WÜRZBURG

Traumjob Dompfarrer

Eine Domführung mit dem Dompfarrer Jürgen Vorndran: Das Portal schuf der Würzburger Künstler Fritz Koenig 1967, das ist auch das Geburtsjahr des Dompfarrers.
Eine Domführung mit dem Dompfarrer Jürgen Vorndran: Das Portal schuf der Würzburger Künstler Fritz Koenig 1967, das ist auch das Geburtsjahr des Dompfarrers. Foto: Thomas Obermeier

Ein sonniger Herbsttag, auf dem Domplatz herrscht am Vormittag geschäftiges Treiben. Immer wieder drängen sich Gruppen von Touristen durch das Hauptportal in den Würzburger Kiliansdom, den Arbeitsplatz von Jürgen Vorndran. Seit zehn Jahren ist er als Dompfarrer tätig, und bei einem kleinen Rundgang führt er zu seinen Lieblingsplätzen im Dom.

Die Bronzeflügel des Hauptportals hat 1967 der Würzburger Künstler Fritz Koenig geschaffen. Im gleichen Jahr ist Jürgen Vorndran in Bad Neustadt an der Saale geboren. „In meiner Heimatkirche war ich Ministrant und habe bald gewusst, dass mein Platz in der Kirche ist.“ Seine Kindheit in der Rhön mit zwei älteren Schwestern sei „sehr heimelig“ gewesen. Die Familie wohnte im Bahnhof, der Vater war Bahnbeamter. „Ich bin ein großer Bahnfan und besitze sogar eine Modelleisenbahn“, erzählt Vorndran.

Weiter zum nächsten Lieblingsplatz, der Figurengruppe mit der Anbetung der Könige im Langhaus. „Maria lacht so schön!“, sagt Vorndran. Die Szene steht auch für seine Begeisterung für Kunst und seine Liebe zu den Psalmen und zum Hebräischen. 1986 trat Vorndran ins Würzburger Priesterseminar ein, studierte dann in Rom Theologie, promovierte und kehrte 1996 ins Bistum Würzburg zurück. Vorndran wurde Kaplan in Untersteinbach (Lkr. Haßberge), später Pfarrer in Aschaffenburg. Vor zehn Jahren kam der Ruf nach Würzburg, an den Dom.

Treffpunkt am Sonntagsabend

Jeden Werktag um 9 Uhr findet dort eine Messe statt, die meist der Dompfarrer selbst hält. „Am Sonntag war die Messfeier der Dompfarrei um 8.45 Uhr. Keine gute Uhrzeit für Ministranten und junge Familien“, erinnert sich Vorndran. Er verlegte den Sonntagsgottesdienst auf 18.30 Uhr. Eine Mutter kommentierte das so: „Ach Herr Dompfarrer, das ist super. Um 18.30 Uhr stören Sie keinen!“ Inzwischen kommt eine kleine Fangemeinde von etwa 300 Gläubige zum abendlichen Gottesdienst, bis zu 20 Kinder und Jugendliche ministrieren.

Die kirchliche Kinder- und Jugendarbeit gehört zu den Hauptaufgaben eines Dompfarrers. „Besonders wichtig finde ich das gemeinsame Erleben der Erstkommunion“, sagt Vorndran. Auch wenn manche Eltern erst erstaunt sind, wie viele Termine der Dompfarrer für die Kommunionsvorbereitung ansetzt, entstehe doch eine Gemeinschaft, die manchmal noch über Jahre bestehen bleibt. Gottesdienste feiert der 51-Jährige gerne an seinem dritten Lieblingsplatz im Dom, der Krypta. Dort befindet sich das älteste Kunstwerk der Kathedrale: das steinerne Kreuz mit dem lächelnden Jesus.

Wozu wird Kirche in Würzburg gebraucht?

