WÜRZBURG

Theaterwerkstatt: Provokativ und erfrischend

Großartige Schauspieler: „Unschuld“ in der Theaterwerkstatt.
Großartige Schauspieler: „Unschuld“ in der Theaterwerkstatt. Foto: Theater

Menschen haben so ihre Wünsche, auch beruflich. Frau Zucker wäre zum Beispiel gerne Tankwart, um mit einer harmlosen Zigarette an ihrer Tankstelle ein Inferno auszulösen. Nur eine Figur aus Dea Lohers durchaus polarisierendem Erfolgsstück „Unschuld“. Die Würzburger TheaterWerkstatt präsentiert jetzt eine überzeugende Inszenierung des mosaikartigen Schauspiels.

Das Personal ist vielfältig in Dea Lohers vielschichtigem Kaleidoskop menschlicher Zustände. Da sind Elisio (Moritz Vielstädte) und Fadoul (Miro Nieselt), zwei illegale Immigranten, die es vor lauter Diskutierei nicht schaffen, eine junge Frau vor dem Ertrinken zu retten. Oder Ella (Sabine Lazarus), eine alternde Philosophin, die sich neben ihren verstiegenen Theorien ganz nebenher an ihrem wortlos gewordenen Mann Helmut (Stephan Ladnar) final abarbeitet. Frau Habersatt (Christina von Golitschek) gibt sich an fast allem die Schuld und ist stets auf der Suche nach menschlicher Nähe. Franz (Tobias Höfling) und Rosa (Jenny Will), haben neben ihren eigenen zwischenmenschlichen Defiziten jetzt auch noch Rosas resolute zuckerkranke Mutter Frau Zucker (Ursula Bertelmann) am Hals. Und die blinde Tänzerin Absolut (Christina Strobel) verdient sich ihr Geld in einer Nachtbar.

In 19 Szenen stellt Loher so ihre Figuren vor, mit mal schwarzem, mal fadem Humor und ohne allzu viel Klischeehaftigkeit, voller hübscher Ideen, leider auch mit der ein oder anderen Länge.

Eine richtig starke Inszenierung ist Regisseur Thomas Lazarus mit „Unschuld“ dennoch gelungen. Pointiert und mit einem guten Gespür für die richtige Mischung aus Humor, Sarkasmus und wahrer Verzweiflung verhilft er dem Stück zu echtem Leben. Und die Schauspieler sind einfach großartig und erfrischend in ihrer Spielfreude, echt beeindruckend bei all der Wortlast.

So ist „Unschuld“ ein Muss für Freunde gediegenen Befindlichkeitsgeschwurbels, wort- und bedeutungsreich, in seiner szenischen Breite reichlich ausufernd, dabei aber provokativ und beileibe nicht langweilig.

Nächste Aufführungen am 11., 13. und 14. März, Beginn 20 Uhr. Karten unter Tel. (09 31) 5 94 00.

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