Würzburg

Tod eines Polizeischülers in Würzburg: Anklage erhoben

Die Kaserne der Bereitschaftspolizei in Würzburg. Hier wurde im Februar 2019 ein Auszubildender durch den Schuss eines Kameraden tödlich verletzt. Foto: Patty Varasano

Rund acht Monate nach dem Tod des 21-jährigen Polizeischülers Julian K. in Würzburg steht fest: Sein 19-jähriger Freund und Stubenkamerad in der Ausbildung muss sich für den tödlichen Schuss aus seiner Dienstwaffe wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Das teilte Oberstaatsanwalt Boris Raufeisen am Mittwoch auf Anfrage dieser Redaktion mit. "Der Anklage zufolge ist der tödliche Verlauf des Geschehens als Folge eines mehrfachen persönlichen Versagens" des Beschuldigten aus dem Landkreis Schweinfurt "zu bewerten", so Raufeisen.

Im Zimmer der Unterkunft fiel ein Schuss

Am 28. Februar waren die beiden Polizeischüler kurz vor Dienstbeginn in einem Zimmer in der Kaserne der Bereitschaftspolizei im Stadtteil Zellerau, als sich der Schuss löste, wie es vonseiten der Polizei hieß. Ein anderer Beamter hörte demnach den Schuss und eilte zu den jungen Männern in den Raum, wo er den einen lebensgefährlich verletzt, den anderen unter Schock fand. Der angeschossene Polizeischüler erlag später in einem Krankenhaus seinen Verletzungen.

An der neuartigen Waffe, die gerade erst bei der bayerischen Polizei eingeführt worden war, lag es offenbar nicht, wie Fachleute dieser Redaktion versicherten. Allerdings heißt es in Ermittlerkreisen:  Die zwei jungen Männer sollen schon früher mit ihren Pistolen dort hantiert haben – möglicherweise, um sich mit der Handhabung vertraut zu machen. Dabei gingen sie aber davon aus, dass die Waffen ungeladen waren – ein tödlicher Irrtum.

Die neue Dienstpistole der bayerischen Polizei SFP9 von Heckler & Koch soll bis Ende 2019 in allen Einheiten eingeführt sein. Foto: dpa

"Ständige Sensibilisierung der Auszubildenden beim Umgang mit Waffen sind Kernthemen bei jeglichen Unterrichtseinheiten", betonte Herbert Gröschel, Pressesprecher im zuständigen Präsidium der Bereitschaftspolizei in Bamberg. Einer der zentralen Leitsätze: "Jede Schusswaffe ist stets als geladen zu behandeln."

Nach dem Wachdienst Patronen nicht gezählt

Beide Polizeischüler waren im zweiten Ausbildungsjahr und hatten in der Ausbildung die Handhabung mit der Waffe vielfach geübt. Beide hatten am Tag zuvor Wache in der Kaserne in der Sedanstrasse geschoben. Nach Ende des Dienstes nahmen sie die Magazine aus der Pistole und gaben sie in der Wache ab, heißt es inzwischen.

Dort wurden die Magazine aber wohl nicht mehr kontrolliert, die Patronen nicht gezählt. Die Magazine kamen gleich in den Waffenschrank, sodass niemandem auffiel, dass eine Kugel im Lauf der Pistole geblieben war. Der Schütze ist seit dem Vorfall beurlaubt.

Staatssekretär Eck: Der Polizeischüler verstand seinen "Beruf als Berufung"

Auf der Beerdigung von Julian K. in Garstadt (Lkr. Schweinfurt) sagte Innenstaatssekretär Gerhard Eck (CSU), der Getötete habe den "Beruf als Berufung" verstanden. Eck und andere Trauerredner zeichneten das Bild eines zuverlässigen, fröhlichen, verantwortungsbewussten jungen Mannes, der gerne Dart und Bowling spielte, an seinem Heimatdorf hing – und am Fußball.

Bei seinen Freunden hatte Julian den Spitznamen "Gomez", weil der Stürmer des VfB Stuttgart eines seiner Vorbilder gewesen war. Der ehemalige Nationalspieler Mario Gomez hatte vom Tod des "Gomez von Garstadt" durch dessen Mitspieler erfahren. Er schickte als Zeichen seiner Anteilnahme eines seiner Trikots nach Garstadt – versehen mit einer Widmung: "Ruhe in Frieden."

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