WÜRZBURG

Straßenbahn-Ausbau als Erfolgsrezept

Eine neue Straßenbahnlinie bringt die Stadtentwicklung voran, lockt mehr Fahrgäste an und sorgt für ein besseres betriebswirtschaftliches Ergebnis der Verkehrsbetriebe. So war es in Gera – und so wird es auch in Würzburg sein. Davon sind die Veranstalter und die 60 Teilnehmer des ÖPNV-Tages im Kulturspeicher überzeugt.
Würzburger Straßenbahn Foto: FOTO Theresa Müller

Eine neue Straßenbahnlinie bringt die Stadtentwicklung voran, lockt mehr Fahrgäste an und sorgt für ein besseres betriebswirtschaftliches Ergebnis der Verkehrsbetriebe. So war es in Gera – und so wird es auch in Würzburg sein. Davon sind die Veranstalter und die 60 Teilnehmer des ÖPNV-Tages im Kulturspeicher überzeugt.

Drei Trassen stehen in Würzburg zur Auswahl, am 22. Juni wird sich der Stadtrat in einer Sondersitzung für eine entscheiden. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD), die Interessengemeinschaft Würzburger Straßenbahn (IWS) und der Fahrgastverband Pro Bahn, die den ÖPNV-Tag gemeinsam veranstaltet hatten, bevorzugen die Variante „2c", für die rund 60 Millionen Euro veranschlagt sind und die nachweislich die meisten potenziellen ÖPNV-Nutzer erreicht. Sie führt durch die Theaterstraße, Balthasar-Neumann-Promenade, Ottostraße, Zeppelinstraße, und Frauenland-Platz zum Wittelsbacher Platz und von dort über Zwerchgraben und Mauermeierstraße zum Hubland. Zusätzlich wünschen sich die ÖPNV-Befürworter eine Spange von der Haltestelle Sanderring hinüber zur Ottostraße.

„Auch die Mehrheit des Stadtrats befürwortet die Trasse 2c", betonte Bürgermeisterin Marion Schäfer zur Eröffnung des ÖPNV-Tages. Begrüßen konnte sie Stadtratskollegen von SPD, Grünen und Linken. Was eine neue Straba-Linie bringt, zeigten Erich Engel und Harald Berger von den Verkehrsbetrieben aus Gera. In Ostthüringen wurde vor zwei Jahren, rechtzeitig zur Bundesgartenschau, eine neue Linie in Betrieb genommen. Durch die „Linie 1" konnte Gera trotz stark sinkender Einwohnerzahlen die Fahrgastzahlen im ÖPNV stabil halten. In die neue Straßenbahn steigen heute 50 Prozent mehr Menschen ein als früher in die Busse auf der gleichen Strecke. Die Busse dienen jetzt als Zubringer für die Straßenbahn, so ist es auch im Frauenland geplant.



Eine Straßenbahn ersetzt mehrere Busse, dadurch konnten die Verkehrsbetriebe ihre Betriebsausgaben senken. Alleine an Personalkosten werden pro Jahr rund 740 000 Euro eingespart. Der Erlös pro Fahrplan-Kilometer konnte von 2,29 Euro (2005) auf 2,49 Euro (2008) gesteigert werden. Ebenso wichtig: Im Zuge des Straßenbahn-Baus wurde Gera an mehreren Stellen städtebaulich aufgewertet. Unter anderem wurde der Bahnhofsvorplatz komplett neu gestaltet.

Auch in Ulm wird derzeit an neuen Stadtbahn-Linien geplant, die unter anderem die überfüllten Busse zu den Schulen und Hochschulen ersetzen sollen. Allerdings war dafür Überzeugungsarbeit in Form einer ersten Straba-Linie erforderlich, nachdem ein Fünf-Linien-Netz in einem Bürgerentscheid abgelehnt wurde. Seit die erste Linie in Betrieb ist, „kommen viele Bürger aus anderen Stadtteilen und wollen auch eine Straßenbahn“, so Ingo Wortmann, Geschäftsführer der Stadtwerke. Wie in Würzburg arbeiten auch in Ulm Straba-Ingenieure und Stadtplaner Hand in Hand. Wortmann: „Wo eine Straßenbahn gebaut wird, muss die Stadt hinterher besser aussehen als vorher."

Beispiele für erfolgreiche Straba-Projekte aus der ganzen Welt zeigte Verkehrsgeograf Dr. Konrad Schliephake von der Uni Würzburg. Sogar in Tunis und Dubai werden Stadtbahnen gebaut, in Frankreich werde seit zwei Jahrzehnten in jeder größeren Stadt der Ausbau des schienengebundenen Stadtverkehrs vorangetrieben.

Auf der Grombühler Straba-Linie erwartet Schliephake nach der Verlängerung zum Zentrum für Innere und Operative Medizin der Uni-Klinik eine Zunahme der Fahrgastzahlen um bis zu 70 Prozent. Für Fahrten von Gerbrunn nach Würzburg nutzen schon heute 23 Prozent der Menschen den ÖPNV, mit der neuen Straba „wird die Nachfrage um 50 Prozent steigen", prognostiziert der Geograf. Für die WVV hat sein Institut das Potenzial im Frauenland untersucht, das Ergebnis darf er noch nicht bekannt geben. „Es werden aber Zahlen sein, die die Linie 6 mehr als rechtfertigen."

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