WÜRZBURG

Steht das Central-Kino vor einer Zerreißprobe?

Symbolbild Central Kino Foto: Thomas Obermeier

Steht das Erfolgsmodell Programmkino Central vor einer ernsthaften Zerreißprobe? Oder sind die Meinungsverschiedenheiten zwischen den ehrenamtlichen Helfern und der Genossenschaftsschaftspitze nur Teil eines demokratischen Findungsprozesses – mit ungewissem Ausgang? Zwei von vielen Fragen, die die Generalversammlung am Montagabend im Schröderhaus offen ließ.

Vorstand und Aufsichtsrat wollten sich dabei Zustimmung für ein neues Betriebsmodell holen – eine eigene Gesellschaft kümmert sich ohne Ehrenamtskräfte ums Tagesgeschäft – und scheiterten fürs erste. Die Entscheidung, ob das neue „Central“ auf dem Bürgerbräu-Gelände ab nächstem Jahr besagte Gesellschaft führt oder weiterhin die Genossenschaft selbst, vertagte die Mehrheit der rund 140 anwesenden Genossen.

Vorausgegangen war eine eineinhalbstündige, teils heftige Diskussion. Sie war geprägt von Befürwortern und Gegnern des neuen Betreibermodells und auch von offensichtlichen Kommunikationsproblemen zwischen der ehrenamtlich tätigen Kinospitze und den ehrenamtlichen Mitarbeitern, die derzeit den Kinobetrieb stemmen.

Aufsichtsratvorsitzender David Herzog und Vorstandsvorsitzende und Kino-Chefin Heidrun Podszus warben für die Betreiber-GmbH, an der – wie berichtet – das Ochsenfurter Casablanca-Kino zu 25 Prozent beteiligt sein soll – um Kino-How-how zu bündeln und eine breitere Programm-Kino-Front zu bilden. 15 Festangestellte auf 450-Euro-Basis sollen die Arbeit von 40 ehrenamtlichen Helfern übernehmen. Ziel sind schlankere Strukturen im größeren Kino. Neues Betätigungsfeld der Ehrenamtlichen wäre die Mitarbeit an Filmfestivals und am Programm.

Viele der rund 60 Ehrenamtlichen – zum Großteil auch Genossen – wollen das offenbar so nicht: „Wir sehen keine Notwendigkeit etwas zu verändern, das Kino hat Charme und auch viel Zuspruch“, erklärte ein Mitarbeiter. Die Genossenschaft solle Kinobetreiber bleiben – ohne Fremdbeteiligung. Ein weiterer Ehrenamtlicher schlug in die gleiche Kerbe und sprach von einem eigenen Modell der Mitarbeiter. Das sei seit Sommer bekannt, stehe aber nicht zur Abstimmung. Deshalb forderte er eine Vertagung des Entscheids, was letztlich auch passierte.

Dieses Mitarbeitermodell sieht neben der Genossenschaft als Kinobetreiber auch in Konzept zur Zusammenarbeit von Festangestellten und Ehrenamtlichen sowie die Bezahlung der Kino-Chefin vor. „Es ist im Moment nicht ganz leicht, für dieses Kino ehrenamtlich tätig zu sein“, beklagte der Mann.

Wenn man sich bei Mitarbeitern umhört, ist von schlechter Stimmung „schon seit längerem“ die Rede. Bei Neuerungen fühlt man sich teilweise übergangen, macht „fehlendes Vertrauen“ aus und glaubt nicht, dass 450-Euro-Kräfte das gleiche Herzblut aufbringen wie Ehrenamtliche. Es gibt aber auch Stimmen, die kritisieren, dass sich die Ehrenamtlichen „einfach zu wichtig nehmen“.

Vornehmlich die Film- und Kino-Experten verstehen den Wirbel um die geplante Professionalisierung des neuen Kinos nicht: „Da ändert sich doch alles. Da ist dieses Festhalten an einer personellen Situation unverständlich“, sagte Berthold Kremmler, langjähriger Leiter des Filmfestivals in der Versammlung. Thomas Schulz, aktueller Festivalchef, ist derselben Meinung: „In erster Linie geht es doch ums Programm. Jetzt wird das Kino eine Nummer größer, da muss das Ganze etwas professioneller werden.

“ Hannes Tietze, Mitbetreiber des Casablanca, erklärt, dass sein Kino nur bei einer strukturschlanken Betreibergesellschaft als Partner zur Verfügung steht.

Wie geht's jetzt weiter? „Wir müssen das ausdiskutieren und die Diskussion auch aushalten“, erklärt David Herzog gegenüber der Main-Post. Für den Aufsichtsratschef stehen dabei „Befindlichkeiten gegen Sachzwänge“. Diesen Konflikt müsse man bis Frühjahr, geplanter Start des neuen Central, gelöst haben – „wenn nötig, auch mit zwei Versammlungen“.

Herzog spricht gleichzeitig von einem „Spiel mit dem Feuer.“ Denn falls die neue Betreiber-GmbH keine Zustimmung findet, will Kino-Chefin Podszus, als Expertin von allen Seiten anerkannt, abspringen. Und auch Herzog hat für diesen Fall seinen Rückzug angekündigt. Einige Genossen empfinden dies als „Erpressung“. Bislang kein guter Stoff für ein Happy End.

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