Würzburg

Trockenheit im April: Reicht der Natur das Grundwasser?

In Unterfranken ist es seit einigen Wochen zu trocken. Wieder einmal. Was das sonnige Frühlingswetter für Feld und Flur bedeutet und was Hobbygärtner jetzt tun können.
Seit Wochen hat es in der Region nicht geregnet. Was bedeutet die Trockenheit für Natur und Landwirtschaft?
Seit Wochen hat es in der Region nicht geregnet. Was bedeutet die Trockenheit für Natur und Landwirtschaft? Foto: Daniel Biscan

Es ist wieder trocken in Unterfranken. Zu trocken. Dabei hatte es noch im Februar so gut ausgesehen. Als in Würzburg mit über 100 Millimeter fast dreimal so viel Regen fiel als üblich in dem Monat. Doch der Februar blieb eine Ausnahme.

Welche Menge Niederschlag für eine Region viel oder wenig ist, bewerten Klimaforscher durch den Vergleich mit dem langjährigen Mittelwert, errechnet für die Referenzperiode 1961 bis 1990. In diesem Januar erreichten die Niederschläge, gemessen an der Wetterstation Würzburg, nur die Hälfte der üblichen Menge. Im März waren es dann 60 Prozent. 

Und am 15. April lag die Regenmenge im Raum Würzburg mit nur vier Millimetern bei gerade einmal acht Prozent des Üblichen: "Normal wären zu diesem Zeitpunkt 50 Prozent", sagt der Würzburger Klimaforscher Heiko Paeth. "So früh im Jahr waren Trockenrisse im Boden auch in den letzten Jahren nicht zu sehen".

Was bedeutet das für Felder und Wiesen, für Privatgärten, den Wald und nicht zuletzt für die Grundwasserspeicher in Unterfranken, aus denen das Trinkwasser kommt? 

Grundwasserstände haben sich leicht erholt

Die gute Nachricht zuerst: Aufgrund der ergiebigen Niederschläge im Februar und Anfang März haben sich die Grundwasserstände in der Region leicht erholt. Lediglich ein Fünftel aller Messstellen "zeigen eine ausgeprägte Niedrigwassersituation", sagt Christian Guschker, Leiter der Aktion Grundwasserschutz bei der Regierung von Unterfranken. Das sei umso erstaunlicher, "weil wir nach den zurückliegenden Trockenjahren ein größeres Defizit aufholen mussten".

Bayernweit sieht die Situation dagegen nicht so rosig aus: Hier weisen derzeit noch 51 Prozent der oberflächennahen und 68 Prozent der tieferen Grundwasserstockwerke niedrige oder sehr niedrige Wasserstände auf.

Erste Bäume treiben aus

Erfreut stellt Antje Julke, Abteilungsleiterin Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Würzburg, fest, dass die ersten Bäume im Landkreis ausgetrieben haben. Ob es in diesem Jahr in Unterfranken wieder zu einem größeren Baumsterben komme, werde sich frühestens im Mai zeigen. Bäume hätten ein langes Gedächtnis.

An der Würzburger Waldklimastation hat sich die Durchschnittstemperatur in der Vegetationszeit Mai bis September innerhalb von 80 Jahren um 1,5 Grad erhöht. Gleichzeitig ist die Niederschlagsmenge um zehn Prozent gesunken. Trockenjahre wie 2003, 2015 oder zuletzt 2018 und 2019 haben dazu geführt, dass der Boden nicht genügend Wasser bekommt und Bäume absterben.

Zuckerrüben brauchen Feuchtigkeit

Auch die Landwirte hoffen auf Regen. Sie müssen sich derzeit um ihre frisch angesäten Kulturen kümmern. In Unterfranken sind das vordringlich Zuckerrüben, sagt Herbert Siedler. Der Experte für Pflanzenschutz der Regierung berät Bauern über Anbaustrategien im Klimawandel. Im Unterboden sei derzeit noch etwas Wasser vorhanden, sagt Siedler. Die obere Bodenschicht, die möglichst "locker und krümelig" sein soll, damit sich die zarten Keimlinge entfalten können, sei aber meist schon wieder ausgetrocknet. Da Zuckerrüben nicht bewässert werden, müssen die Bauern den Samen nun etwas fester in den Boden drücken, damit er genügend Feuchtigkeit abbekommt.

Auf die nächsten Wochen kommt es an

Mit Spannung blicken Landwirte und Experten jetzt auf die kommenden Wochen, für die der Deutsche Wetterdienst sonniges, warmes und weitgehend trockenes Wetter vorhersagt. Denn die zurückliegenden drei bis vier Wochen waren in fast allen Teilen Unterfrankens zu trocken. Die Folge:  Bäche und Flüsse führen "fast flächendeckend für die Jahreszeit niedrige Abflüsse", so Christian Guschker.

Weil die Temperaturen auch in diesem Winter und Frühjahr im Vergleich zum langjährigen Mittel zu hoch sind, ist auch die Verdunstung entsprechend stark. Der regenreiche Februar war mit einem Plus von 4,7 Grad sogar deutlich zu warm.

Tipps für Hobbygärtner: Das ist jetzt zu tun
Isolde Keil-Vierheilig von der Bayerischen Gartenakademie der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim (LWG) hat folgende Tipps für Hobbygärtner:
Gießen: weniger oft, aber durchdringend, besonders bei Neupflanzungen und Pflanzungen vom letzten Herbst, damit die Wurzeln in tiefere und feuchtere Schichten gelangen. Wasser brauchen jetzt vor allem immergrüne Pflanzen, in Blüte stehende Stachel- und Johannisbeeren, blühende kleine Obstbäume, Erdbeeren und neu angesäter Rasen.
Gehölze: Hier bieten sich "Wassersäcke" an, die ihr Wasser langsam abgeben.
Rasen: Eine dünne Auflage von Sand oder Blumenerde verhindert ein schnelles Austrocknen der Saat. Hobbygärtner sollten sich aber fragen, ob sie unbedingt einen englischen Rasen brauchen, der auch zukünftig sehr viel Wasser benötigt.
Gemüse: Wurzelgemüse oder Gemüse mit rübenartigen Wurzeln wie Mangold dringt tiefer in die Erde ein und kann besser Wasserreserven nutzen. Kartoffeln finden bei einer Ablegetiefe von etwa zehn Zentimetern im Boden ausreichend Feuchtigkeit zum Keimen.
Säen: Beim Säen und Gießen verkrustet der Boden oft, die Keimlinge kommen schlecht durch die Erde. Besser vor dem Ausstreuen des Saatgutes den Boden wässern und dann die Saatrillen mit alter Blumenerde bedecken.
Mulchen: Das fördert das Leben im Boden und schützt ihn vor Austrocknung und Nachtfrösten. Als Mulchmaterial eignet sich Rasenschnitt, immer dünn und möglichst aufgewelkt, später auch Stroh oder gehäckseltes Laub vom Vorjahr. 
Tipps: Verkrusteten Boden nur oberflächig hacken, Jungpflanzen wie Salat, Kohlrabi, Stauden  mit Vlies abdecken, der feucht hält und vor Sonne schützt, Topfpflanzen im Freien in den Schatten stellen, Boden mit Kompost versorgen, Humus gilt als Wasserspeicher.

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