Würzburg

Stadtheimatpfleger: Frankenhallen-Verkauf verschieben

Warum man mit dem Verkauf der Frankenhalle nichts überstürzen sollte, erklärt Stadtheimatpfleger Hans Steidle in einem Gastbeitrag.
Die Frankenhalle in der Veitshöchheimer Straße. Die Investoren möchten den Kopfbau zur Straße hin abreißen. Stadtheimatpfleger Hans Steidle hält den Bau für erhaltenswert.
Die Frankenhalle in der Veitshöchheimer Straße. Die Investoren möchten den Kopfbau zur Straße hin abreißen. Stadtheimatpfleger Hans Steidle hält den Bau für erhaltenswert. Foto: Johannes Kiefer

Den Verkauf eines der wertvollsten modernen Denkmäler Würzburgs durch die Notfallausschüsse des Stadtrats zu peitschen, scheint wenig angebracht, schreibt Stadtheimatpfleger Hans Steidle jetzt in einem Gastbeitrag für diese Redaktion. Es geht um die Frankenhalle. Nach einem internen Wettbewerb wählte man die Pläne der Beethovengruppe und beauftragte die Verwaltung mit Verhandlungen. Nun soll der Verkauf nichtöffentlich beschlossen werden. Die Ringpark-Initiative, die sich intensiv mit den Bauvorhaben der Äußeren Pleich befasst, kritisierte dies.

Die Aufgabe eines Eigentümers ist es, das Denkmal zu erhalten

Es gibt drei wichtige Aspekte: die Behandlung des Denkmals Frankenhalle, das zukünftige Stadtbild und die Verkehrsplanung, so Steidle weiter. Zu den beiden ersten Punkten ist der Stadtheimatpfleger gefragt. Zunächst zum Denkmal: Die Frankenhalle ist mit dem Kopfbau zur Veitshöchheimer Straße, dem Hallenbau selbst und dem eingeschossigen östlichen Anbau als geschütztes Denkmal in die Liste der bayerischen Denkmäler eingetragen. Die Aufgabe eines Eigentümers ist es, das Denkmal zu erhalten und einer geeigneten Nutzung zuzuführen. Bis auf eine notwendige Sanierung des Holzbestands hat die Stadt Würzburg als Eigentümerin wenig unternommen, ihren  Verpflichtungen zu entsprechen. Das meint Steidle in dem Schreiben.

Der Stadtheimatpfleger führt weiter aus: Da auf dem Areal Wohnbebauung vorgesehen ist, ist der östliche eingeschossige Anbau mit Walmdach bereits mehr oder weniger zum Abriss freigegeben. Angesichts der Notwendigkeit von innerstädtischen Wohnmöglichkeiten kann man Gründe für einen solchen Eingriff in das Denkmal finden. Dennoch wird damit Buchstaben und Geist des Denkmalschutzgesetzes nicht entsprochen. Vielleicht ist die Obere Denkmalschutzbehörde ja damit einverstanden. Dann sollte das auch bekannt sein. Unter den Einreichungen zum Wettbewerb fand sich keine optimale Lösung für die Wohnbebauung, aber die Beethovengruppe aus Würzburg passte ihre gestaffelten Gebäude noch am besten ins Ambiente ein.

Im Inneren sehr geschickt um ein zentrales Treppenhaus gebaut

Abzulehnen ist jedoch deren Plan, den villenartigen Kopfbau zur Veitshöchheimer Straße abzureißen, einen größeren Vorplatz zu schaffen und eine modernistischen, auffallenden Eingangsbereich vor den Hallenbau zu stellen. Mit einem sicheren Raumempfinden stellten die Planer 1928 diesen Kopfbau stimmig vor die Halle und erreichten eine fast selbstverständliche Einheit und Steigerung im Komplex. Gegenüber der Steinwüste des Laredo-Platzes vor dem Kulturspeicher brauchen wir nicht einen weiteren ungenutzten Platz. Außerdem ist der Kopfbau im Inneren laut Steidle sehr geschickt um ein zentrales Treppenhaus gebaut, eine sehr schöne Schöpfung der Zwanzigerjahre.

Die frühere Viehversteigerungshalle von innen.
Die frühere Viehversteigerungshalle von innen. Foto: berthold diem

Was mit der Halle selbst geschehen soll, wissen laut Steidle zurzeit zu wenige. Eine Markthalle tagsüber, abends eine Veranstaltungshalle. Als der oberste bayerische Denkmalschützer, Generalkonservator Mathias Pfeil, vor wenigen Jahren die Halle besichtigte, war er begeistert von der Atmosphäre und der Wirkung des Raums. Nicht nur das Ständerwerk, das ein offenes Dach trägt, und der gläserne First, durch das diffuses Licht die Halle erhellt, sondern besonders die rundum laufenden Ränge aus Holz geben der Halle ihre Aura. 

Die Entscheidung dem neuen Stadtrat überlassen

Die Frankenhalle ist nach dem Mozartschulgebäude der nächste Brennpunkt für den Denkmalschutz in Würzburg. Hans Steidle meint: Man sollte deswegen den Verkauf und seine Bedingungen transparent machen und die Entscheidung dem neuen Stadtrat überlassen.

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