Burggrumbach

Tödlicher Unfall bei 190 km/h auf der Landstraße: Urteil gesprochen

Mit fast 190 Stundenkilometern war ein 19-Jähriger im Landkreis Würzburg unterwegs und verursachte einen Unfall, bei dem eine Frau starb. Ihr Vater machte vor Gericht seiner Wut Luft.
Vor dem Jugendschöffengericht in Würzburg wurde jetzt ein 19-jähriger Unfallfahrer verurteilt. Foto: Daniel Karmann, dpa

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen musste sich das Würzburger Jugendschöffengericht mit einem Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang beschäftigen: Ein 19-jähriger Student aus dem Landkreis Würzburg wurde am Dienstag zu acht Monaten Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt.

Der Fahranfänger war am Nachmittag des 20. November 2018 auf der Landstraße zwischen Rimpar und Burggrumbach mit fast 190 Stundenkilometern unterwegs, geriet in einer Kurve auf die Gegenfahrbahn und kollidierte mit einem VW-Bus. Dessen 36-jährige Fahrerin wurde schwer verletzt, ihre 48 Jahre alte Beifahrerin verstarb noch an der Unfallstelle.

Lebensgefährte der Getöteten hatte Traueranzeige dabei

Es dürfte der wahrscheinlich schwierigste Moment während des Prozesses für den Angeklagten gewesen sein. Unmittelbar nach der Urteilsverkündung machte der Vater der getöteten Frau seiner Trauer, Wut und Verzweiflung Luft: "Durch Ihr rücksichtsloses Verhalten haben Sie unsere Tochter umgebracht. So etwas kann keiner nachfühlen, der noch kein Kind verloren hat", sagte er zu dem 19-Jährigen, während der Lebensgefährte der getöteten 48-Jährigen dem Unfallverursacher die Traueranzeige mit ihrem vors Gesicht hielt.

Der 19-Jährige hatte sich während des mehrstündigen Prozesses immer wieder für das entschuldigt, was aus Sicht der Opfer-Angehörigen unentschuldbar ist: "Wenn ich könnte, würde ich vieles ändern." Eine Erklärung dafür, warum er, der sich selbst in dem Prozess als "nicht gerade den sichersten Fahrer" bezeichnete, auf der schmalen Landstraße bis zwei Sekunden vor dem Unfall fast doppelt so schnell unterwegs war wie erlaubt, konnte er dem Gericht nicht liefern.

Das Unfallauto hatte 200 PS

Dass er vorher auf Höhe der Autobahnbrücke mit dem 200 PS starken Mercedes seines Vaters einen mit etwa 100 km/h fahrenden Transporter überholt hat, weiß der Heranwachsende noch. "Danach ist mein Gedächtnis wie gelöscht", sagte er. Aufgrund der Ermittlungen eines Unfallsachverständigen, der unter anderem das Airbag-Messgerät des Unfallfahrzeugs ausgelesen hat, erreichte der Wagen kurz vor dem Unfall eine Spitzengeschwindigkeit von 187 km/h.

Das war sogar für die langgezogene Rechtskurve deutlich zu schnell – der Mercedes geriet auf die Gegenfahrbahn und prallte dort fast ungebremst mit der Wucht von mehr als 150 Stundenkilometern auf den VW-Bus mit den beiden Frauen aus dem Main-Spessart-Kreis. "Wir sind davon überzeugt, dass er als Fahranfänger zum Zeitpunkt des Unfalls kein Bremsvermögen mehr hatte", betonte der Vorsitzende Richter Bernd Krieger.

Verurteilt auch wegen eines verbotenen Rennens

Dass der Angeklagte in vollem Umfang für den Unfall und die Folgen verantwortlich ist, daran gab es in diesem Prozess keinen Zweifel. Unterschiedliche Auffassungen gab es allerdings über das Ausmaß seiner Schuld. Während Verteidiger Peter Möckesch 250 Stunden soziale Hilfsdienste für ausreichend hielt, forderte Oberstaatsanwalt Jürgen Bundschuh eine Jugendstrafe von einem Jahr und vier Monaten auf Bewährung. Der Anwalt der Nebenklage ging noch einen Schritt weiter, sprach von einem vorsätzlichen Tötungsdelikt und beantragte eine Haftstrafe von mehr als zwei Jahren für den 19-Jährigen.

Bernd Krieger und seine beiden Schöffen verurteilten ihn nach einstündiger Beratung unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und einem fahrlässigen verbotenen Kraftfahrzeugrennen – zur Verwirklichung des neu ins Strafgesetzbuch aufgenommenen Paragrafen 315d genügt es nämlich auch, wenn ein PKW-Fahrer sich "grob verkehrswidrig und rücksichtslos fortbewegt, um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen".

Genau das sei hier der Fall gewesen, betonte Krieger: "Er wollte mit seinen bescheidenen Fahrkünsten so schnell fahren wie es geht. Und weil seine Fahrkünste so bescheiden waren, hat er die Kontrolle verloren." Als Bewährungsauflage muss der Student 180 Stunden soziale Hilfsdienste ableisten. Außerdem wurde seine Fahrerlaubnis eingezogen, frühestens in neun Monaten kann er eine neue beantragen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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