WÜRZBURG

Tanzen an Karfreitag kann teuer werden

Für Tanzbegeisterte und Partygeher ist die erste Osterferienwoche eine ausgesprochen karge Zeit. Viele Leute nehmen Urlaub – fürs Tanzen und Ausgehen können sie die Tage aber kaum nutzen. Schuld daran ist das in Bayern äußerst strikte Tanzverbot an religiösen Feiertagen. Kein anderes Bundesland – außer vielleicht noch Baden-Württemberg – pocht dermaßen auf die „Pflicht zur Stille“.

Von Gründonnerstag bis Ostersonntag um Mitternacht

Tatsächlich erwartet die Bayern in dieser Woche das längste durchgehende Tanzverbot des Jahres – ganze 70 Stunden dauert es. Das Verbot beginnt zwei Stunden nach Mitternacht am Gründonnerstag, beinhaltet den Karfreitag und den Karsamstag und endet erst, wenn um Mitternacht der Ostersonntag anbricht.

Und „Zuwiderhandlung“ wird bestraft. „Wer gegen das Tanzverbot verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss mit einem Bußgeld rechnen“, stellt auf Anfrage ein Sprecher des Polizeipräsidiums Unterfranken, Philipp Hümmer klar. Zwar sei nicht die Polizei, sondern das Ordnungsamt für die Überwachung der Einhaltung des Tanzverbots zuständig. „Deshalb kontrollieren wir auch nicht gezielt“. Wenn aber Beschwerden kämen von Anwohnern etwa wegen Tanzens oder lauter Musik am Karfreitag, dann fahre die Polizei natürlich vorbei und schaue nach.

3000 Euro für zehn Minuten Überziehen

Dass ein Verstoß gegen das Tanzverbot ganz schön teuer werden kann, weiß Wolfgang Weier, langjähriger Sprecher der Würzburger Discothek „Airport“, nur allzugut. „Wir haben die Zeit nur um rund zehn Minuten überzogen – und schon hatten wir ein Bußgeld über runde 3000 Euro am Hals“, erinnert sich Weier, jetzt Geschäftsführer des Stadtmarketings „Würzburg macht Spaß“. Ein andermal hätten Würzburger Disco-Besucher nach Beginn des Tanzverbots in der Nacht zwar mit dem Tanzen aufgehört, hätten aber außerhalb der Tanzfläche „zur Musik halt noch so mitgewippt und gezuckt“, erzählt Weier. Allein dies sei als Ordnungswidrigkeit gehandelt worden.

Chillout-Musik angemessen?

Weier macht die Pressearbeit für die Würzburger Disco „Zauberberg“ und erinnert sich, wie dort einmal Polizisten und Betreiber darüber diskutierten, ob eine Chillout-Musik ohne harten Beat dem Feiertag angemessen „ernst“ klinge oder doch vielleicht „zu fröhlich, zu groovig, zu tanzbar“ sei. Tatsache ist: An den stillen Tagen herrscht in Bayern nicht nur Tanzverbot – auch „unernste“ Unterhaltungsveranstaltungen sind untersagt.

Am Karfreitag gilt in Räumen mit Schankbetrieb sogar ein generelles Verbot musikalischer Darbietungen jeglicher Art. Auch Sportveranstaltungen sind grundsätzlich untersagt, genauso wie der Betrieb von Spielhallen und die Veranstaltung von Flohmärkten.

Am strengen Feiertagsgesetz in Bayern hat auch eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts von 2016 wenig geändert. Das Gericht gab damals nachträglich dem „Bund für Geistesfreiheit“ recht, der gegen das durch die Stadt München ausgesprochene Verbot einer Veranstaltung unter dem Motto „Heidenspaß statt Höllenqual“ geklagt hatte. Seit der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts müssen in Bayern am Karfreitag Ausnahmen vom Verbot unernster Unterhaltungsveranstaltungen möglich sein. In der Praxis ändert sich für unterfränkische Tanzveranstalter aber nichts, Disco und öffentlicher Tanz sind an den stillen Tagen weiterhin nicht erlaubt.

Alles Laute ist tabu

Auch laute Geräusche anderer Art sind an den stillen Tagen in Bayern tabu. „Landwirte dürfen an den stillen Tagen die Ruhe der Bevölkerung nicht stören – es sei denn, es handelt sich um unaufschiebbare Arbeiten“, sagt Wilfried Diestler, Fachberater des Bauernverbands in Kitzingen. Diestler berichtet, dass es immer mal wieder Differenzen zwischen Polizisten und Landwirte darüber gebe, was „unaufschiebbar“ sei. So gebe es möglicherweise den Landwirt, der am „stillen Tag“ meine, die Aussaat seiner Zuckerrüben sei unaufschiebbar – und den Ordnungshüter, der damit argumentiere, dass der Bauer mit Blick auf eine stabile Wetterperiode mit dieser Aussaat früher hätte anfangen müssen. Ähnliche Diskussionen seien vorstellbar zwischen Winzern und Ordnungshütern. Die einen würden drauf beharren, dass sie jetzt Pflanzenschutzmittel sprühen müssten, die anderen damit, dass diese Arbeit nicht an Feiertagen geleistet werden müsse.

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