WÜRZBURG

„Straßenbäume und Parks reichen nicht mehr“

Buche Buchenwald Steigerwald Baumwipfelpfad

Urban Gardening ist hip. Was in Großstädten wie Berlin oder Paris schon vor Jahren begonnen hat, ist seit geraumer Zeit auch in Würzburg angekommen. Hobbygärtner bauen ihr Gemüse auf dem Balkon an, verschönern in Eigenregie kleine Gärten und sorgen damit in einer lauten und zugebauten Innenstadt für grüne Oasen. Aber bringt das gemeinsame Ackern in der Stadt tatsächlich etwas für Umwelt und Gesellschaft? Gärtner Elmar Müller gibt Einblicke in das Thema.

Frage: Einfach erklärt: Was ist unter Urban Gardening zu verstehen?

Elmar Müller: Urban Gardening oder Gärtnern in der Stadt ist die Einbindung von Pflanzen in die (persönliche) städtische Lebenssituation.

Würden Sie von einem kurzlebigen Trend sprechen oder wird es uns länger begleiten?

Müller: Durch das städtische Bevölkerungswachstum wird uns das zwangsläufig länger begleiten. Die Städte werden größer und das Land verliert Einwohner. Im Jahr 2030 wird ein Fünftel der Bevölkerung allein in den 14 größten deutschen Städten leben.


Was sind denn die Motive der Menschen, mit Hacke und Schaufel ihre Umgebung zu verändern?

Müller: Die Menschen wollen sich wohlfühlen. Dazu gehört Grün. Aber Straßenbäume und Parks reichen nicht mehr. Die Menschen wollen aktiv etwas für das eigene Umfeld und die Umwelt tun. Eine Möglichkeit ist, Gärten anzulegen und Gemüse zu ernten. Gärtnern ist eine sehr effektive Methode, um Stress abzubauen.

Stadtgärtner Elmar Müller       -  Kennt sich mit Urban Gardening aus: Stadtgärtner Elmar Müller
Kennt sich mit Urban Gardening aus: Stadtgärtner Elmar Müller Foto: Theresa Müller

Inwiefern kann Würzburg von Urban Gardening profitieren?

Müller: Würzburg kann gerade durch seine Kessellage von Urban Gardening profitieren. Aber auch jede andere Stadt kann durch Pflanzen nur profitieren. Begrünte Innenhöfe, bepflanzte Balkone und Terrassen tragen wie Parks und Grünflächen zum Verbessern des Klimas bei.

Wird in dem Bereich schon genug in Würzburg unternommen?

Müller: Die städtischen Förderprogramme sind ein Anfang und auf jeden Fall lobenswert. Es ist in der Verwaltung und bei den Menschen ein Umdenken zu bemerken. Das ist gut so. Was jetzt noch fehlt, ist die weitere Umsetzung und die Bereitschaft, auch ungewöhnliche Projekte zuzulassen. Das stärkt die Eigeninitiative der Menschen in Würzburg.

Inwiefern spielt die Stadtpolitik eine Rolle, wenn es um Urban Gardening geht?

Müller: Die Stadtpolitik spielt eine zentrale Rolle. Ohne geeignete Flächen mit Wasseranschluss auf öffentlichen Grund kann es ein Teilbereich von Urban Gardening nicht geben. Private Grundstücke sind zu wenig vorhanden oder stehen unter „wirtschaftlicher Nutzung“.

Begeistern sich denn schon genug Menschen in unserer Stadt/Region für Urban Gardening oder ist noch Luft nach oben?

Müller: Da ist auf jeden Fall noch sehr viel Luft nach oben. Auf der Landesgartenschau 2018 am Hubland wird es die „Stadtgartenschau“ geben. Da kann sich jeder einbringen und das Urban Gardening kennen lernen. Es ist eine Mitarbeit gewünscht und wertvolle Erfahrung für sein eigenes Projekt kann man auch sammeln.

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