Würzburg

Stadt: Seilbahnen in Würzburg sind keine Alternative für ÖPNV

Immer wieder bringen Stadträte Seilbahnen in Würzburg ins Gespräch. Doch nach einer Exkursion hat die Stadt nun eine Meinung, ob das hier wirklich Sinn macht.
Könnte eine Seilbahn den ÖPNV in Würzburg attraktiver machen? Die Stadt hat sich Erfahrungen bei einer Exkursion in Innsbruck eingeholt. Dieses Bild zeigt eine Seilbahn in Berlin. Foto: Gregor Fischer, dpa

Während sich auf den Straßen der Verkehr staut, gleiten die Kabinen unbeeindruckt viele Meter weiter oben über die Blechlawine. In einigen Städten ist das Alltag – nicht nur in Bergregionen. In Koblenz wurde die Seilbahn als Attraktion und umweltfreundliche Verkehrsverbindung zur Bundesgartenschau 2011 gebaut und befördert seitdem jeweils viele Passagiere in ihren 16 Kabinen. Im Frühjahr brachte CSU-Stadtrat Wolfgang Roth den Einsatz von Seilbahnen in Würzburg ins Gespräch. Seitdem wurde mehrfach darüber diskutiert.

Im Herbst informierten sich Stadträte dann in Innsbruck über das dortige ÖPNV-Konzept  und auch über die Seilbahn als Mittel zur öffentlichen Fortbewegung. Schon kurz nach der Exkursion gingen die Meinungen über eine Seilbahn in Würzburg stark auseinander. Vor allem die von Roth vorgeschlagene Verbindung vom Möbelhaus Ikea in die Innenstadt sorgte eher für kritische Stimmen. Anders sahen das Leser, die sich an einer nicht repräsentativen Umfrage auf mainpost.de mehrheitlich (66 Prozent) für eine Seilbahn ausgesprochen haben.

Seilbahn bräuchte in Würzburg viele Zwischenstationen

Nun hat auch die Stadtverwaltung ein Fazit aus den Erkenntnissen in Innsbruck gezogen. Begutachtet haben die Stadträte dort zwei Bahnen. "Beide haben gemeinsam, dass sie von starker touristischer Nutzung geprägt sind", heißt es schriftlich aus dem Rathaus. Zudem verbinden sie primär zwei Punkte miteinander. Gerade das wäre in Würzburg jedoch nicht der Fall. Der Bedarf in der Stadt sei flächig geprägt und würde bei einer Erschließung mittels einer Seilbahn eine Vielzahl von Zwischenstationen benötigen. "Hier ist es schwer vorstellbar, diese im dicht bebauten Stadtbereich gut unterbringen zu können", so die Stadtverwaltung.

Im Herbst haben sich mehrere Stadträte in Innsbruck über den ÖPNV und Seilbahnen informiert. Foto: Thomas Schmitt

Zudem sei zu erwarten, dass sich Bewohner beschweren könnten, da Passagiere einer Seilbahn bei einer Fahrt über Würzburg in bisher nicht einsehbare Bereiche blicken könnten. Dies sei bei den Innsbrucker Bahnen nicht der Fall, da sie überwiegend über unbebautes und bewaldetes Gebiet führen. Als Alternative für Bus- und Straßenbahnlinien ist eine Seilbahn laut Stadtverwaltung deswegen kein geeignetes Mittel.

Stadt hält Seilbahn zur Festung Marienberg für geeignet

Anders sieht es aber bei einer möglichen Verbindung aus, die zur Festung führen könnte. Auch diese Möglichkeit war bereits im Gespräch und erscheint laut Stadtverwaltung grundsätzlich geeignet, weil sie lediglich zwei Punkte miteinander verbinden würde und eher eine touristische Nutzung im Fokus steht. "In jedem Fall ist jedoch eine sorgfältige Abwägung der Aspekte des Städtebaus und Denkmalschutzes erforderlich", so die Stadt.

Aber nicht nur zu möglichen Seilbahnen gab die Stadtverwaltung ihre Einschätzung ab. Auch andere Bereiche des Nahverkehrs haben Stadträte in Innsbruck angeschaut. Eine Tarifreform im Jahr 2015 hat dort für deutlich mehr Fahrgäste gesorgt. Seitdem gibt es beispielsweise ein Jahresticket für 330 Euro. Vorher hatte es über 460 Euro gekostet.

Ein Bewohnerparkschein ist deutlich teurer als in Würzburg

Bei Parkplätzen gibt es einen großen Unterschied zu Würzburg: Fast das ganze Stadtgebiet ist laut Stadtverwaltung in Form von Anwohnerparken und Kurzparken bewirtschaftet. Hier wurde Quartier für Quartier untersucht um die richtige Balance hinzubekommen, die die Bedürfnisse von Anwohnern und Einzelhandel berücksichtigt, sowie um den Missbrauch durch Pendler zu vermeiden.

Die Gebühr für die Anwohnerparkberechtigung ist fast vier Mal höher als in Würzburg (111 Euro statt 30 Euro pro Jahr). Die Parkscheinautomaten fürs Kurzparken, die flächendeckend im Stadtgebiet aufgestellt sind, sind in Innsbruck gleichzeitig Ticketautomaten für den ÖPNV.

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