug, die Anforderungen an das Staatsarchiv zu definieren, ein Konzept zu entwickeln. „Wie viele Räume müssen klimatisiert sein? Wie viele Büros werden gebraucht? Wie groß müssen Archivflächen sein? Braucht es Arbeitszimmer und Unterkünfte für Forscher oder Studenten? Alles ist möglich.“ Beck kann sich sogar vorstellen, dass für einen Teil des Archivs ein Kubus neu gebaut werden müsste. „Falls es so sein sollte, werden wir eine Lösung finden.“

Wie schnell es mit dem Umzug des Staatsarchivs nach Kitzingen etwas werden könnte, hängt auch von der Grundsatzentscheidung „kaufen oder mieten“ der Staatsregierung ab. Vor allem aber ist es zuvorderst eine Frage der Finanzierung. „Realistisch gesehen ist äußerst unwahrscheinlich, dass sich im Doppelhaushalt 2015/2016 da noch etwas machen lässt. Also geht es eher um 2017 und 2018“, glaubt Otto Hünnerkopf.

Bernhard Beck formuliert das Ziel so: „Wenn es gelingt, 2015 die Planungen fix und fertig zu erstellen und 2016 Verträge und Auftragsvergabe zu regeln, dann könnte das Staatsarchiv vielleicht sogar Ende 2017 oder im Laufe des Jahres 2018 eröffnet werden.“

Noch ist das Ganze Zukunftsmusik, die Zahl der Hürden ist hoch. „Was mich freut, ist wie positiv der Kitzinger Oberbürgermeister Siegfried Müller auf die Nachricht reagiert hat, dass das Staatsarchiv nach Kitzingen kommt“, sagt Hünnerkopf. Er setzt überdies auf ein hohes Maß an Geschlossenheit im Kitzinger Stadtrat und allen anderen Entscheidungsgremien. „So eine Chance gibt es nie wieder.“ Das Staatsarchiv sei 250 Jahre in Würzburg gewesen, jetzt käme es „mindestens für die nächsten 100“ nach Kitzingen.

Zusammen mit dem Fastnachtmuseum gäbe das ein ganz neues Image für die Stadt. . .

Innopark Kitzingen

Innopark: Der Gewerbepark im Westen Kitzingens hat sich nach dem Abzug der Amerikaner 2006 und dem Verkauf durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben 2010 in den ehemaligen Larson-Barracks (Flak-Kaserne) entwickelt. Dahinter steht die Innopark Kitzingen GmbH.

Größe: 52 Hektar.

Aufteilung: Öffentlich zugänglicher Bereich vorwiegend für Büroflächen, Sportanlagen und Veranstaltungen. Gesicherter Bereich mit Wachdienst und vielen unterschiedlichen Firmen. Unternehmen: Erneuerbare Energien, Architektur, Finanz-/Personal-/IT-/Industrie-Dienstleistung, Handwerk, Handel, Logistik, Schulwesen, Elektrotechnik, Bauwesen und Sport.

Arbeitsplätze: über 400.

Das Staatsarchiv

Zwei Standorte: Das Staatsarchiv in Würzburg ist in zwei renommierten Gebäuden untergebracht: Ein Teil ist im Nordflügel der Residenz, der Rest im Fürstenbau der Festung Marienberg. Der Standort in der Residenz feierte im Vorjahr Geburtstag. Vor 250 Jahren wurden die Dokumente des Hochstifts von der Festung in die Residenz transportiert. Aus einem Aufbewahrungsraum in dem Barockbau sind inzwischen 65 geworden.

Die Größenordnung: Das Staatsarchiv bewahrt rund acht Millionen Archivalien, rund 23 100 laufende Meter an Zeugen der gedruckten Vergangenheit auf, darunter viele Gestapo-Akten.

Die Verlagerungspläne: Nach den Söderschen Vorstellungen sollen 17 Arbeitsplätze nach Kitzingen verlagert werden. Gewichtiger ist allerdings der Platz, den das Archiv braucht: satte 7000 Quadratmeter.

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