WÜRZBURG

Stadtring weiter offen für Landkreis-Laster

Stau
Stau am Mittleren Ring Foto: Theresa Müller

Wie geht es denn nun weiter mit dem interfraktionellen Antrag der Stadtratsparteien? Sie wollen, dass der Stadtring Süd für Laster über 3,5 Tonnen gesperrt wird und haben das so auch Ende Mai beschlossen. Nur der Lieferverkehr über 3,5 Tonnen soll dort noch fahren dürfen. Was passiert gerade in der Stadtverwaltung, die mit der Umsetzung des Beschlusses beauftragt ist?

Die Umsetzung der Sperrung hat der Stadtrat an zwei Bedingungen geknüpft: Erst wenn feststeht, dass die Maßnahme rechtmäßig ist, sollen die Brummis verbannt werden. Und dafür braucht es wohl zwei weitere Gutachten. Darin geht es um neue Verkehrszählungen und um die Belastung der Straßen durch Luftschadstoffe.

Und genau da setzt die Kritik der Bürgerinitiative (BI) „Brummis weg vom Stadtring“ an. Warum, fragen sich deren Vertreter Manfred Neuner und Michael Imhof, braucht es noch weitere kostenintensive Expertisen? Die aktuellen Verkehrsbelastungen am Ring würden doch bei Tag und Nacht penibel genau ermittelt. Die stetige Zunahme der Verkehrsbelastung und die wiederholten Überschreitungen der Grenzwerte für krebserregende Stickoxide seien doch regelmäßig von den zuständigen Ministerien veröffentlicht worden.

Beide sagen, dass die in der Dauerzählstelle Estenfeld gemessenen Tagesspitzenwerte von bis zu 60 000 Autos und bis zu 5000 Laster erschreckend und eine Schande für Würzburg sind.

Michael Imhoff wundert sich: „Die neuen Verkehrszählungen finden in der Urlaubszeit statt. Und zu einem Zeitpunkt, wo die Ortsdurchfahrt von Unterpleichfeld wegen einer Sanierung gesperrt ist. Laster aus Richtung Schweinfurt nutzen den Stadtring Süd gerne als Abkürzung und die bleiben jetzt weg.“ Er zweifelt daher die Aussagekraft der Zählung massiv an.

Als völlig unrealistisch bezeichnet er auch die von der Stadt skizzierte Gefahr, dass sich bei einer Sperrung Verkehrsströme in andere Straßen verlagern würden. Die Nutzung innerstädtischer Straßenzüge sei in der Praxis für Laster unrealistisch und betriebswirtschaftlich unsinnig.

Imhof und Neuner werden in ihren Vermutungen deutlicher. Die beiden neuen Gutachten ließen den Schluss zu, dass den in Kürnach ansässigen Speditionen auch künftig die ungehinderte Nutzung des Stadtrings erlaubt werden soll. „Es ist doch offensichtlich, dass es nicht um eine Sperrung des Stadtrings für Laster mit der Ausnahme des Be- und Entladens im Stadtgebiet gehen soll“, wettert Imhof.

Regierung und Stadt stellten so wieder einmal die Interessen von Speditionsfirmen über die Gesundheit der Bürger. Und diese komplizierten Ausnahme-Tatbestände würden jedenfalls wirksame Kontrollen eines Durchfahrtverbotes kaum zulassen.

Die neue Verkehrszählung ist abgeschlossen, zumindest vor den bayerischen Sommerferien, hält Stadtsprecher Christian Weiß dagegen. Jetzt sei man an der Auswertung der aktuellen Daten. Ein Durchfahrt-Verbot auf dem Stadtring für Landkreis-Laster im Lieferverkehr sei nicht durchzusetzen, sagt er. „Müsste zum Beispiel ein LKW über 3,5 Tonnen aus Kürnach, der in den westlichen Landkreis fahren soll, über die Autobahn ausweichen, würden wir andere Gemeindestraßen stärker belasten.“

Der Zeitplan sähe so aus: Im frühen Herbst lägen die Ergebnisse der Auswertung der neuen Daten vor. Und dann würde der Stadtratsbeschluss – Sperrung des Stadtrings für Laster über 3,5 Tonnen – noch im Herbst umgesetzt. Derzeit ist die Trasse für Brummis über 12 Tonnen gesperrt.

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