Würzburg

Straßenbahnlinie 6 zum Hubland: "Zukunftsreise" für mainpost.de-Leser

Wenn alles glatt läuft, dann könnte sie im Jahr 2016 fahren: die neue Straßenbahn von der Innenstadt zur Hubland-Uni. Wir laden unsere Leser ein – zur Trassentour mit der Linie 6.

Es ist ein ungemein spannendes Projekt für die Stadtentwicklung.

Ein Quantensprung – nicht nur verkehrspolitischer Natur, sondern auch für den Wissenschafts- und Wohnstandort Würzburg.

Einmütig hat der Stadtrat bis dato die Überlegungen für eine neue Straßenbahnlinie von der Innenstadt zur Hubland-Universität und zum künftigen Stadtquartier auf den Ex-Leighton-Barracks vorangetrieben. 

Noch vor der Sommerpause soll die Entscheidung über den Trassenverlauf der Linie 6 fallen.
 

 




Fallen werden später einige Bäume, wegfallen werden einige Parkplätze, Autofahrer werden – zu Gunsten der Straßenbahn – Einschränkungen hinnehmen müssen.

 
(Für eine größere Ansicht auf die Grafik klicken.)

Um eine Vorstellung von der momentan favorisierten Trasse zu bekommen, laden wir unsere Leser heute zu einer „Zukunftsreise“ ein. Eine Viertelstunde für 4,5 Kilometer. Fahren Sie mit der Linie 6 vom Barbarossaplatz zur Hubland-Uni!

1 Barbarossaplatz:

1. Start: Barbarossaplatz


Eingestiegen sind wir am Bahnhof. Über die Kaiserstraße erreichen wir den Barbarossaplatz: Hier – zwischen Juliusspital, Würzburger Hof, dem 2006 eröffneten Kentucky Fried Chicken und der Filiale der gerade Pleite gegangenen Woolworth-Kette – biegen wir nicht wie gewohnt rechts um die Kurve zur Juliuspromenade.

Für die Linie 6 steht die Weiche geradeaus Richtung Theaterstraße. Stört nur der riesige Stahl- und Glasschirm. Erst im Frühjahr 2000 dort aufgestellt (und von vielen nicht gerade als Zier empfunden) müsste der Schirm weichen. Alternativstandorte gesucht.

2 Theaterstraße:

2. Theaterstraße (West)
Wir fahren im westlichen Abschnitt der Theaterstraße, vom Barbarossaplatz bis zur Eichhornstraße, durch ein neues Stück Fußgängerzone – heute noch als Einbahnstraße nutzbar.

Denn aufgrund der räumlichen Enge können dort zwar die Straba-Gleise mit eigenem Bahnkörper für die 2,40 Meter breiten Züge verlegt werden.

Für durchfahrende Autos ist dann aber kein Platz mehr – Anlieger- und Lieferverkehr ausgenommen. Wir stoppen an der Haltestelle (Normallänge 45 Meter) kurz vor der Einmündung von Eichhorn- und Semmelstraße.

3 Theater-/Semmelstraße:

3. Theaterstraße/Semmelstraße


Seit Jahren bemühen sich Geschäftsleute und Gastronomen um eine Aufwertung ihrer Semmelstraße – und: um eine bessere Anbindung an die Fußgängerzone.

Wenn nun eine Straßenbahn mit eigenem Gleiskörper vor dem Eingang zur Semmelstraße quert: Ist das eine neue Barriere? Wird man abgeschnitten? Oder tritt das Gegenteil ein: eine Sogwirkung durch die eigene Haltestelle?

Jedenfalls soll mit der Straba die unattraktive Asphaltwüste im Kreuzungsbereich von Theater-/Semmel-/Eichhornstraße deutlich verbessert werden. Fußgängerfreundlich und einladend.

4 Residenz:

4. Weltkulturerbe Residenz


Im weiteren Verlauf der Theaterstraße schauen wir aus der 6er Straba und stellen fest: Autos fahren zwischen Bürgerspital und Residenzplatz nur noch Richtung Innenstadt. Einbahnstraße!

Sonst wäre nicht genug Luft für die Straßenbahn. Oder man verzichtet hier auf einen eigenen Gleiskörper... Das wird teuer, denn dann gibt's keine Zuschüsse.

Dafür müsste der Autoverkehr weniger ausgebremst werden.

Das ist abzuwägen. Wir biegen an der Volksbank rechts um die Ecke: Haltestelle Residenz. Die Gleise laufen auf der Seite des Weltkulturerbes – und im Hintergrund viele Gespräche, um Ärger mit der Unesco zu vermeiden.

5 Balthasar-Neumann-Promenade:

5. Balthasar-Neumann-Promenade


Wir lassen die Residenz hinter uns und fahren den Hofgarten entlang Richtung Neubaukirche.

Als vierreihige Lindenallee (zwei Baumzeilen auf jeder Straßenseite) geht die Balthasar-Neumann-Promenade („Schwarze Promenade“) auf historische Vorbilder zurück.

Wobei auch die Sägen stetig wiederkehrten: 1890 wurden die alten Ulmen durch junge ersetzt. Als die Hälfte von ihnen krank war, wurden sie 1938 gefällt und frische Linden gepflanzt.

Die neue Straßenbahn hat hier ihren Preis: Eine der beiden mittleren Zeilen – je nach Lage der Gleise – muss weichen. Drei Reihen bleiben übrig.

