Würzburg

Stadtbau: Mit Homeoffice und Smartphone-App gegen Corona

Wie geht die Stadtbau mit der Corona-Krise um und was müssen Mieter tun, wenn sie in wirtschaftliche Probleme kommen? Stadtbau-Geschäftsführer Hans Sartoris hat Lösungen.
Die Ampeln stehen auf rot beim im Bau befindlichen Bossiviertel in Grombühl. Die Baustelle steht wegen des Corona-Virus' derzeit fast still, sagt Stadtbau-Geschäftsführer Hans Sartoris.
Die Ampeln stehen auf rot beim im Bau befindlichen Bossiviertel in Grombühl. Die Baustelle steht wegen des Corona-Virus' derzeit fast still, sagt Stadtbau-Geschäftsführer Hans Sartoris. Foto: Johannes Kiefer

85 Mitarbeiter, über 10 000 "Kunden" in über 5000 Wohnungen im gesamten Stadtgebiet. Fast jeder 12. Würzburger lebt in einer Wohnung der Stadtbau Würzburg, einer hundertprozentigen Tochter der Stadt Würzburg. Da gibt es Fragen, Klagen und Probleme, mnachmal auch finanzieller Art. Wie schafft man das in Zeiten der Corona-Krise, wie hält man Kontakt mit den Mietern und wie erhält man den Betrieb aufrecht?

"Die Leute müssen uns glaubhaft machen, dass ihr Problem durch Corona bedingt ist."
Hans Sartoris - Geschäftsführer Stadtbau

"Wir haben frühzeitig schon das gemacht, was später festgelegt wurde", sagt Hans Sartoris, Geschäftsführer der Stadtbau. "Wir haben als erstes unser Kundenzentrum in der Ludwigstraße und die drei Stadtteilbüros geschlossen und alle persönlichen Kontakte auf ein Minimum heruntergefahren", berichtet er. Dann haben wir unsere 85 Mitarbeiter sofort auf Homeoffice umgestellt. Pro Abteilung ist derzeit immer nur ein Mitarbeiter hier in der Ludwigstraße."

Nur noch wenige Arbeiter trifft man auf der Baustelle Bossiviertel in Grombühl.
Nur noch wenige Arbeiter trifft man auf der Baustelle Bossiviertel in Grombühl. Foto: Ulises Ruiz

"Das war möglich, weil wir schon vor Jahren mit der Digitalisierung aller Akten begonnen haben. Das heißt, jeder Mitarbeiter hat von zu Hause aus mit dem Notebook sicheren Zugriff auf alle unsere Systeme und auf alles, was er hier im Büro auch hätte", berichtet der Geschäftsführer.

Die Rückmeldungen der Mitarbeiter sind durchweg positiv

Die Rückmeldungen der Mitarbeiter seien durchweg positiv, sagt er.  Manche würden zwar ihre Kollegen vermissen, andere könnten sich ein Arbeiten von zu Hause dauerhaft vorstellen. "Das wird bei der Frage, wie steht es um die Organisation der Arbeit bei der Stadtbau nach Corona sicher ein Riesenthema werden", glaubt er. "Wir haben viele junge Frauen, die eine Familie gründen wollen oder gerade gegründet haben und junge Männer, die dann Vater werden. "

Auf der Kundenebene gebe es seit 2016 das digitale Mieterportal, seit kurzem auch als App für das Smartphone. Jeder registrierte Mieter könne alle Belange online klären und müsse nicht am Telefon in einer Warteschleife hängen. "Ich habe kürzlich allen Mietern einen Brief geschrieben mit dem Hinweis, dass wir die analogen Kontakte kappen und einer Anleitung, wie man sich registriert", sagt er.

Hans Sartoris ist seit 2006 Geschäftsführer der Stadtbau Würzburg.
Hans Sartoris ist seit 2006 Geschäftsführer der Stadtbau Würzburg. Foto: Johannes Kiefer

"Allerdings bleiben immer noch die, die nicht online unterwegs sind.  Sorgenkinder sind für mich derzeit unsere älteren Mieter, die oft auch noch alleine wohnen", gibt er zu bedenken. "Das Dilemma, dass diese Leute gerade jetzt am meisten persönlichen Zuspruch benötigen und man sie gleichzeitig am wenigsten kontaktieren und damit in Gefahr bringen darf, können wir leider auch nicht lösen", sagt der Geschäftsführer. Allerdings arbeite man bei der Stadtbau eng mit dem Sozialreferat und dessen Strukturen zusammen und unterstütze die Nachbarschaftshilfe. "Wir weisen die Mieter darauf hin, was es alles gibt und wer ihnen zur Seite steht. Viel mehr können wir im Moment nicht machen", sagt Sartoris. 

"Kleinere Reparaturen in den Wohnungen stellen wir derzeit zurück"

"Kleinere Reparaturen in den Wohnungen stellen wir derzeit zurück", erklärt er. "Auch die  Wohnungsvermarktung mit Besichtigungen haben wir komplett gestoppt. Virtuelle Besichtigungen gibt es bei uns nicht, weil wir uns auch immer ein Bild von unseren zukünftigen Kunden machen wollen." 

Seine größte Sorge seien im Moment die Bereiche, die die Stadtbau nicht selber in der Hand habe, sondern wo man von Externen abhängig sei, also in den Bereichen Planen, Vorbereiten und Bauen. "Wir haben schon von vielen Büros die Mitteilung bekommen, dass sie ihre Kapazitäten zurückgefahren haben oder Mitarbeiter in häuslicher Quarantäne haben", weiß Sartoris.

Auf Baustellen findet man teilweise nur noch zehn Prozent der Arbeiter

Auf Baustellen finde man teilweise nur noch zehn Prozent der Arbeiter. Das werde auf jeden Fall dazu führen, dass die Planungen sich verzögern würden, sagt er. "Im Bossiviertel zum Beispiel steht die Baustelle fast still." Auch das in der Vorbereitung befindliche Projekt Hubland II könnte betroffen sein, befürchtet er.

Für Mieter in finanziellen Schwierigkeiten hat man offene Ohren

Für Mieter, die durch die Corona-Krise vorübergehend in finanzielle Schwierigkeiten kommen, etwa durch Kurzarbeit oder weil sie ihr Geschäft schließen mussten, habe man bei der Stadtbau offene Ohren, verspricht Sartoris. "Die Leute müssen uns glaubhaft machen, dass ihr Problem durch  Corona bedingt ist, dann besprechen wir, ob sie die Miete ganz oder erst einmal teilweise gestundet haben möchten , sagt er.  Es gebe auch bereits Anfragen. Ob und wie sich dieses Problem auf das wirtschaftliche Ergebnis der Stadtbau auswirken werde, könne er noch nicht sagen. "Das lässt sich derzeit noch ganz schwer einschätzen", weiß der Geschäftsführer. "Das wird dauern."

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