ALLERSHEIM

Synagoge wird zum Museumsstück

Der Zahn der Zeit nagt an der alten Allersheimer Synagoge. Und das ziemlich kräftig. Teile sind bereits eingefallen. Die Fassade ist brüchig. Das Gebälk morsch. Und doch steht hier ein Monument jüdischer Zeitgeschichte, das es wert ist, zu bewahren.
Synagoge mit Plastikhaube: Damit die um 1740 erbaute Synagoge nicht noch weitere Schäden nimmt, wurde das Dach notgesichert.
Synagoge mit Plastikhaube: Damit die um 1740 erbaute Synagoge nicht noch weitere Schäden nimmt, wurde das Dach notgesichert. Foto: THOMAS FRITZ
Die um 1741 erbaute Landsynagoge soll im Bad Windsheimer Freilandmuseum erhalten werden. Seit Montagabend steht dies nun offiziell fest.

90 000 Euro wird es insgesamt für den Abbau der denkmalgeschützten Synagoge aus Unterfranken geben. 50 000 als Zuschuss aus Mitteln der Denkmalpflege, die der Landkreis Würzburg dazu steuert. Das hat der Kreisausschuss in seiner Sitzung am Montagmorgen beschlossen. 20 000 Euro will der Markt Giebelstadt dazu beitragen.

Der Gemeinderat stimmte Montagabend dafür. Und 20 000 Euro kommen vom Bezirk Unterfranken. Der Beschluss ist bereits gefasst. Alle weiteren Kosten, auch den Aufbau der Synagoge im Freilandmuseum, übernimmt der Bezirk Mittelfranken.

90 000 Euro für den Abbau müssen aus Unterfranken kommen. Das war die Bedingung des Bezirks Mittelfranken. Ansonsten wäre die alte Landsynagoge in Allersheim nach und und nach in sich zusammengefallen und damit unwiederbringlich verloren. Lange sah es auch so aus, als ob dies auch so eintreten wird. Denn der Bezirk Unterfranken wollte kein Geld für ein Gebäude geben, das in ein Museum nach Mittelfranken kommt.

Die Mittelfranken machten dies aber zur Bedingung, sonst würden auch sie sich nicht an den Kosten beteiligen. Insgesamt sind 175 000 Euro für den Abbau und den Transport angesetzt.

Bürgermeister Helmut Krämer übernahm schließlich die Verhandlungen. Ihm gelang es dann doch, auch weil Landrat Eberhard Nuß schnell auf seiner Seite war, Bezirkstagspräsidenten Erwin Dotzel zu überzeugen.

Allerdings, so die Forderung des Bezirks, müsse auch die Gemeinde Giebelstadt sich in gleicher Höhe an den Kosten beteiligen. Das Ergebnis sind 20 000 Euro, die der Markt Giebelstadt zur Hälfte aus Spenden finanziert.

„Das ist der einzige Weg, die Synagoge zu erhalten“, so Krämer im Gemeinderat. Ganz damit einverstanden sind seine Räte jedoch nicht. Frank Hirsch stimmte gegen den Zuschuss. „175 000 Euro für Bauschutt. Das ist ein Unding“, wetterte er.

Und Ernst Merz hätte gerne gesehen, dass sich auch derjenige beteiligt, auf dessen Grundstück die Synagoge steht. „Er sollte zumindest einen Anteil an den Abbruchkosten tragen. So bekommt er jetzt ein Grundstück mit Mehrwert“, argumentierte Merz. Der Abbruchantrag des Grundstückseigentümers vor einigen Jahren war Ausgangspunkt für die öffentliche Diskussion um die Allersheimer Synagoge. Das Landesamt für Denkmalpflege sieht das jüdische Gotteshaus als eines der seltenen Beispiele einer einfachen Landsynagoge aus dem 18. Jahrhundert. Auf jeden Fall sollte das Gebäude erhalten und die Baugeschichte sowie der Baubestand erforscht werden, forderten die Denkmalschützer.

So war es möglich, Einzelheiten zu dokumentieren. Die Mikwe im kleinen Kriechkeller, die Wohnung des Rabbiners im Erd- und den Betsaal mit Frauenabteilung im Obergeschoss. Nach einer Untersuchung der zum Bau der Synagoge verwendeten Hölzer steht nun auch fest, dass das Gebäude um 1748 erbaut wurde.

Bekannt ist seitdem auch die Lage des Thoraschreins. Eine Kunsthistorikerin hat an der Ostfassade des Gebetsraumes die Nische entdeckt. 98 Zentimeter breit ist sie und von Wandmalereien umgeben. Das Erstaunliche dabei ist, dass diese noch in der ersten Fassung erhalten sind. „Unfassbar“, verschlägt es Herbert May, dem Leiter des Bad Windsheimer Freilandmuseums, fast die Sprache. Durch die Bauforschung haben nun auch die Allersheimer Gewissheit, dass das alte profane Bauernhaus in der Hauptstraße Nummer 20 eng verbunden ist mit der Geschichte der Allersheimer Juden. Manch einer will dies bis heute nicht wahrhaben.

„Für die Allersheimer war das Gebäude auch größtenteils Bauschutt“, sagt Hermann Eidel, der seit mehr als 50 Jahren im Giebelstadter Ortsteil lebt und der Gemeinde als zweiter Bürgermeister dient. Denn das Haus habe vor 100 Jahren seine Bedeutung als Synagoge verloren.

Dass die Synagoge jetzt ins Museum kommt, findet Eidel „die beste Lösung“. Allerdings, so räumt er ein, wäre der Auf- und Abbau vor zehn bis 15 Jahren wesentlich günstiger gekommen, weil damals das Gebäude noch besser in Schuss war.

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