WÜRZBURG

„Sugar Push“ am Main

Für die Sommerserie "Abenteuer Sport". Einige (wenige) Tanzbegeisterte treffen sich am Donnerstag (13.07.17) am Stadtstrand in Würzburg zum Schnupperkurs West Coast Swing. Foto: Patty Varasano

So ein Tanzvirus kann ganz schön hartnäckig sein. Wer von ihm befallen ist, der will tanzen, am besten täglich. Übt ständig Tanzschritte, morgens im Wohnzimmer, vielleicht mittags an der Bushaltestelle. Nicht selten steckt, wer vom Tanzvirus befallen ist, andere an, indem er von seinem Tanz schwärmt und anderen die Grundschritte vorführt. In schwereren Fällen nehmen Tanzvirus-Befallene an den Wochenenden auch viele Hundert Kilometer Autobahnfahrerei in Kauf – in der Hoffnung, auf Workshops in größeren Städten ihr Können zu verbessern. Die Würzburgerin Sarah Noetzel will den West Coast Swing in der Region bekannt machen. Den Paartanz aus Kalifornien schätzt sie deshalb sehr, weil er „cool, modern, lässig und individuell“ ist. Getanzt wird im Sommer am Stadtstrand.

Die Würzburgerin hat sich mit dem Tanzvirus infiziert

Die Würzburgerin Sarah Noetzel weiß das. Sie hat es nämlich vor ein, zwei Jahren, ganz schön erwischt. Nachdem sie allerhand andere Tanzarten wie Tango Argentino oder Standard ausprobiert hatte, besuchte sie in Freiburg einen Workshop in der relativ jungen Tanzsportart West Coast Swing. Seither ist die 43-Jährige, die in der klinischen Forschung arbeitet, infiziert.

„West Coast Swing ist cool, modern, lässig, individuell tanzbar. Macht riesig Spaß. Das ist meins“, sagt sie an einem Sommerabend am Würzburger Stadtstrand. Seit Sommerbeginn bietet Noetzel einmal pro Woche West Coast Swing-Schnupperstunden, gefolgt von einer Swing-Party, am Stadtstrand an.

Die Teilnehmer des Schnupperkurses West Coast Swing geben 100%. Foto: Patty Varasano

Outdoor-Tanzen ist natürlich riskant. Zwar gibt es kaum etwas Schöneres als an lauen Sommerabenden draußen zu tanzen. Aber wenn das Wetter nicht mitspielt, dann muss die lang erwartete Tanzerei ausfallen. Auch an diesem Abend? Über die Würzburger Festung zucken Blitze, Donner grollt über dem Main, auf die Tanzfläche am Stadtstrand regnet es; Stadtstrand-Besucher flüchten unter die Schirme. Sarah und ihre begeisterten Mitstreiter, der Student Markus und die Elektronikerin Katharina, wollen aber nicht aufgeben. Kaum ist es ein bisschen trockener, zeigen sie der Reporterin, warum West Coast Swing eine Tanzart ist, die in Unterfranken mehr Verbreitung finden sollte.

Video

West Coast Swing: Hüften schwingen am Stadtstrand in Würzburg - Let's dance! West Coast Swing ist eine noch recht junge Tanzsportart. Der Vorteil: Man kann West Coast Swing zu jedem 4/4-Takt tanzen. Sarah Noetzel möchte den Tanz in der Region bekannt machen und bietet einmal pro Woche einen Schnupperkurs am Stadtstrand in Würzburg an. Anschließend findet eine Swing-Party statt. Video: Ivana Biscan, Pia Lehnfeld

Swing-Tanzschritte passen einfach zu jeder Musik

„Weil man West Coast Swing zu jedem Song im 4/4-Takt tanzen kann“, sagt Sarah. Ob Oldies von Smokie, Mainstream-Pop von Robbie Williams oder Neues von Coldplay – Swing-Tanzschritte passen überall. Im Takt der Musik verlagert Sarah ihr Gewicht von einem Fuß auf den anderen, von rechts nach links. „Sehr entschieden auf dem Ballen abrollen!“, erklärt Sarah. Dann zeigt sie, wie man mit zwei Walk Steps und zwei Triple Steps ganz locker einen Seitenwechsel mit dem Partner hinbekommt – wie man also über die rechte Seite wechselt, oder, mit einer zusätzlichen Armdrehung der Partnerin, über die Linke.

