WÜRZBURG

Stadt kämpft nicht ums Staatsarchiv

Es wird nicht ruhig um den von Heimatminister Markus Söder im März angekündigten Umzug des Würzburger Staatsarchives samt 17 Arbeitsplätzen aus der Festung Marienberg und der Residenz nach Kitzingen. Jetzt wollte die SPD im Stadtrat erreichen, dass sich die Stadt bei der Staatsregierung für den Verbleib des Archives in Würzburg stark macht. Der Antrag fiel durch.

In der Begründung verwies die SPD auf Würzburg als Standort bedeutender Archive. Deren räumliche Nähe sei ein Vorteil, der durch die Verlagerung verloren gehe. Es solle besser auf den Konversionsflächen der Stadt ein geeigneter Standort gefunden werden.

Auch die Vertreter der bayerischen Archive hätten sich auf ihrer Fachtagung in Schweinfurt gegen eine Verlagerung ausgesprochen. „Wenn man die Stärkung des Kitzinger Raums beabsichtigt, hätte man das auf der Basis des dort Vorhandenen tun sollen“, argumentierte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Hans Werner Loew in der jüngsten Stadtratssitzung.

Die Verlagerung von siebzehn Arbeitsplätzen von Würzburg nach Kitzingen als Stärkung des strukturschwachen Raumes zu verkaufen, sei sachlich nicht gerechtfertigt, sondern beeinträchtige den Wissenschafts- und Archivstandort Würzburg, so Loew. „Der Stadtrat hat die Aufgabe, sich gegen diese Abwertung des Standortes Würzburg zu äußern.“ Doch das sahen nicht alle so.

„Der Freistaat versucht auch andere zu stärken. Wenn wir ein Oberzentrum sein wollen, muss auch außenrum etwas sein“, argumentierte CSU-Fraktionsvorsitzende Christine Bötsch. „Kitzingen ist schließlich nicht aus der Welt.“ Abgesehen davon sei beabsichtigt, das Archiv in nächster Zukunft zu digitalisieren, so Bötsch weiter. „Da ist es dann nicht mehr so wichtig zu wissen: Wo ist das Buch? Die geplante Verlagerung ist keine Schwächung Würzburgs. Wir haben so viel bekommen – da kann ich es ertragen, wenn auch Kitzingen mal etwas abbekommt“, sagte Bötsch.

„Der Freistaat nimmt für den Umzug Geld in die Hand, das Archiv bekommt ja sogar einen eigenen klimatisierten Komplex“, gab WL-Fraktionsvorsitzender Jürgen Weber zu bedenken. Kitzingen werde durch die neue Nutzung einer Militärbrache gestärkt. Gleichzeitig sei die Verlagerung eine einmalige Chance für neue Nutzungen in Residenz und Festung.

Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Matthias Pilz sorgte für Erheiterung auf den Rängen, als er bemerkte: „Ich halte es theoretisch für möglich, dass die bayerische Staatsregierung Fehler macht.“ Pilz fuhr fort: „Ich glaube, das ist hier passiert – und zwar im entscheidenden Drittel.“ Zu zwei Dritteln sei die Entscheidung richtig, nämlich was das Freiwerden der Räume in der Festung und der Residenz und die Verlagerung von Arbeitsplätzen nach Kitzingen betreffe.

„Das dritte und entscheidende Drittel ist aber, dass Würzburg der richtige Standort für das Archiv ist, weil es hier leicht benutzbar ist“, so Pilz. Man müsse sich die Frage stellen, ob sich nicht in Würzburg ein geeigneterer Standort finden lasse.

Seine Fraktionskollegin Karin Miethaner-Vent: „Digitalisiert wird, was eh schon jeder kennt, was ist mit den Sachen, die im Keller liegen“? Der Verbund der Archive in Würzburg sei gar nicht hoch genug einzuschätzen, was man hier auf kurzen Wegen forschen könne sei enorm.

Judith Jörg (CSU) argumentierte, es sei sinnvoll, zwei Standorte zusammenzuführen. „Die Archiv-Räume in der Residenz sind ohnehin voll“, sagte Jörg. „Da ist es doch besser, ein neues Gebäude mit Ausstellungsräumen und besseren Arbeitsbedingungen zu bauen und die große Chance zu nutzen, die Residenz aufzuwerten.“

Es sei nicht die Aufgabe der Stadt Würzburg, Kitzingen zu stärken, versuchte Loew noch einmal die Ratsmitglieder auf seine Seite zu ziehen. „Der Archivbestand wird zerrissen, das ist ein Schatz, den man nicht mutwillig aus der Hand gibt und in kleine Münze zerteilt.“ Bei der namentlichen Abstimmung fanden sich aber nur 19 Ratsmitglieder, die den Antrag unterstützen wollten. 24 stimmten dagegen, acht waren bei der Abstimmung nicht im Ratssaal.

Rückblick

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Würzburg
  • Kitzingen
  • Ernst Lauterbach
  • Archive
  • CSU
  • Christine Bötsch
  • Festung Marienberg
  • Hans Werner Loew
  • Judith Jörg
  • Jürgen Weber
  • Markus Söder
  • Matthias Pilz
  • Staatsarchiv Würzburg
  • Stadt Würzburg
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
1 1
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!