OCHSENFURT

Stolze Franken und ein fröhlicher Ehrengast

Bad in der Menge: Ministerpräsident Horst Seehofer flankiert vom Landtagsabgeordneten Volkmar Halbleib und dem Bundestagsabgeordneten Paul Lehrieder auf dem Weg zum Ochsenfurter Marktplatz. Foto: Daniel Peter

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Tag der Franken

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„Da isser!“ Rudi Stryjski zückt den Fotoapparat und nimmt Horst Seehofer ins Visier. Eben zieht der bayerische Ministerpräsident winkend und grüßend am alten Ochsenfurter Rathaus vorbei. Rudi Stryjski kann zwar mit dem Tag der Franken nicht allzu viel anfangen, aber ein Foto zu dokumentarischen Zwecken sollte man von so einem Großereignis schon haben.

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Tag der Franken Teil 2

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Die Hauptstraße ist voll von Menschen. Unangenehmes Gedränge herrscht aber nicht. Von überall kann man einen Blick auf den Festzug erhaschen und auf den schwitzenden Landesvater, der sich zur großen Bühne vor dem Rathaus vorarbeitet. Hinter Rudi Stryjski steht Winfried Schierl, der sich über den Tag der Franken in Ochsenfurt freut. „Ich finde das gut“, sagt er. „Da ist mal wieder was los.“ Rudi Stryjski hebt skeptisch die Augenbrauen. Unter „was los“ stellt er sich etwas anderes vor. „Beim Faschingszug sind hier mehr Leute“, sagt er.

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Tag des Bieres

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Ebenso wie Winfried Schierl hatte aber auch er viel Freude an den unterfränkischen Kulturtagen, die dem Tag der Franken vorangegangen waren. Menschen, die rot-weiße Frankenfähnchen schwenken, die Frankenmützen oder Franken-T-Shirts tragen, schlendern durch die Altstadt. Zwei davon haben vor der Andreaskirche ein schattiges Plätzchen gefunden: Evelyn und Dietmar Terschanski aus Treuchtlingen. Die beiden sind Franken durch und durch und extra wegen dieses Festtages angereist. Sie machen das jedes Jahr. Mit ihrem Bus, in dem sie auch übernachten können, fahren sie zum jeweiligen Tag der Franken.

„Wir versuchen, uns den Tag frei zu halten“, sagt Evelyn Terschanski, die in einem Krankenhaus arbeitet und alles daran setzt, nicht ausgerechnet an diesem Tag zum Dienst eingeteilt zu werden. Dass der Tag der Franken als jährliches Großereignis eingeführt wurde, finden die beiden gut und wichtig. „Die Bayern bevormunden die Franken schon so ein bisschen“, erklärt Dietmar Terschanski und gibt zu, eine gewisse Abneigung gegen die Oberbayern zu empfinden. Wie steht er denn dann zum Besuch des Ministerpräsidenten? „Den Horst Seehofer nehmen wir gelassen hin“, schmunzelt der Treuchtlinger.

Auch Wolfgang Heinisch demonstriert sein tief empfundenes Zugehörigkeitsgefühl zur seiner Ochsenfurter Heimat mit T-Shirt und Franken-Käppi. Er und seine Frau Gisela, übrigens eine Tauberfränkin aus Igersheim, haben Besuch aus Oberbayern bekommen: Heinischs Schwester Helene Langermeier ist mit Ehemann Johann angereist. „Seit 59 Jahren bin ich weg aus Ochsenfurt, aber immer noch eine Fränkin“, sagt Helene Langermeier mit Inbrunst.

Extra wegen des Tags der Franken ist sie hergekommen. Dass auch Horst Seehofer da ist, kümmert sie und ihren Mann allerdings wenig. „Den seh' ich daheim auch“, meint Johann Langermeier unbeeindruckt, denn wie der Ministerpräsident ist auch er Ingolstädter. Dann wenden sich die vier der Bühne zu, wo Bürgermeister Peter Juks die langwierige Begrüßung seiner Gäste begonnen hat. Viel Prominenz aus der Politik ist gekommen, unter anderem der bayerische Justizminister Winfried Bausback und Innenminister Joachim Herrmann.

Nur wenige Meter von der Bühne entfernt hat Hildegard Münch noch nicht viel zu tun und kann sich in ihrem Gartenstuhl entspannen. Für die Stadt Ochsenfurt betreut sie einen der Toilettenwagen, die für die Besucher aufgestellt wurden. „Heute früh habe ich den Wagen fertig gemacht“, sagt sie. Das heißt: Klopapier, Handtücher und Seife sind aufgefüllt, nur noch die Gäste fehlen. „Ich hatte mit mehr Ansturm gerechnet“, sagt die 74-Jährige, die schon bei ungezählten Festivitäten für Sauberkeit im Toilettenwagen gesorgt hat.

Auch die Mitarbeiter der Rettungsdienste befinden sich zur Mittagszeit noch in Warteposition. Vor dem Bistro Öchsle sitzen Markus Bauer, Gertraud Krieger, Ruth Pawlik und Manfred Neuhöfer im Schatten. Seit 9 Uhr sind sie da, und bis um 18 Uhr müssen sie durchhalten. Aus dem ganzen Landkreis sind die ehrenamtlichen Helfer zu diesem Großereignis zusammen gezogen worden. Einige Kollegen sind mit Segways unterwegs, kleine Elektro-Roller, auf denen man stehen kann. „Man kommt ja mit dem Auto hier nicht durch“, erklärt Manfred Neuhöfer. Mit den Segways aber sind die Helfer schnell vor Ort, wenn etwas passiert.

Über Funk haben sie gehört, dass in der Nähe der Bühne schon drei Menschen behandelt werden mussten. In den meisten Fällen handle es sich um Kreislaufprobleme aufgrund der Hitze, sagt Neuhöfer. Ruth Pawlik blickt misstrauisch in den Himmel, der sich bereits zuzieht.

Am Ende schafften es die angekündigten Unwetter nicht, bis nach Ochsenfurt zu kommen. Die erwarteten Besuchermassen blieben trotzdem aus. Die großzügig ausgewiesenen Zusatz-Parkplätze waren am Ende zum Großteil leer geblieben.

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Gut vorbereitet: Die Helfer des Roten Kreuzes, von links Markus Bauer, Gertraud Krieger, Daniel Feldberg, Ruth Pawlik und Manfred Neuhöfer, hatten eine vergleichsweise ruhigen Job. Foto: Claudia Schuhmann
Oberbayer und Exil–Fränkin: Johann und Helene Langermeier (von links) sind aus Ingolstadt zum Tag der Franken angereist. Wolfgang und Gisela Heinisch aus Hohestadt sind überzeugte Franken. Foto: Claudia Schuhmann

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