WÜRZBURG

Stadtrat muss über 145 Millionen für neue Straßenbahnen entscheiden

Die Straßenbahn-Züge in Würzburg sind veraltet und sollen ausgetauscht werden. Archivfoto: Thomas Obermeier
Die Straßenbahn-Züge in Würzburg sind veraltet und sollen ausgetauscht werden. Archivfoto: Thomas Obermeier Foto: Thomas Obermeier

Die Würzburger Straßenbahn (WSB) muss ihre 38 Züge bis 2030 austauschen. Der Grund: Sie sind veraltet und haben das Verfallsdatum erreicht. Die Kosten: 145 Millionen Euro, kein Pappenstiel für einen kleinen Betrieb und eine epochale Investition, wie es Geschäftsführer Thomas Schäfer im Hauptausschuss des Stadtrates formulierte.

Eigentlich sollte es in der Sitzung ein positives Gutachten geben. Doch auf Drängen von SPD-Fraktionschef Alexander Kolbow wurde eine Entscheidung darüber um eine Woche vertagt, sehr zum Ärger der anwesenden CSU-Stadträte.

„Agenda 21“: Unabsehbare Risiken

Was war passiert? Die „Agenda 21“ in Stadt und Landkreis Würzburg, vertreten durch Thomas Naumann und Ulrike Ernst-Schwertberger, hatte einen Brief an an die Stadtratsmitglieder versandt. Der Tenor: Freude über die Investition und grundsätzliche Unterstützung. Doch dann kommt das große „Aber“. Unabsehbare Risiken seien in dem Punkt „Barrierefreiheit und Einstiegsverhältnisse“ enthalten.

Die Begründung der „Agenda“: Die Beschlussvorlage sei vier an Hochschulen tätigen Experten für Fahrzeugtechnik vorgelegt worden. Bei den meisten Punkten der Anforderungsliste der WSB herrschte bei ihnen Zustimmung. Doch ein Kapitel sei von den Ingenieuren kritisch gesehen worden, nämlich die Forderung nach einer technischen Niveauregulierung. Sie dient dazu, das Fahrzeug abzusenken, um Rollstuhlfahrern den Zugang zu erleichtern.

Hilfsmittel Klapprampe

Bei leichteren Bussen, so die Experten weiter, funktioniere das, aber große Skepsis herrsche bei Straba-Zügen, die 30 Tonnen wiegen. Ein Versuch in München sei gescheitert, so die Mitteilung der „Agenda“. Einzig zuverlässiges Hilfsmittel sei eine Klapprampe.

Nach Durchsicht der Agenda-Unterlagen sahen sich Kolbow und Patrick Friedl (Grüne) nicht in der Lage, für die Stadtratssitzung am 25. Januar ein positives Votum abzugeben. Joachim Spatz sah kein Problem für die Neuanschaffung, wollte aber auch die „schwerwiegende technische Frage geklärt haben“.

Nun schaltete sich Kämmerer Robert Scheller in die Debatte ein und ergriff Partei für die Anforderungsliste der WSB, deren technischer Chef Paul Lehmann auch im Ausschuss saß. Eine konstruktive Diskussion sei immer hilfreich. Allerdings sei er doch verwundert darüber, dass die Räte sich so von der „Agenda 21“ beeinflussen ließen. „Ich habe auf den Brief reagiert und wollte die Namen der Experten wissen. Doch die werden nicht preis gegeben. Wer nichts zu verbergen hat, legt auch die Karten auf den Tisch“, wetterte Scheller.

„Agenda 21“ löste Workshop im Sommer aus

Er erinnerte daran, dass im Sommer 2017 schon einmal so ein Brief aufgetaucht sei, kurz vor der Entscheidung über den Neukauf. Daraufhin habe die Stadt einen Workshop mit externen Experten, Mitarbeitern der Straßenbahn und Mitglieder des Stadtrates angesetzt. Und die Ergebnisse seien in die Anforderung für die neuen Züge eingeflossen.

WSB-Technikchef Lehmann erläuterte das Problem mit der Rampenlösung, wie sie von der „Agenda“ gefordert wird. Die Rampe dürfe eine Neigung von zwölf Prozent haben und der Rollstuhlfahrer brauche eine Rangierfläche von 1,5 mal 1,5 Meter. Das würde in Würzburg bei 60 Prozent der Haltestellen möglich sein. Verändere man die Neigung auf 18 Prozent und verringere den Rangierbereich auf 1,2 Meter, würden immer noch nur 70 Prozent der Haltepunkte behindertengerecht zugänglich sein. Er werde das Problem schon am Montag mit dem TÜV besprechen.

Zulieferer wollen Problem lösen

Lehmann widersprach auch der „Agenda“, dass in der Praxis in keiner Stadt bisher die Niveauregulierung angewandt werde. „In Polen fahren solche Züge schon.“ „Wir haben elf namhafte Straßenbahn-Zulieferer angefragt und die Antwort war immer die gleiche: Wir arbeiten an dem Problem und wir schaffen das.“

Bürgermeister Adolf Bauer wollte eigentlich als Sitzungsleiter nach den Erläuterungen abstimmen lassen, da viele Fragen für ihn geklärt schienen. Und auch die CSU-Stadträte hatten das signalisiert. Doch Kolbow bat darum, bis zur Stadtratssitzung am 25. Januar das Thema noch einmal genau aufzubereiten. Also ohne Gutachten zur endgültigen Entscheidung.

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