„Left Side Pass “ und „Underarm Turn“ heißt das; Fortgeschrittene bauen beim Wechsel einen „Sugar Push“ oder einen „Sugar Tuck“ ein. Die Namen für die Tanzschritte kommen aus dem Amerikanischen; schließlich stammt der Paartanz West Coast Swing, ein kreativer und peppiger Enkel des fast hundert Jahre alten Lindy Hop, von der sonnigen kalifornischen Küste.

Die Führung ist nicht ausschließlich Männersache

Was Sarah, Markus und Katharina beim West Coast Swing besonders schön finden, ist nicht nur die Lässigkeit, mit der man tanzt, sondern auch eine gewisse Lässigkeit bei der Vergabe der Führungs- und Folgerollen. „Ich muss nicht, wie bei Tango Argentino, darauf warten, dass mich ein Mann auffordert“, sagt Sarah, „ich gehe einfach auf jemanden zu: „Lass uns tanzen!“

Keine typischen West-Coast-Swing-Schuhe, die sind eher flach, aber schick sind sie trotzdem. Foto: Patty Varasano

Auch sei die Führungsrolle anders als beim Standardtanz nicht ausschließlich Männersache; stattdessen könnten während des Tanzens Führender und Folgender die Rollen tauschen. Auch sei es vollkommen in Ordnung, wenn zwei Frauen oder zwei Männer miteinander tanzten. A propos Männer: Von dem in der Paartanz-Welt oft beklagten Männermangel hat Sarah noch nichts mitbekommen: „Das Verhältnis der Geschlechter war bei uns bisher ausgeglichen“, sagt sie.

Vom Junior bis zum Senior: jeder kann mittanzen

Was das Alter der Tanzenden angeht, öffnet sich der West Coast Swing jedem, von Junior bis Senior. In Sarahs kleiner Würzburger West Coast Swing-Gemeinde, zu der auch Fans aus Schweinfurt anreisen, dominiert aber bisher die Gruppe der „jungen Erwachsenen“.

Brust an Brust zu tanzen wie bei vielen anderen Paartänzen ist nicht typisch für den West Coast Swing. Markus reicht Sarah nur die Hand, seine Handfläche zeigt nach oben, sie umgreift seine Finger – vor allem über diese Handberührung laufen die Informationen darüber, in welche Richtung die Schritte gehen. Sarah lehnt sich zurück, lässt sich fast ein wenig ziehen, baut dadurch Spannung auf. Sie lächelt entspannt. Im West Coast Swing entsteht bei jedem Tanz etwas Neues; Fortgeschrittene improvisieren zur Musik.

Auch wenn das Gewitter zuvor andere Partyteilnehmer verschreckt hat – Sarah, Markus und Katharina bleiben am Stadtstrand und werden weiter üben. Markus hat erzählt, dass er Sarahs Beispiel folgen und demnächst in Freiburg – ein deutsches West Coast Swing Zentrum – Workshops besuchen will.

Und auch Katharina plant ein West Coast Swing Training in Hannover. Diese beiden hat Sarah mit ihrem Tanzvirus jedenfalls schon angesteckt.

Wichtige Informationen zum Tanz und Angebot

Der Tanz: West Coast Swing ist ein lässiger Paartanz. Er hat sich in Kalifornien aus dem Lindy Hop entwickelt und ist seit den 1990er Jahren in den USA, aber auch in zahlreichen Städten Europas stark im Kommen. West Coast Swing eignet sich für Tanzfreunde jeder Altersstufe. Tanzerfahrung ist schön, aber nicht notwendig. Interessierte können alleine kommen. Das Angebot: Die Würzburgerin Sarah Noetzel hat sich in Freiburg in den Tanz verliebt und bietet Schnupperkurse und West Coast Swing Partys in Würzburg an. Im August organisiert Noetzel jeden Montag ab 20 Uhr Schnupperstunden am Würzburger Stadtstrand. Anschließend findet ab 21 Uhr eine West Coast Swing Party dort statt. Ab Oktober ist ein Einsteiger Bootcamp an der Würzburger Volkshochschule geplant. Im November findet ein Level 1 Workshop mit einem externem Trainer statt. Alle Termine findet man aktuell auf Facebook unter dem Titel: „West Coast Swing Würzburg“. Interessierten schickt Noetzel auch Infos als Newsletter, der über info@westcoastswing-wuerzburg.de angefordert werden kann.

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