WÜRZBURG

Theatermacher kontra Prophetin

Wolfgang Schulz
Wolfgang Schulz Foto: FOTO Theresa Ruppert

Wolfgang Schulz, der Theatermacher und Leiter der Werkstattbühne, arbeitet an einem Stück, in dem er sich mit der Glaubensgemeinschaft Universelles Leben (UL) auseinandersetzt. „Die letzten Worte der Prophetin am Kreuz“ heißt es, eine „tragische Burleske“ ist es. Ab Mai 2012 ist das Stück zu sehen. Drei Rechtshändel hat er schon.

Von Freitag, 4., bis Sonntag, 6. November will Schulz das Publikum in der Werkstattbühne vorbereiten auf das, was kommt. Er hat eine dreiteilige Informationsveranstaltung angesetzt, Titel: „Die Posaune Gottes“. Im Programmheft beschreibt er das UL als „krude Mischung aus Religion, Ufo-Theorien, Esoterik und Antisemitismus“. Er unterstellt „Gehirnwäsche und die systematische Indoktrination ihrer Anhänger“ und zieht Parallelen zwischen UL auf der einen und der Scientology Church und den Nationalsozialisten auf der anderen Seite.

Jetzt hat er Post bekommen, von den Anwälten des Vereins „Das Universelle Leben Aller Kulturen Weltweit“. Eine Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung, 21 Behauptungen im Programmheft betreffend, soll er unterschreiben, etwa die, dass das UL einen Großteil seiner Einnahmen durch die Vermarktung von Bio-Produkten erwirtschafte.

Kunstfreiheit?

Die Anwaltskanzlei mit Sitz in Köln schickte auch Unterlassungs- und Verpflichtungserkärungen im Namen des UL-Sprechers Christian Sailer und der Lebe Gesund Steinmühlen-Brot GmbH. Schulz unterstellt Sailer unter anderem Nähe zur Scientology Church, Sailer lässt das als „unwahr“ zurückweisen. „Lebe Gesund“ geht gegen Behauptungen vor, die Schulz gar nicht aufgestellt hat. Die Anwälte beziffern den Streitwert auf insgesamt 35 000 Euro und verlangen rund 1900 Euro Gebühren für ihre Schreiben.

Schulz erklärt im Gespräch mit der Main-Post, er habe weder eine Behauptung zurückzunehmen, noch werde er zahlen. Sein Rechtsanwalt Werner Nied ist zuversichtlich: Die Meinungs- und die Kunstfreiheit werde in der Rechtsprechung „sehr hoch gehalten“. Außerdem fehle dem Verein „Das Universelle Leben Aller Kulturen Weltweit“ die rechtliche Legitimation, fürs UL zu klagen.

Schulz begann, sich mit dem UL zu befassen, als er eine Frau kennen lernte, die glaubt, was das UL verkündet. Er las die Werke der vermeintlichen Prophetin des UL, Gabriele Wittek, und fand, so schreibt er im Programmheft zu „Die Posaune Gottes“, „Anweisungen zur Depersonalisation beziehungsweise zur Entpersönlichung, und damit auch Entsozialisierung“. Was er entdeckte, identifizierte er als „Verwandtschaften des Geistes“ zwischen UL und Faschismus, mit dem Urchristen als Analogie zum Arier. Schulz nennt das UL „neben Scientology eine der gemeingefährlichsten Psychosekten in Deutschland“. Das solle, schreibt er, „landauf, landab verbreitet werden“.

Termine: Freitag, 4. November, 20 Uhr: Satirischer Vortrag von Wolfgang Schulz: „Die Posaune Gottes, oder: Hat die Prophetin noch alle beisammen?“ Samstag, 5. November, 20 Uhr: Prof. Dr. Günther Bittner: „Seherinnen – eine psychologische Erörterung“. Anschließend: Lesungen von Aussteigerberichten. Sonntag, 6. November, 15 Uhr: 1. Verhohnepiepelungen – eine Blütenlese. 2. Die letzten Worte der Prophetin am Kreuz – Szenen-Lesung aus einer tragischen Burleske 3. Seelenfang per Biobrötchen – ein Film des Bayerischen Rundfunks aus dem Jahr 2004. Kontakt: Werkstattbühne, Rüdigerstraße 2, Tel. 1 66 93, E-Mail: kontakt@werkstattbuehne.com. Mehr Informationen: werkstattbuehne.com

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