Würzburg

Theater-Garage soll höher und edler werden 

Mit mehr Zuschauerplätzen braucht das Mainfranken-Theater künftig auch mehr Parkplätze. Ein erster Vorschlag gefiel der Stadtbild-Kommission nicht wirklich.  
Blick in Richtung Innenstadt: Vor dem erhöhten Parkhaus soll an der Ecke Rüdiger-/Ludwigstraße ein Appartementhaus entstehen. Beide Gebäude sind der Stadtbild-Kommission zu hoch. Foto: PFP Planungs-GmbH

Hinter dem doch ziemlich verklausulierten Tagesordnungspunkt „Aufstockung Hochgarage und Residential Flats Würzburg“, den die Kommission für Stadtbild und Architektur (KOSA) am Freitag zu behandeln hatte, verbirgt sich ein Bauprojekt, das wohl noch zu Diskussionen führen dürfte. In der KOSA geschah dies bereits. Es geht um die Aufstockung des viergeschossigen Parkhauses am Mainfranken Theater um vier weitere Parkebenen sowie um den Neubau eines sechsgeschossigen Appartementhauses auf dem gleichen Grundstück an der Ecke Ludwig-/Rüdigerstraße.

Im Zuge der Sanierung des Mainfranken Theaters war bereits die Rede davon, dass auch das Parkhaus erhöht werden solle. Und zwar vor allem deshalb, weil das Theatergebäude durch eine Vergrößerung näher an das Parkhaus heranrücken wird. Da mache es Sinn, beide Maßnahmen parallel durchzuführen, hieß es. Doch erst in der KOSA wurde die Dimension der Parkhaus-Aufstockung deutlich. Von einem benachbarten neuen Wohngebäude war vorher noch nichts bekannt.

Aufstockung als "einmalige Chance"

Das markante Parkhaus, das in den 60er-Jahren errichtet wurde, gehört der Würzburger Parkhaus-Verwaltungs GmbH & Co. KG und wird von der SVG betrieben. Es hat 191 Stellplätze (auf vier Ebenen, davon zweieinhalb unterirdisch) und hat einen direkten Zugang zum Theater, weshalb es von den Theaterbesuchern gerne genutzt wird. Die Garage wurde zuletzt im Jahr 2006 umfassend saniert.

GmbH-Geschäftsführer Hans Werner Kraft sah in der Aufstockung zum jetzigen Zeitpunkt „eine einmalige Chance“, damit beide Maßnahmen (Theatersanierung sowie Aufstockung mit Neubau) „aus einem Guss“ durchgeführt werden könnten. Deshalb hat er ebenfalls das Hamburger Büro pfp von Architekt Jörg Friedrich, das auch für die Theatersanierung zuständig ist, mit der Planung beauftragt.

Die Eckdaten: Das Parkhaus erhält durch die Erhöhung 132 neue Stellplätze. Die brauche das Theater, wenn es nach der Sanierung eine zusätzliche neue Spielstätte mit über 300 Plätzen habe. In dem Wohngebäude sollen 18 Ein- und 16 Zweizimmer-Appartements untergebracht werden, die vor allem von Theater-Mitarbeitern oder Gastkünstlern genutzt werden könnten, so Kraft. Das Parkhaus werde über die Sparkassenstiftung als Hauptgesellschafter der Parkhaus-GmbH finanziert, also ohne öffentliche Förderung und Zuschüsse.

Blickrichtung stadtauswärts: Zwischen Theater und Appartementgebäude ist an der Ludwigstraße eine Einfassung geplant. Zwischen Park- und Wohnhaus wären Ladengeschäfte denkbar. Foto: PFP Planungs-GmbH

Das Parkhaus und sein Umfeld seien eigentlich ein „Unort“, der als unbebaubar gelte, sagte Architekt Detlef Junkers. Deshalb wolle man es mit einem „transluzenten Gewebe“ verkleiden und dadurch „edler gestalten“. Das Parkhaus solle „auf die Höhe des Bühnenturms“ erhöht werden (auf den Visualisierungen sah es sogar höher aus). Es soll zwischen Theatergebäude und dem neuen Wohnhaus zur Ludwigstraße hin eine durchgehende Einfassung erhalten. In diesem Bereich sei auch eine gewerbliche Nutzung mit Ladengeschäften denkbar.

Kritik von den Archtitekten

Bei den Architekten in der Kommission kamen der Entwurf und die gezeigten Visualisierungen weniger gut an. Architekt Ferdinand Stracke wunderte sich, dass die Theaterumgestaltung und Parkhaus-Planung „nicht miteinander vereinbar sind“ obwohl sie aus ein und demselben Architekturbüro stammen. Das Parkhaus wirke wie „ein riesiges Fass“. Es müsste jedoch im Vergleich zum Theater als zentralem Gebäude „eine dienende Funktion“ haben: „Hier dominiert es das neue Theater“. Deshalb müsste es „mindestens ein Geschoss niedriger“ sein. Gleiches gelte für das Appartement-Gebäude.

Als „Fremdkörper“ bezeichnete die frühere Münchner Stadtbaurätin Christiane Thalgott die Planung. Das Wohngebäude wirke wie ein „Hotel am Mittelmeer“, anstatt sich in die Umgebung einzufügen. Für sie war klar: „So geht das nicht!“ Auch Bernhard Winking kritisierte das Appartement-Haus: Es habe mit dem Theater nichts zu tun, sagte er, und forderte, dass die Höhenentwicklung nicht über das Theater hinausreichen dürfe.

Veränderung besser als Nichtstun

Stadtheimatpfleger Hans Steidle sparte ebenfalls nicht mit Kritk. "Weniger wäre hier mehr", meinte er und er sehe sich in seinen Befürchtungen bestätigt, dass die geplante Bebauung zu massiv sei. Wäre es nach ihm gegangen hätte man die runde Garage aufgrund ihres architektonischen Reizes sogar unter Denkmalschutz stellen können. Steidles Fazit: "Wenn das Theater die kulturelle Visitenkarten der Stadt sein soll, dann muss auch der Hinterhof attraktiv gestaltet werden." 

Die der Kommission angehörenden Stadtratsmitglieder wollten das Projekt nicht grundsätzlich in Frage stellen, hatten aber ebenfalls Zweifel an der Höhenentwicklung und der Größenordnung. Sie begrüßten eine Veränderung in diesem Bereich, denn es sei allemal besser, als dort nichts zu tun, sagte beispielsweise Alt-OB Jürgen Weber. Und Karl Graf (FDP) merkte an, dass das Theater künftig einen höheren Stellplatzbedarf haben werde.

KOSA möchte neuen Entwurf sehen

Stadtbaurat Christian Baumgart fasste schließlich in seiner letzten KOSA-Sitzung vor seinem Ruhestand die Debatte zusammen. Die Idee aus Theater, Parkhaus und Wohngebäude ein Ensemble zu gestalten, sei grundsätzlich richtig. An einer Aufstockung der Garage führe kein Weg vorbei und auch ein Wohngebäude sei wohl unbestritten. Dennoch halte er eine Reduzierung der Höhenentwicklung für möglich, ebenso eine zurückhaltendere Fassade bei den Appartements. Entsprechende Überarbeitungen sollten Bauherr und Architekt möglichst bald in der KOSA präsentieren.

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