GERBRUNN

Tagesmütter sind bezahlbar

Spaß in der Kleingruppe: Jennifer Hartmann aus Gerbrunn betreut als Tagesmutter im Auftrag des Kreisjugendamtes neben ih... Foto: Traudl Baumeister

Jennifer Hartmann aus Gerbrunn hat Erzieherin gelernt. Statt im Kindergarten wie früher arbeitet die Mutter von Linus (3,5 Jahre) und Jonas (1,5) heute als Tagesmutter in der qualifizierten Tagespflege. Das heißt, sie betreut im Auftrag des Kreisjugendamtes neben ihren eigenen auch andere Kleinkinder. Zwei weitere Jungs (1,5) und ein Mädchen (2,5) kommen jeden Morgen zu ihr in die Otto-Hahn-Straße.

Es ist schon fast zehn Jahre her, dass qualifizierte Tagesmütter mit der Einführung des Bayerischen Kinderbildungs- und betreuungsgesetzes (BayKiBig), 2005 aufgewertet und in die kommunale wie staatliche Förderung einbezogen wurde. Aber das, so sagt die Gerbrunnerin, sei immer noch viel zu wenig bekannt. „Viele meinen, eine Tagesmutter nicht bezahlen zu können.“

„Tagesmütter sollten in einem Atemzug mit Kinderkrippe und Kindergarten genannt werden.“
Jennifer Hartmann Tagesmutter

Dabei orientiere sich der Satz für eine tägliche Unterbringung von 7 bis 16 Uhr an dem für die Unterbringung in einer Krippe: Für sechs bis sieben Stunden Betreuung täglich zahlen die Eltern an das Jugendamt beispielsweise 205 Euro. „Dafür haben die Eltern aber den Vorteil, dass sie sich die Tagesmutter als Person selbst aussuchen und schauen können, ob ihr Erziehungsstil zu ihren Vorstellungen passt“.

Dass die qualifizierte Tagespflege so wenig bekannt ist, könnte auch daran liegen, vermutet Hartmann, dass sich viele Kreise und Kommunen auf den Rechtsanspruch der Eltern und den Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen fixieren und die Tagesmütter als sinnvolle Alternative einfach vergessen. Auch in der Diskussion über das Betreuungsgeld werde oft zu einseitig argumentiert. Das zeigt sich beispielsweise oftmals im Internetauftritt vieler Kommunen. Dort findet unter Kinderbetreuung meist nur Kindergärten und Krippen, aber anders als in Gerbrunn, nicht die vom Jugendamt bestellten Tagesmütter.

Oft, sagt Hartmann, werde es so dargestellt, als ob nur Kinder, die eine Krippe besuchen, gut in der Entwicklung gefördert würden. Aber der geschütztere, persönlichere Rahmen bei einer Tagesmutter, ist sie überzeugt, sei für manches Kind förderlicher als der Alltag in einer Krippe. Weniger Lärm und weniger fremde Menschen in der Kleingruppe erzeugen weniger Stress. Dafür gebe es mehr Geborgenheit, mehr Sicherheit und eine familiäre Struktur. „Ich kann auf die Kinder individueller eingehen, als das in einer großen Institution möglich ist“. Sei es bei den Themen, die für die Kleinen gerade im Fokus stehen, bei den Schlaf- und Essenszeiten. Die Tagesmutter rät Eltern, die sich schwer tun, mit der Fremdbetreuung in der Krippe und eventuell zu hören bekommen, sie würden ihrem Kind schaden, zu Gelassenheit: „Selbst wenn die Kinder in der Krippe etwas früher sprechen und laufen lernen, so holen die anderen das im Kindergarten locker wieder auf.“

Fällt die Tagesmutter wegen Krankheit aus, werden die Kleinen trotzdem gut betreut. Denn zur qualifizierten Tagespflege gehört auch die vom Jugendamt bestellte Ersatztagesmutter, die jede Woche ein paar Stunden vorbeischaut, den Kindern daher vertraut ist, und diese in der gewohnten Umgebung betreut, sofern die Tagesmutter ausfällt.

