WÜRZBURG

Straba-Linie 6: Punkte sammeln für richtige Trasse

4,6 Kilometer Gleise, zehn neue Fahrzeuge, Investitionskosten von 120 Millionen Euro – das sind die Eckdaten für die geplante Straßenbahnlinie 6 durchs Frauenland zum Hubland. Am Montag fällt im Stadtrat die Entscheidung über die Trasse. Zur Sitzung ab 15 Uhr mit vielen Infos über das Projekt ist die Öffentlichkeit eingeladen.
Eine Simulation zeigt, wie die Straßenbahn einmal in der Balthasar-Neumann-Promenade fahren könnte. Auf der rechten Seite würde eine der beiden Baumreihen wegfallen. Foto: Simulation WVV

Man darf gespannt sein: Bleibt der Stadtrat standhaft, trotz der immensen Kosten für die neue Straßenbahn? Wie berichtet, müsste die Stadt über ihren WVV-Konzern – bei 80-prozentiger Förderung durch Bund und Freistaat – beachtliche 33 Millionen Euro stemmen. Für die favorisierte Trasse 2c über die Balthasar-Neumann-Promenade. Hinzu kommt eine zweistellige Millionensumme für städtebauliche Nebenkosten. Dennoch: Mittelfristig würde sich die neue Linie nach Aussagen von WVV-Geschäftsführer Thomas Schäfer rechnen. Es geht am Montag im großen Ratssaal des Rathauses nicht um ein Projekt von Jahren, sondern von Jahrzehnten.

Erneut wird dann der WVV- und Straßenbahnchef den Räten und Bürgern die drei denkbaren Trassen präsentieren. Auch ein Film wird gezeigt. Schäfer: „Es wäre schön, wenn viele Bürger kommen und sich die Sache anschauen.“ Viel war er in den letzten drei Monaten unterwegs, um über die Linie 6 zu informieren. Am Montag wird Schäfer die Trassen vergleichen. Über ein Punktesystem wurden sie auf Vor- und Nachteile abgeklopft: Wie viele Fahrgäste erreichen sie? Fördern sie die Stadtentwicklung? Entlasten sie die Innenstadt? Wie gut sind sie in das bestehende ÖPNV-Netz eingebunden? Wie stark beeinträchtigen sie den Autoverkehr? Welche Eingriffe in Natur und Schutzzonen wären erforderlich?

Ein zentrales Thema dabei ist die Passage am Weltkulturerbe der Residenz. Hier ist besondere Behutsamkeit gefordert, will man Konflikte mit der Unesco vermeiden: Sie achtet penibel auf den Umgang und mögliche Beeinträchtigungen ihrer Welterbestätten. Während die „Freunde der Würzburger Residenz“ jüngst vor der Straßenbahn gewarnt haben, sehen sie andere als Gewinn für das Weltkulturerbe – wenn sie sorgsam ins Stadtbild eingefügt und der Individualverkehr gebremst wird. Denn unstrittig ist, dass die täglich 15 000 Fahrzeuge entlang des Rennwegs mit ihren Schadstoff-Emissionen der Residenz zusetzen.

Am Donnerstag fand dort ein wichtiges Treffen zum Thema statt. Teilgenommen haben Vertreter von Icomos als Unesco-Fachbehörde, des Landesamts für Denkmalpflege, der Bayerischen Schlösserverwaltung, der Stadt und der WVV. Über den Inhalt wurde Stillschweigen vereinbart. So viel ist aber klar: Es gibt kein generelles Nein zu einer Trasse vor dem Residenzplatz. Das Gespräch sei offen und konstruktiv verlaufen, sagte Residenzchef Gerhard Weiler am Freitag auf Anfrage. Die Schlösserverwaltung werde sich bei Veränderungen im Umfeld der Residenz im Rahmen der Stadtentwicklung „nicht grundsätzlich querstellen“. Es müssten aber bestimmte Kriterien berücksichtigt werden. Dies gelte auch für die Straßenbahn. Bleibt der Stadtrat bei der Trasse 2c, stehen jedenfalls – das ist sicher – komplexe Abstimmungsprozesse mit der Unesco erst noch ins Haus.

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