Straßenmusiker müssen blechen

WÜRZBURG Eine Stadt mit Flair, buntes Treiben und Stimmung in der Innenstadt, da gehören Straßenmusiker dazu, die ihre Künste darbieten. Doch jetzt wird das bisschen Freiheit reglementiert.
George St. George ist Engländer. Er lebt seit Jahren im Landkreis Würzburg, hat einen festen Wohnsitz, verdient sein Geld mit Straßenmusik und liegt keiner Sozialbehörde auf der Tasche, wie er selbst versichert. Seit Jahren spielt er in der Innenstadt leicht verstärkten Folk-Pop. Auch auf dem Marktplatz bei Messen und Märkten war er vertreten. Doch jetzt haben ihn die Männer des städtischen Ordnungsdienstes verscheucht. Er bräuchte ein Genehmigung. Für St. George äußerst unverständlich.

Horst Waibel, Chef der allgemeinen Bürgerdienste bei der Stadt, erläutert die Situation. "Straßenmusiker dürfen schon seit Jahren nicht mehr bei den Messen und Märkten auf dem Marktplatz spielen. Wir hatten immer Probleme mit der Verkehrssicherheit." Waibel nennt ein Beispiel: Auf dem Weihnachtsmarkt gehe es eng zu, viele Besucher schlendern über den Platz. Wenn dann ein Musiker spielt und viele Passanten bleiben auch noch stehen, werde es gefährlich. St. George muss das Verbot wohl akzeptieren. Er hat aber auch andere Erfahrungen gemacht: "Die Standbesitzer auf dem Weihnachtsmarkt haben oft ganz gerne Musik für ihre Kunden."

Nun hat die Stadt aber eine weitergehende Verordnung für die ganze City erlassen: Pro Tag dürfen nur noch fünf Straßenmusikanten in der Fußgängerzone zwischen Juliuspromenade und Vierröhrenbrunnen spielen. Man muss sich dafür täglich im Rathaus anmelden und pro Person zehn Euro berappen, Gruppen zahlen 15 Euro.

Zehn Euro pro Tag Musik

Bürokratische Willkür, um das letzte bisschen musikalische Freiheit auf den Gehsteigen und in den Gassen zu reglementieren? "Nein", widerspricht Waibel energisch. Seit Monaten beobachteten die Männer vom Ordnungsdienst, dass Musiker aus östlichen Ländern in ganzen Gruppen angekarrt werden und dann die Innenstadt überschwemmen. "Das ist eine neue Art von Bettelei", sagt der Mann aus dem Rathaus. Oft sei auch die Musik so schlecht, dass sich Anwohner belästigt fühlen. "Wir mussten daher eingreifen." Niemand habe etwas gegen gepflegte, gut gemachte Musik.

Die neue Regelung, dass sich jeder täglich anmelden und zahlen muss, Kinder und Jugendliche ausgenommen, gilt seit dem 1. Dezember. Seitdem sind auch verstärkt Kontrollen angesetzt. Andere Städte reglementieren die freie Musik auf ihren Straßen schon länger, versichert Waibel. Ob Würzburg auch künftig Anlaufstelle von guten Straßenmusikern bleibt, ist abzuwarten. Denn zehn oder 15 Euro für die Genehmigung müssen erst einmal erspielt oder ersungen sein.

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