6 Ottostraße/Ringpark:

6. Ottostraße/Ringpark


Es geht durch die Ottostraße, vorbei am Kilianeum zum Justizzentrum. Auch hier muss gesägt werden: beide Baumreihen auf beiden Straßenseiten, falls zwei Autospuren bleiben sollen.

Oder nur eine Baumreihe – dann gibt es auch hier eine Einbahnstraße. Die Haltestelle „Neue Universität“ erreichen wir direkt vor dem alten Justizgebäude.

Viele wünschen sich von hier aus noch eine Straba-Spange zur Sanderstraße mit dortigem Anschluss an die bestehenden Gleise.

Dann wäre eine auch eine direkte Verbindung von Heidingsfeld ans Hubland möglich. Spannend die Frage: Wie kommt die Linie 6 durch den Ringpark?

7 Ringpark/Sieboldstraße:

7. Ringpark/Sieboldstraße


Die radikalste Variante der Ringpark-Querung: die Abkürzung von der alten Justiz (Ottostraße) zur Sieboldstraße, die „Direttissima“.

Gleis und Straße würden den geschützten Ringpark an einer unberührten Stelle durchschneiden. Hier führt heute nur ein Gehweg hindurch.

Dafür könnte die Ottostraße in ihrem abgeschnittenen Endstück rückgebaut und der Ringpark renaturiert werden.

Mit weniger Aufwand, aber dennoch mit Eingriffen in den Baumbestand (und dabei sehr kurvig) käme eine Trassenführung entlang des heutigen Straßenverlaufes aus. Eng wird es wieder in der Sieboldstraße: Einbahnstraße!

8 Zeppelinstraße:

8. Zeppelinstraße


Da loben wir uns doch die Zeppelinstraße samt Unterführung des Stadtrings. Ein Glück, dass dort frühzeitig eine mögliche Straba-Trasse frei gehalten wurde.

Von heute fünf Spuren bleiben nach dem Straba-Bau immerhin noch drei übrig. Trotzdem könnte es es mit roten Ampeln und viel Verkehr zu Staus kommen.

Deshalb wird sogar überlegt, direkt unter dem Stadtring einen Kreisverkehr anzulegen. Kurz davor stoppen wir an der Haltestelle „Südbahnhof“. Von dort führt ein Zugang direkt zu den Bahngleisen. Ideal für Umsteiger!

9 Frauenlandplatz/Zu-Rhein-Straße:

9. Frauenlandplatz/Zu-Rhein-Straße
Nach der Stadtring-Unterführung gleiten wir an der linken Seite der Zeppelinstraße den Hügel hinauf und biegen neben der Schlörstraße links ab zum Frauenlandplatz.

Eine Schule, das Landratsamt, eine Pfarrkirche – hier sollten eigentlich mal wahre Menschenmassen zur Straßenbahnhaltestelle direkt vor dem heutigen Mozart-Schönborn-Gymnasium strömen.

Dennoch ist der Pfarrer von „Unserer Lieben Frau“ mit der Trasse vor der Kirche nicht so recht einverstanden.

10 Wittelsbacherplatz:

10. Wittelsbacherplatz

An der Kirche vorbei geht es auf direktem Weg zur Uni am Wittelsbacherplatz. Dieser gilt bis dato als städtebaulich verschenkt, viel befahren und noch zugestellt von parkenden Autos.

Die Straßenbahn könnte hier aufräumen – und durch eine Neuordnung mehr Platzcharakter, nicht zuletzt für pausierende Studenten schaffen.
 
Der Clou: Die Straba führt an der Vorderseite des Uni-Gebäudes entlang, während die Autos im Halbkreis herumgelenkt und somit auf Distanz gehalten werden.

11 Maurmeierstraße:

11. Maurmeierstraße

An der Wittelsbacher Uni vorbei biegen wir rechts ab in den Zwerchgraben, wo mit dem Grünewald-Gymnasium und der Franz-Oberthür-Schule Hunderte von Schülern die Straba nutzen können.

Einige Bäume fallen hier, ebenso im weiteren Verlauf in der Trautenauer Straße bis zur Einmündung Holzbühlweg, wo eine Haltestelle geplant ist. Widerstand gegen die Straba ist von den Anliegern der Maurmeierstraße zu spüren.

Vor Ort wir klar, warum: Die Straßenbahn durchquert einen zwischen den Häuserreihen liegenden kleinen Park. Der jedoch ist als Verkehrsfläche reserviert.

12 Am Galgenberg/Hubland:

12. ZIEL: Am Galgenberg/Hubland


Fast am Ziel. Bergan treffen wir auf die Straße „Am Galgenberg“: Links die Sicherheitsmauer der abgezogenen Amis, rechts die Gleise.

Das Philosophen-Gebäude der Uni rückt in unseren Blick: „Haltestelle Am Galgenberg/Philosophisches Institut“. Von hier aus sollen mal Gleise zum neuen Stadtteil auf den Leighton Barracks abzweigen.

 
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Wir biegen rechts ab („Am Hubland“) und erreichen nach etwa 700 Metern die Wendeschleife vor dem Uni-Sportgelände. Hierher haben es zum Einstieg auch die Studenten der neuen FH nicht weit. Anders als die Straba ist diese schon in Bau.

Alle Fotos: Theresa Müller

         
 

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