Als Dompfarrer ist Vorndran nicht nur Pfarrer der größten Kirche im Bistum, er leitet auch die Pfarreiengemeinschaft der Innenstadt und kümmert sich den Domführungsdienst. „Wozu wird Kirche in der Stadt gebraucht und wie soll die Kirche der Zukunft aussehen?“ – Themen, die er weiterentwickeln soll. Die jährliche „Nacht der offenen Kirchen“, bei der man die Kirchen der Würzburger Innenstadt von einer ganz anderen Seite kennenlernen kann, sei ein Beispiel wie Glaube heute bei den Menschen ankommt, sagt Vorndran.

Ihm selbst gebe der Glaube Gelassenheit und Hoffnung, auch wenn die Kirche gerade stürmische Zeiten erlebe. „Die Ergebnisse der Missbrauchstudie bedrücken sehr.“ Vorndran wünscht sich einen offenen und transparenten Umgang mit dem Thema Missbrauch: „Wir müssen den Mut haben das zu tragen, aufzuarbeiten und das Vertrauen zurückzugewinnen.“

Reifen im Glauben

Am Ende des kleinen Rundgangs geht er in die Sepultur und zeigt eine moderne Kreuzwegdarstellung von Ben Willikens, die den Leidensweg Jesu in ein neues Licht rückt. „Die Bilder zeigen die Kraft der Auferstehung.“ Nur in dieser Kraft können wir die Kirche erneuern.“ Für die Zukunft wünscht sich der Dompfarrer weiter viele Begegnungen, bei denen er über den Glauben ins Gespräch kommen kann. „Es ist ein Auf und Ab. Aber man reift Jahr für Jahr im Glauben.“

25-jähriges Priesterjubiläum von Jürgen Vorndran

Das Silberne Jubiläum seiner Priesterweihe begeht Domkapitular Jürgen Vorndran, Leiter der Pfarreiengemeinschaft Würzburg-Innenstadt und Dekan des Dekanats Würzburg-Stadt, am Mittwoch, 10. Oktober. Am Sonntag, 7. Oktober, feiert er um 18.30 Uhr sein Jubiläum mit einem Gottesdienst im Kiliansdom. Die Predigt hält Bischof Franz Jung. Daran schließt sich ein Empfang im Burkardushaus an.

Domführungen

Täglich um 12.30 Uhr findet eine öffentliche Führung durch den Dom statt, Sie dauert etwa eine Stunde. Tickets gibt es an der Dominfo am Domvorplatz. Dort kann man auch verschiedene Themenführungen buchen, wie nur den Chorraum (Licht und Sonnenaufgang) oder nur die Krypta (In der Tiefe verborgen) oder durch die Sepultur (Ruhestätte im Querhaus) und viele mehr. Kontakt: Dominfo, Domstraße 40, 97070 Würzburg. Tel. (09 31) 3 86 62 900, information.dom@bistum-wuerzburg.de
Der zweite Lieblingsplatz des Dompfarrers Jürgen Vorndran im Kiliansdom ist die Figurengruppe mit der Anbetung der Könige im Langhaus.
Der zweite Lieblingsplatz des Dompfarrers Jürgen Vorndran im Kiliansdom ist die Figurengruppe mit der Anbetung der Könige im Langhaus. Foto: Thomas Obermeier
Jürgen Vorndrans dritter Lieblingsplatz im Dom: die Krypta mit dem Kreuz.
Jürgen Vorndrans dritter Lieblingsplatz im Dom: die Krypta mit dem Kreuz. Foto: Thomas Obermeier
Dompfarrer Jürgen Vorndran zeigt seine Lieblingsplätze im Dom: Die Kreuzwegdarstellung von Ben Willikens in der Sepultur, die den Leidensweg Jesu in ein neues Licht rückt.
Dompfarrer Jürgen Vorndran zeigt seine Lieblingsplätze im Dom: Die Kreuzwegdarstellung von Ben Willikens in der Sepultur, die den Leidensweg Jesu in ein neues Licht rückt. Foto: Thomas Obermeier

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