Wie Jennifer Hartmann als Tagesmutter arbeitet, was ihr in der Erziehung wichtig ist, können Eltern jederzeit auf ihrer Homepage nachlesen, www.tagesmutter-gerbrunn.de. Ihr Konzept scheint jedenfalls anzukommen: „Ich bin ausgebucht bis September 2016.“

Auch wenn Söhnchen Jonas dann im Kindergarten sein wird, will sie trotzdem weiter als Tagesmutter arbeiten. „Weil es wirklich großen Spaß macht.“ Als ehemalige Kindergartenerzieherin genießt sie die familiäre Atmosphäre, den direkten Austausch und Kontakt mit den Eltern: „Es ist einfach herrlich, wenn wir am Nachmittag draußen auf die Eltern warten und die Kleinen mit ausgestreckten Armen und fröhlich juchzend auf diese zurennen.“ Oder wenn sie die modernen Medien nutzt und den Eltern mal schnell ein Foto oder eine Videodatei aufs Handy schickt, vom Sprössling, der gerade die ersten tapsigen Schritte macht, stolz die selbst bemalte Deutschlandfahne schwingt oder sich selbstversunken im Spielzimmer beschäftigt.

Häuschen und Garten der Familie Hartmann sind ganz und gar eingerichtet auf die täglichen kleinen Gäste. Da gibt es die Pflicht, wie etwa pingeligstes Einhalten der Hygienevorschriften in der Küche – und die Kür, in Form eines Spielzimmers, mit kindgerechten Spielmöbeln oder einem Wickeltisch mit bunten Namensschubladen, auf den jedes Kind mit Hilfe einer ausfahrbaren Treppe selbst hochklettern kann.

Angesichts solcher liebevoller Details kann man nachvollziehen wie enttäuscht die Tagesmutter manchmal ist, dass ihr Job so wenig Anerkennung findet, auch mit Blick auf die Bezahlung (3,98 Euro pro Kind und Stunde im Landkreis, 3,20 in der Stadt Würzburg). Und das trotz zahlreicher Auflagen und Vorschriften, der eigenen Versicherungspflicht, der Tatsache, dass Tagesmütter die Randzeiten morgens und abends übernehmen, die Kindergarten oder Krippe nicht abdecken, und der Bereitschaft, sich jederzeit unangemeldet kontrollieren zu lassen.

„Es wäre schön, wenn Tagesmütter in einem Atemzug mit Kinderkrippe und Kindergarten genannt würden, wenn es um qualifizierte Kinderbetreuung geht“, so die Gerbrunnerin.

Tagesbetreuung im Landkreis Würzburg

• 36 qualifizierte Tagesmütter betreuen 58 Kinder. Fünf Kinder sind bei Tagesmüttern in der Stadt untergebracht, vier Kinder nehmen ergänzende Tagespflege neben dem Kindergarten in Anspruch, ein Schulkind wird betreut.

• 26 weitere Tagesmütter betreuen etwa 80 Kinder mit Privatverträgen (ohne finanzielle Landkreis-Beteiligung).

• Die meisten Kinder werden ein bis drei Jahre, zum Eintritt in den Kindergarten betreut.

• Wartelisten gibt es nicht, aber der Landkreis ist stets auf der Suche nach qualifizierten Tagesmüttern. Der Bedarf für qualifizierte Tagespflege wird jeweils von der Gemeinde geprüft und ist von Ort zu Ort sehr unterschiedlich.

• Vermittelt werden Tagesmütter über das Jugendamt oder den Paritätischen Wohlfahrtsverband, einer vom Kreisjugendamt anerkannten Vermittlungsstelle.

• Von der Anfrage bis zur geglückten Vermittlung dauert es in der Regel von einem Tag bis zu einer Woche

• Kosten: Bei der qualifizierten Tagespflege zahlen Eltern monatlich (wie bei anderen Betreuungseinrichtungen auch) je nach Buchungszeit einen Pauschalbetrag an den Landkreis als Träger. Der wiederum bezahlt die Tagesmütter sowie die insgesamt fünf Ersatztagesmütter, die als Springer zur Verfügung stehen. Der Träger erhält dafür staatliche und kommunale Zuschüsse in gleicher Höhe.

Quelle: Ursula Bördlein, Amt für Jugend und Familie

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