WÜRZBURG

Stadt sagt Empfang für Vertriebene ab

Die Stadt Würzburg hat den für diesen Freitag geplanten Rathaus-Empfang für die Vertriebenen abgesagt. Grund ist der Auftritt des rechtskonservativen Publizisten Michael Paulwitz bei der Gedenkfeier des Bundes der Vertriebenen (BdV) anlässlich des Tages der Heimat. Die Stadt wolle so „jede Verbindung zu ausländerfeindlichen Akteuren, Äußerungen oder Verhaltensweisen“ vermeiden, sagt Sprecher Christian Weiß. Der BdV hält derweil an der Feierstunde im Veranstaltungszentrum der Pfarrgemeinde Heiligkreuz mit dem Redner Paulwitz fest.

Offiziell heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt von Donnerstag, die Stadt Würzburg sehe sich „aufgrund aktueller Ereignisse“ nicht in der Lage den Empfang an diesem Freitag im Wenzelsaal durchzuführen. Man werde den BdV und Vertreter der Landsmannschaften aus Würzburg und Unterfranken nun zu einem späteren Zeitpunkt unter dem Motto „Nie wieder Krieg und Vertreibung“ einladen.

Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU) betont in der Mitteilung, die Würzburger heißen Flüchtlinge mit den schrecklichen Erfahrungen von Krieg und Vertreibung willkommen. Schuchardt wörtlich: „Wir fühlen mit den Schicksalen dieser Menschen mit und wollen einen Teil dazu beitragen, ihr Schicksal abzumildern und ihnen eine neue Lebensperspektive zu eröffnen. Das galt und gilt für Vertriebene gestern, heute und in der Zukunft.“

Albert Krohn (Würzburg), Kreis- und Bezirksvorsitzender des BdV, zeigte auch auf Nachfrage „enttäuscht“ über die Reaktion des Oberbürgermeisters. Schuchardt sei vor der „tendenziösen Kritik“ in der Presse „eingeknickt“. Der BdV werde die Feierstunde mit dem Redner Paulwitz durchführen. Alfred Kipplinger (Sulzbach. Lkr. Miltenberg) wird dann nicht dabei sein. Dabei hatte der stellvertretende Bezirks- und Landesvorsitzende des BdV die Einladung zu dem Treffen mit unterschrieben. Ich komme nicht und distanziere mich damit vom Redner Paulwitz", so Kipplinger am Donnerstag im Gespräch mit der Redaktion. Er habe nicht gewusst, dass der Journalist Mitglied der Republikaner ist, so Kipplinger, und sei "sehr erschrocken", als er dies nun erfahren habe. Auch Paulwitz' "überkritische Kommentare" zur Asylpolitik lehne er ab. Der BdV-Vize stellt klar: "Ich möchte mit solch verdächtigen Personen nichts zu tun haben." Warum er Paulwitz dann nicht einfach auslade? Da sei Albert Krohn dagegen, sagt Kipplinger. Für den Bezirksvorsitzende sei es wohl eine "Frage der Ehre", eine einmal gemachte Zusage auch einzuhalten.   

Derweil teilte der Würzburger Landrat Eberhard Nuß (CSU) mit, er habe die bereits zugesagte Teilnahme des Landkreises an der Festveranstaltung im Pfarrzentrum Heiligkreuz bereits am Mittwoch abgesagt, nachdem er von der politischen Herkunft des Redners erfahren habe. Paulwitz ist Mitglied im baden-württembergischen Landesvorstand der rechtslastigen Republikaner.

Einen ausführlichen Brief an die BdV-Verantwortlichen hat der SPD-Landtagsabgeordnete Volkmar Halbleib geschrieben. Der Ochsenfurter ist selbst Mitglied der sudetendeutschen Landsmannschaft und vertriebenenpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion. Außerdem engagiert er sich im BdV. Es bleibe für ihn eine Herausforderung, die „berechtigten Anliegen der Landsmannschaften“, das Bewusstsein für das Schicksal von Flucht und Vertreibung in der Mitte der Gesellschaft, insbesondere bei den nachwachsenden Generationen zu verankern.

Für ihn, so Halbleib, sei dies aber zwingend verbunden mit der „klaren Absage an Positionen, die die deutsche Verantwortung für die Geschichte des 20. Jahrhunderts relativieren und revisionistisches, ausländerfeindliches und rechtslastiges Gedankengut wieder salonfähig machen oder die heutigen Opfer von Flucht und Vertreibung denunzieren, die in Deutschland um Hilfe nachsuchen“. Genau diese klare Trennungslinie überschreite der Historiker Michael Paulwitz sowohl in seinen publizistischen wie auch seinen politischen Aktivitäten, so Halbleib. Deshalb erweise der BdV-Bezirksverband mit der Einladung an Paulwitz den Anliegen der Landsmannschaften und dem Bund der Vertriebenen „nicht nur einen Bärendienst“. Die Einladung nähre auch Zweifel an der erforderlichen Abgrenzung des BdV zu kruden und inakzeptablen Positionen im politischen Rechtsaußen.

Halbleib fordert den BdV-Bezirksvorsitzenden Albert Krohn deshalb auf, „den Auftritt von Herrn Paulwitz beim Tag der Heimat unverzüglich abzusagen“, sich von dessen geschichts- und gesellschaftspolitischen Thesen zu distanzieren und eine selbstkritische Debatte innerhalb des BdV über die Einladung von Paulwitz zu führen. Der SPD-Politiker kündigt an, er werde Christian Knauer als Landesvorsitzenden und seinen Vizepräsidenten Albrecht Schläger bitten, die Angelegenheit auf die Tagesordnung der nächsten Gremiensitzungen des BdV auf Landes- und Bundesebene zu setzen, „um die erforderliche Klarstellung und eindeutige Haltung des BdV zu den kruden Thesen von Herrn Paulwitz und vergleichbarer Publizisten zu erzielen“.

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