Uffenheim

Theologe und Schülern diskutieren genetische Veränderungen

Dr. Johannes Grössl (zweiter von links) diskutierte im Bomhard-Club mit den Schülern (von links) Niklas Kraft, Clara Zeller und Daniel Hutzler.
Dr. Johannes Grössl (zweiter von links) diskutierte im Bomhard-Club mit den Schülern (von links) Niklas Kraft, Clara Zeller und Daniel Hutzler. Foto: Gerhard Krämer

Es ist keine ganz ferne Zukunftsvision mehr: Dass menschliches Erbmaterial in einem sehr frühen Lebensstadium untersucht und daraus eine Auslese getroffen wird, welche Embryonen sich entwickeln sollen und welche nicht.  Die ethischen Fragen, die sich daraus ergeben, beleuchtete der Würzburger Theologe Dr. Johannes Grössl im Bomhard-Club der Christian-von-Bomhard-Schule in Uffenheim.

Grundlage für Grössls Überlegungen sind Methoden, die immer genauere Aussagen und Voraussagen darüber ermöglichen, welchen Einfluss genetische Faktoren auf Einstellungen und Verhalten von Menschen haben. Diese Methoden können dazu dienen, den Anteil erwünschter Erbanlagen in der Bevölkerung zu vergrößern. Angewendet auf einzelne Menschen spricht man von personaler Eugenik.

Eugenik staatlich regulieren?

Für unsere Gesellschaft sieht Grössl drei Möglichkeiten, mit dieser Entwicklung umzugehen: Sie kann personale Eugenik komplett verbieten, muss dabei aber willkürliche Grenzen ziehen und ist dem Druck ausgesetzt, dass andere Gesellschaften weniger Hemmungen auf diesem Gebiet haben. Die zweite Möglichkeit wäre, die Regelung dem freien Markt zu überlassen. Das könnte aber dazu führen, dass sich die Gesellschaft in zwei Schichten aufspaltet: Wer es sich leisten kann, optimiert seinen Nachwuchs, die anderen nicht. Die dritte Möglichkeit: Der Staat könnte die Regulierung übernehmen und kognitive Verbesserungen für die Bewohner entwickelter Länder fördern, was die Weltgesellschaft in zwei Klassen spalten würde.

Ausgehend vom christlichen Menschenbild mit der Berufung des Menschen zur Gottesbeziehung formulierte Grössl einige Anfragen vor allem an moralische Verbesserungen. Die wichtigste: Wer das sozialkonforme Handeln steigert, nimmt damit möglicherweise in Kauf, dass dabei zumindest ein Teil der Willensfreiheit auf der Strecke bleibt und damit ein wichtiger Teil dessen, was den Menschen zum Menschen macht. Daher sei es Aufgabe von Philosophie und Theologie, Grenzen für genetische Veränderungen festzulegen, sodass Willens- und Glaubensfreiheit des Menschen erhalten bleiben.

Clara Zeller, Daniel Hutzler und Niklas Kraft von der Q11 hatten sich auf das Thema vorbereitet und eröffneten die Fragerunde. Ob es Richtlinien gebe, lasse sich nicht generell beantworten, denn "Fakt ist, wir haben keine Weltregierung", sagte Grössl. Jeder Staat müsse freiwillig mitmachen.

Weitere Fragen beschäftigten sich unter anderem mit dem Eingriff des Menschen in die Schöpfung, dem Standpunkt der Kirchen, was ein gutes Leben sei, der Bedeutung und dem Wert jedes einzelnen Menschen für die Entwicklung der Menschheit und der möglichen Verhinderung von Straftaten bei Erkennung der genetischen Veranlagung.

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