WÜRZBURG

Straba ohne Oberleitung ist einfach zu teuer

Der Neubau der Straßenbahnlinie 6 ins Frauenland ist ein emotionales Thema. Das machten die vielen Wortbeiträge beim Stadtgespräch im Luisengarten deutlich, das die Main-Post und das Rudolf-Alexander-Schröder-Haus am Mittwochabend organisierten.

Einige der etwa 100 Zuhörer befürchten, dass der Busverkehr im Bereich der neuen Linie eingestellt wird, also der bisherige ÖPNV-Komfort geopfert wird. Die Sorge der Besucher galt aber vor allem den Planungen im Bereich der Residenz.

Das Podium war hochkarätig besetzt: Moderator Andreas Jungbauer (Main-Post) begrüßte Straba-Geschäftsführer Thomas Schäfer, Professor Stefan Kummer, Chef des Verschönerungsvereins, Straßenbahn-Experte Thomas Naumann und Heiko Brückner von der Regierung von Unterfranken.

Die Besucher erfuhren von den Fachleuten viel Neues über die Linie 6, die bis 2017 vom Barbarossaplatz über den Residenzplatz bis zur Hubland-Uni führen soll. 125 Millionen Euro wird das Projekt kosten.

Bei all den Fragen, bei all den Problemen beim Bau einer solchen Trasse, die an einem Weltkulturerbe vorbeiführt und quer durch eine Stadt geht, machte Schäfer eines deutlich: „Wir sind im Planungsstadium, nichts ist bislang festgeklopft.“

Daher bemüht sich die Würzburger Straßenbahn auch, jetzt mit ihren Überlegungen an die Öffentlichkeit zu gehen und den Diskurs mit den Bürgern zu suchen. Brückner, der das Planfeststellungsverfahren betreuen wird, unterstützte dieses Vorgehen: „Die Straßenbahn sollte früh auf die Beteiligten zugehen und versuchen, einen Konsens zu erreichen.

Wenn wir im Planfeststellungsverfahren Änderungen vornehmen müssen, führt das zu langen Verzögerungen.“ Und schon jetzt sei der Zeitplan „ambitioniert“.

Zwei Punkte im Trassenverlauf wurden heftig diskutiert: die Strecke am Weltkulturerbe Residenz und die mögliche Querung des Glacis im Bereich der Ottostraße. Schäfer stellte die neuen Überlegungen an der Residenz vor: „Die Schienen rücken auf die Seite der Volks- und alten Staatsbank.

Die Balthasar-Neumann-Promenade könnte zur Einbahnstraße in Richtung Innenstadt werden, die Hofstraße Fußgängerzone, das Oegg-Tor würde für den Verkehr gesperrt.“

Auf Widerstand im Publikum stieß eine angedachte Sperrung des Rennweges, den immerhin 15 000 Autofahrer täglich nutzen, und auch die meisten innerstädtischen Buslinien müssen dort durch. Peter Wiegand vom städtischen Baureferat machte den Kritikern deutlich, dass es sich um keine neue Idee handelt, sondern um eine langjährige Forderung der Unesco, um die Residenz vor Schäden zu schützen.

In einem Managementplan soll dieser Bereich aufgearbeitet werden und ein Architekten-Wettbewerb soll ausloten, wie das Weltkulturerbe besser erschlossen werden kann.

„Wenn wir im Planverfahren etwas ändern müssen, gibt das große Verzögerungen.“

Heiko Brückner Regierung von Unterfranken

Stefan Kummer konnte sich mit den neuen Planungen anfreunden, wollte allerdings auf eine Forderung nicht verzichten: Oberleitungsfrei soll die Straba den sensiblen Residenzplatz passieren, um die wertvollen Sichtachsen zur Innenstadt nicht zu stören.

Dieser Vorstellung erteilte Schäfer eine Absage. Für die kurze Strecke würden 15 bis 20 Millionen Euro Mehrkosten entstehen. Mit der Trasse an den beiden Banken und Masten, die nur 25 Zentimeter Durchmesser haben und sechs Meter hoch sind, werde keine Sichtachse zerstört.

Sensibilität mahnte Kummer auch in der Ottostraße an. Dort würde wertvoller alter Parkbestand vernichtet, wenn die Straße und die Straba durchs Glacis gelegt würden. Aber auch hier ist noch keine endgültige Entscheidung getroffen.

Warum eine teure Straßenbahn anstelle eines erweiterten Busverkehrs, wollten Besucher wissen? Die Antwort Naumanns: Überall da, wo Straba fährt, steige die Anzahl der Nutzer massiv, die Schiene locke Investoren an und auf die Jahre gerechnet sei sie günstiger als jeder Busverkehr.

Schlagworte

Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
18 18
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!