GAUKÖNIGSHOFEN

Traumata auf die Bühne gebracht

„Drei Jahre keine Privatsphäre. Drei Jahre keine Arbeit. Und noch immer ist es ungewiss, ob ich bleiben darf. Ihr Lieben, es hat gut getan, sich das alles von der Seele zu reden, aber ich werde den Brief nicht abschicken. Er würde euch zu traurig machen“, heißt es in dem Schattenspiel der Theatergruppe „Die Überlebenden“ der Gemeinschaftsunterkunft (GU) Würzburg. Aufgeführt wurde das Stück „Aus dem Schatten treten“ am Sonntag im Haus der Jugend.
Aus dem Schatten treten“: Die Theatergruppe „Die Überlebenden“ der Gemeinschaftsunterkunft in Würzburg führten im Gaukönigshöfer Haus der Jugend ein beeindruckendes Schattenspiel auf. Foto: MICHAELA MENTH

Das Stück berichtet über die Schicksale einzelner Flüchtlinge, die nun in der GU Würzburg wohnen. „Wir haben in der GU die Geschichten der Flüchtlinge gesammelt, durch die dann diese Collage entstanden ist,“ erklärt Gina Jimenez aus Peru, die Regisseurin des Stücks. „Am Anfang war das ziemlich schwer, da wir Traumata auf die Bühne bringen. Allerdings half die Arbeit an dem Stück den Schauspielern auch dabei, ihre Traumata zu überwinden.“ Veranstaltet wurde das Schattenspiel und die anschließende Podiumsdiskussion vom Arbeitskreis „Solidarität geht“ der katholischen Landvolkbewegung Würzburg.

„Wir wollten das Theater symbolisch für unsere Probleme sprechen lassen“, erzählt Mina Aryaee aus dem Iran, eine der Schauspielerinnen. „Wir wollten die Gründe zeigen, warum wir kamen.“ Und dafür brauchte es nur sehr wenig Worte, stattdessen werden ihre Erlebnisse in einzelnen Szenen des Schattenspiels dargestellt. Angefangen mit den Tagen ihre Kindheit, über die Ereignisse, die zu ihrer Flucht aus der Heimat führten, bis hin zu ihrem Leben und ihren Problemen hier in den Gemeinschaftsunterkünften.

„Ich kam aus dem Iran“, erzählt Mina Aryaee im Schattenspiel. „Für Frauen und Mädchen ist es dort sehr problematisch. Als ich hierher kam, konnte ich die Sprache nicht. Bei der ersten Verhandlung meines Asylantrags würde ich abgelehnt. Nach zwei Jahren wurde ich endlich anerkannt. Ich gehörte zu den Glücklichen. Andere warten fünf oder zehn Jahre ohne anerkannt zu werden.“

„Für uns gibt es auch wenn wir hier sind, viele Probleme“, sagt Ali Haschimi aus Afghanistan. „Wenn die Jugendlichen als Flüchtlinge hier ankommen, sind sie noch motiviert. Sie wollen lernen. Dann jedoch fehlt ihnen die Möglichkeit und mit der Zeit fallen sie in Depression. Mir ging es genauso, bis ich der Theatergruppe beitrat.“

Die von Wolfgang Scharl, dem Landvolk-Seelsorger und Präsident des Internationalen Verbands katholischer Landvolksbewegungen geleitete Podiumsdiskussion gab einen weiteren Einblick in das Leben der Flüchtlinge. „Manchmal macht es einen auch zornig, wenn man von den Schicksalen Einzelner hört“, sagt die ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuerin Eva Peteler. „Man kann noch so viel über 'die Flüchtlinge’ sprechen – der Unterschied macht der einzelne Mensch. Der Blick ändert sich, wenn man einen von ihnen näher kennen lernt.“

„Das Stück hat mich unglaublich beeindruckt“, bekennt Hochschulpfarrer Burkard Hose. „Besonders die Anfangsszenen, die die Kindheit der Betroffenen darstellten und die Fluchtszene über das Mittelmeer mit dem Boot und den Hoffnungen und Wünschen der Menschen waren atemberaubend dargestellt.“

Und er ist nicht der einzige, der das so empfindet. Auch im Publikum gibt es viele, die die beeindruckenden Szenen noch lange diskutieren.

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