WÜRZBURG

Tiffany, Quilts und Peppadew

Künstlerische Decken: Pia Welsch präsentiert Quiltarbeiten mit der Silhouette eines japanischen Kimonos. Foto: Pat Christ

Schon mal was vom Gemüse Peppadew gehört? Das kommt aus dem südlichen Afrika und kann hervorragend für Senfkreationen verwendet werden. Brigitte Dörge mixt für ihren Senf zum Beispiel Peppadew mit Mango. Wie das Ganze schmeckt, durften Besucher der Messe „handmade“ am Wochenende am Stand der 72-Jährigen aus Wolfenbüttel probieren. 87 Aussteller aus ganz Deutschland präsentierten an zwei Tagen Handgemachtes aus Glas, Wolle, Holz, Lebensmitteln und vielem mehr.

In der Küche zu werkeln, war schon immer Brigitte Dörges Hobby und ein toller Ausgleich zum prosaischen Beruf: „Ich arbeitete als Steuerfachangestellte.“ Vor neun Jahren fiel ihr das über 100 Jahre alte Rezeptbuch der Urgroßmutter in die Hände: „Da standen viele Senfrezepte drin, denn Senf wurde früher selbst gemacht.“ So fing die Rentnerin Feuer. Heute arbeitet das „Senfmadel“, wie sie sich bezeichnet, täglich bis zu sechs Stunden, um insgesamt 25 Sorten Senf herzustellen.

Ein Inder, dessen Tiffany-Gewächshäuschen er in Frankfurt sah, brachte José Gomez auf die Idee, kreativ mit dem zerbrechlichen Material Glas zu arbeiten. Das ist 45 Jahre her. Kreativ war der heute 63-Jährige mit spanischen Wurzeln, der in Stuttgart lebt, jedoch schon davor: „Als Kind machte ich alle meine Spielsachen selbst.“ An ein Fahrrad aus Holz kann er sich noch gut erinnern. Kindern Gelegenheit zu geben, ihre Kreativität auszuleben, ist ihm bis heute wichtig. Am Workshop seines Standes sprudelten denn auch die Ideen. Die sechsjährige Charlotte zum Beispiel fertigte, assistiert von ihrer Mutter, mit großer Geduld ein wunderschönes Mosaikglasherz an.

Fast 40 Jahre ist es her, dass Pia Welsch mit der Kunst des Quiltens in Kontakt kam. Damals nahm die heute 57-Jährige an einem Schüleraustausch mit Amerika teil. Bei den Amish People, einer christlichen Religionsgemeinschaft, sah sie erstmals Quilts: „Sie begeisterten mich, weil sie wie minimalistische Kunst wirkten.“ Seit 2005 gibt Pia Welsch Quilt-Kurse. Auf der „handmade“ präsentierte sie sich mit sieben Kolleginnen, die sich vor 13 Jahren zur Gruppe „Network Quilters“ zusammengeschlossen haben.

Bewundert wurden Welschs aufwändig gestalteten Quilts mit der Silhouette eines Kimonos – die über Kopfhörer mit japanischer Shakuhachi-Flötenmusik genossen werden konnten.

Kreativität ist wieder „in“, sagte Anneliese Neumann, die hinter ihrem Wollstand strickte: „Zehnjährige Mädchen beginnen heute wieder, zu nähen, das finde ich erstaunlich und sehr positiv.“ Seit vier Jahren beobachtet die 75-jährige Kauffrau, die nach wie vor ganztags in ihrem Mainzer Handarbeitsgeschäft tätig ist, eine Trendwende: „Seitdem kommen sehr viele junge Mütter zu uns, weil sie Interesse an Handarbeiten haben.“ Das sei um die Jahrtausendwende eine ganze Dekade lang anders gewesen: „Damals besuchten uns Lehrerinnen, denen wir zeigen mussten, wie man den Schülerinnen das Topflappenhäkeln beibringt.“

Sabine Fritz aus Köln bestätigt, dass immer junge Frauen Lust auf Handarbeiten haben. „Das kommt durch das Internet“, sagt die 53-Jährige. Im Netz gebe es riesige Strickplattformen wie „Ravelry“ mit über fünf Millionen registrierten Usern. Von einer solchen „Community“ hatte man zu der Zeit, als sie selbst begonnen hatte, zu stricken, nicht zu träumen gewagt: „Mir brachte meine Oma das Stricken bei.“

Als Mädchen strickte Fritz mit Leidenschaft. Doch ihr Hobby zum Beruf zu machen, wagte sie nicht. Sie erlernte den Beruf der Krankenschwester, worin sie heute noch immer aktiv ist. „Ich würde meinen Job aber gerne an den Nagel hängen“, gibt sie zu. Mit ihrem Nebenerwerbsbetrieb „Freche Wolloase“, den sie vor sechs Jahren gründete, ist sie auf dem besten Weg, den Absprung zu schaffen.“

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