WÜRZBURG

"Stadtmuseen müssen provozieren"

Provokant? Die Präsentation der Sammlung im Mainfränkischen Museum auf der Festung geht eher den klassischen, konvention... Foto: Foto:

„Ein Museum muss wie eine Reise funktionieren, es muss der Aufbruch zu etwas Unbekanntem sein.“ Architekt Henning Meyer, der mit drei Kollegen das Büro Space4 betreibt, weiß wovon er spricht. Denn die Stuttgarter haben in den letzten Jahren zahlreiche bekannte Ausstellungshäuser, vor allem Stadtmuseen, konzipiert, gebaut und eingerichtet. Jetzt sprach er bei der Vortragsreihe „Stadtmuseen mit Zukunft“ in der Alten Universität über Anforderungen an und die Gestaltung von zukunftsweisenden Stadtmuseen.

Meyer hatte viele Bilder mitgebracht, die zeigten, was er unter zukunftsweisend versteht. Bei ihm ergänzen sich zeitgemäße Einbauten in alte Gebäude nicht nur mit der historischen Architektur, sondern sie treten auf Augenhöhe in einen Dialog miteinander. Gut zu erkennen war dies beim Schwedenspeicher in Stade oder beim Humpis Quartier in Ravensburg. wo die alte Kulisse und die neue museale Präsentation eine beeindruckende Einheit bilden.

Beispiel Ravensburg

Am Beispiel des Humpis Quartiers, wo sieben mittelalterliche Gebäude in schlechtem Zustand zu einem neuen Ensemble zusammengefügt wurde, warf Henning Meyer auch die Frage auf, ob eigentlich jedes Museum ein eigenes Cafe benötigt. „Die meisten funktionieren nämlich nicht“, so die Erkenntnis des Architekten. Anders in Ravensburg. Da gab es die Humpis-Stuben schon bevor das Museum existierte und „der Laden läuft“, so Meyer.

Ausführlich ging Meyer auf ein gerade in Planung befindliches Projekt ein: das neue Stadtmuseum in Ulm. Auf einem innerstädtischen Grundstück gibt es ein Konglomerat aus verschiedenen Gebäuden, die restauriert und zu einem Museum umgebaut werden sollen. Denn das bisherige Ulmer Stadtmuseum hat bisher gerade einmal 15000 Besucher im Jahr. das entspricht zehn Besuchern, die sich täglich zusammen mit acht Aufsichtskräften auf einer Ausstellungsfläche von 3500 Quadratmetern aufhalten. Das soll sich ändern.

Hier bietet sich aus Würzburger Sicht, wo es Bestrebungen für die Einrichtung eines Stadtmuseums gibt, eine gute Gelegenheit, Konzeption und Einrichtung eines derartigen Museums zu beobachten. Henning Meyer nannte fünf grundsätzliche Zielsetzungen. Ein Stadtmuseum müsse ein „Ort der Originale“ sein, in der Stadt ein Kulturhighlight darstellen, als Erlebnisort für die Menschen dienen, aktuell sein und schließlich die Maxime „Kultur für alle“ erfüllen.

In Ulm möchten Meyer und sein Team den jeweils eigenen Charakter der verschiedenen Gebäude besonders hervorheben und durch eine spezielle Wegeführung durch die Häuser stärken. Die einzelnen Sammlungen sollen auch nicht getrennt voneinander gezeigt werden, sondern gemischt und in Bezug zueinander gesetzt werden. So möchten die Museumsspezialisten erreichen, dass die Exponate die Betrachter „interessieren und berühren“.

Fünf Thesen zum Museum

Zum Abschluss seines aufschlussreichen Vortrags präsentierte Henning Meyer noch folgende fünf allgemeine Thesen zum Thema Stadtmuseum.

• „Stadtmuseen sind authentisch“: Das heißt zu den authentischen Objekten müssen in dem Museum die dazugehörigen Geschichten erzählt werden, ohne aber dabei belehrend zu sein.

• „Wir brauchen kein Museum über Vergangenes“: Entscheiden ist die Relevanz, das Museum muss seine Betrachter im heutigen Leben berühren.

• „Stadtmuseen müssen provozieren“: Nicht durch billige Gestaltungsgags, sondern dadurch, dass sie Orte sind, die sich in Diskussionen einmischen und Stellung beziehen.

• „Stadtmuseen müssen nicht innovativ sein“: Denn man kann heute den Wettlauf mit den schnellen Innovationszyklen gar nicht mehr gewinnen. Medien und Technik sind nur dann gut, wenn der Inhalt gut ist.

• „Stadtmuseen sollten Labore und keine Tempel sein“: Sie sollten Orte zum Ausprobieren neuer Formen sein, denn Dauerausstellungen erreichen die Besucher heutzutage nicht mehr.

Der nächste Vortrag in der Reihe „Stadtmuseen mit Zukunft“ findet am Mittwoch, 10. Dezember, 19 Uhr, im Hörsaal 1 der Alten Universität in der Domerschulstraße 16 statt. Dann spricht Anja Dauschek, Leiterin des Planungsstabs für das im Aufbau befindliche Stuttgarter Stadtmuseum. Ihr Thema: Wie viel Museum braucht eine Stadt? Über die Neugründung eines Stadtmuseums. Der Eintritt ist frei.

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  • Karl-Georg Rötter
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