WÜRZBURG

Studie der Uniklinik mit 5000 Freiwilligen

Mit Freude dabei: Der 67-Jährige Manfred Dünkel und die Echoassistentin Jasmin Simon bei der Herzultraschall-Untersuchung für die Herzinsuffizienz-Studie der Uniklinik Würzburg.
Mit Freude dabei: Der 67-Jährige Manfred Dünkel und die Echoassistentin Jasmin Simon bei der Herzultraschall-Untersuchung für die Herzinsuffizienz-Studie der Uniklinik Würzburg. Foto: Thomas Obermeier

Als wäre es abgesprochen gewesen: Einen Tag nach der Veröffentlichung des deutschen Herzberichtes 2013 begann am Donnerstagmorgen eine groß angelegte Studie von Kardiologen des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz (DZHI) und Forschern des Instituts für Klinische Epidemiologie und Biometrie der Uni Würzburg, wie häufig Herzschwäche in der Würzburger Bevölkerung auftritt und welche Faktoren die Krankheit auslösen.

In zwei Schüben sollen bis Ende 2017 insgesamt 5000 Würzburger und Würzburgerinnen untersucht werden, erläuterte Projektleiter Professor Dr. Stefan Störk. Untersucht werden ab sofort in einer ersten Reihe 3000 Würzburgerinnen und Würzburger im Alter zwischen 30 und 79 Jahren, so Störk weiter. Die Altersgruppen und Geschlechter seien dabei proportional vertreten.

Gründliche Untersuchung

Einer der Probanden ist der 63-jährige Ludwig Rößer aus Würzburg. „Ich bin eingeladen worden, warum soll ich das dann nicht unterstützen“, sagt er. „Das ist ja für mich auch nicht ganz verkehrt und auch interessant, was alles gemacht wird. Ich hatte noch keine Probleme mit dem Herzen, hoffe auch dass es so bleibt.“

„Ich bin ein neugieriger Mensch“, sagt die 59-jährige Annette Mehler, ebenfalls aus Würzburg. „Ich werde hier so gründlich untersucht wie sonst nie und erfahre sehr viel über meine Gesundheit. Die Untersuchungen sind sehr interessant.“ Auch sie hatte zuvor noch keine Probleme mit dem Herzen. „Nur Bluthochdruck, aber den haben ja viele.“

Ausführliches Abschlussgespräch

„Die Probanden wissen hinterher mehr über sich als andere Menschen und anhand der Untersuchungsergebnisse wird ein ausführliches Abschlussgespräch mit ihnen geführt“, erläuterte der zweite Studienleiter Prof. Dr. Peter Heuschmann. „Entweder sind sie dann in der grünen Zone oder können sich nach der Untersuchung mit den Ergebnissen bei ihrem Hausarzt zur weiteren Beratung melden“, sagt er. Es sei aber auch schon vorgekommen, dass jemand aufgrund der ersten Untersuchungen direkt zur weiteren Behandlung zu seinem Hausarzt geschickt wurde.

Zwei Ziele werden in der Studie verfolgt. „Sichtlich gesunde Menschen unterziehen sich einer Untersuchung ihres Herz-Kreislaufsystems“, so Störk. Dabei sollen Früh- und Risikofaktoren für eine Herzschwäche zuerst identifiziert werden und dann festgestellt werden, wie sie behandelt werden können, um auf diese Weise eine drohende Herzinsuffizienz zu verzögern oder im besten Falle sogar zu verhindern.

Denn laut Störk kommt die Herzinsuffizienz sehr häufig vor. „Etwa drei Prozent der Bevölkerung in Deutschland erkranken daran, zur Behandlung müssen die Gesundheitssysteme etwa drei Milliarden Euro im Jahr aufwenden“, sagt er. Unbehandelt sei die Krankheit sehr bösartig. „Die Prognose Herzinsuffizienz ist schlimmer als die meisten bösartige Krebsarten“, sagt der Professor. „Wenn man sie aber rechtzeitig erkennt und dann gezielt behandelt, ist die Prognose sehr viel besser.“

Alle Daten der Freiwilligen, die im Verlauf der Studie untersucht werden, werden anonymisiert. Die Probanden durchlaufen verschiedene Stationen. So gibt es Blutuntersuchungen, ein EKG, auch die Pulswellengeschwindigkeit wird untersucht, sie dient zur Beurteilung der Gefäßsteifigkeit.

Ultraschalluntersuchung

Weiterhin wird eine Ultraschalluntersuchung des Herzens und der Herzklappen durchgeführt und die Kopfschlagadern untersucht, was Rückschlüsse auf die Gefahr eines Schlaganfalles zulässt. Auch die Lungenfunktion, der Kohlenmonoxidgehalt der Atemluft, Gedächtnis und Konzentrationstest stehen auf dem Programm. Anhand eines Fragebogens werden weitere Risikofaktoren abgefragt.

Was die beiden Studienleiter besonders freut: Die Rücklaufquote dieser Studie sei unerwartet hoch, sagt Professor Heuschmann. Das sei nicht selbstverständlich. Von den in der ersten Welle angeschriebenen hätten 60 Prozent geantwortet und sich 33 Prozent zur Teilnahme an der Studie bereit erklärt. „Das ist auch der großen Unterstützung durch die Stadt Würzburg bei der Stichprobenziehung und den Anschreiben zu verdanken“, bedanken sich die beiden Studienleiter ausdrücklich bei der Stadt.

Studie zur Herzschwäche am DZHI

Die Kohortenstudie ist ein gemeinsames Projekt von Kardiologen des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz (DZHI) sowie Forschern des Instituts für Klinische Epidemiologie und Biometrie der Uni Würzburg. Das DZHI ist eine Einrichtung der Universität und des Universitätsklinikums und wird vom Bundesforschungsministerium als Interdisziplinäres Forschungs- und Behandlungszentrum gefördert. Seit seiner Gründung 2010 erforscht das DZHI die Grundlagen der Herzinsuffizienz und arbeitet an einer verbesserten Behandlung der Erkrankung. Anfang vergangener Woche gab es den ersten Spatenstich zum Baubeginn des neuen Forschungsgebäudes des DZHI auf dem Gelände des Universitätsklinikums am Straubmühlweg. Das Gesamtbudget des Baus beträgt über 50 Millionen Euro. Der Bund beteiligt sich mit 19,7 Millionen Euro, der Freistaat gibt 22,5 Millionen Euro, die Uniklinik steuert 4,55 Millionen Euro zu. Die Eröffnung ist Ende 2016 geplant.

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