LANDKREIS WÜRZBURG

Trockenheit trifft nicht nur die Landwirte

Bewässerung Gemüsefelder um Oberpleichfeld       -  Auf diesem Gemüsefeld zwischen Oberpleichfeld und Unterpleichfeld sind Schläuche und Sprenger installiert. Wegen der Trockenheit müssen die Landwirte ihre Felder immer häufiger künstlich bewässern. Doch der Grundwasserspiegel ist gesunken. Ursache ist aber nicht nur der Klimawandel, sondern auch die ausgeräumte Landschaft ohne schützende Hecken.
Auf diesem Gemüsefeld zwischen Oberpleichfeld und Unterpleichfeld sind Schläuche und Sprenger installiert. Wegen der Trockenheit müssen die Landwirte ihre Felder immer häufiger künstlich bewässern. Doch der Grundwasserspiegel ist gesunken. Ursache ist aber nicht nur der Klimawandel, sondern auch die ausgeräumte Landschaft ohne schützende Hecken. Foto: Daniel Peter

Schon jetzt ist abzusehen, dass das Jahr 2017 nicht nur im Würzburger Norden ganz im Zeichen der Wasserknappheit stehen wird. Nach 2015, als eine ganze Reihe von Bächen austrocknete, und dem vergangenen, ungewöhnlich trockenen Winter sind die Grundwasserspeicher leer. „Noch ist es nicht ganz so weit, aber der Kochtopf beginnt zu brodeln“, stellte Dr. Wolfgang Patzwahl bei einer Veranstaltung zum Grundwasserschutz, zu der die übergemeindliche Allianz Würzburger Norden eingeladen hatte, fest.

Der Forscher von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf warb für wassersparende, punktgenaue Tröpfchenbewässerungen, die die heute noch übliche Beregnung mit hohen Verdunstungsverlusten ablösen könnte.

Sorgloser Umgang mit Wasser

Der große Andrang von etwa 150 Bürgern in der Willi-Sauer-Halle zeigte, wie sehr das Thema die Menschen umtreibt und auch erzürnt: Einige erhoben Vorwürfe, dass große Landwirte Grundwasser zur Bewässerung ohne Wasserzähler förderten. Ein Mann beschrieb seinen Eindruck, wie sorglos mit dem Wasser umgegangen werde. Schon zum Jahresbeginn habe er völlig vom Wasser ausgeschwemmte Felder beobachtet. „Das ist eine Sauerei, auf Deutsch gesagt“, sagte er unter großem Beifall.

Die Landwirte wiederum, von denen einige die Veranstaltung mit angestoßen hatten, befürchten, dass schon bald Nutzungseinschränkungen nötig werden könnten.

Tatsächlich wird über das Thema schon seit Jahrzehnten im Zusammenhang mit der Wasserversorgung Würzburgs diskutiert, es hat sich aber in den letzten Jahren nochmals deutlich verschärft.

Mehr zum Thema lesen Sie im Artikel: Dringlichkeitsantrag der SPD zur Wasserarmut

Zum einen haben – vom Verbraucher gewünscht – wasserintensive Sonderkulturen wie Gemüse deutlich zugenommen. Gleichzeitig ist abzusehen, dass der Klimawandel zunehmend zu trockenen Sommern führen wird. 19 der letzten 26 Monatsniederschläge lagen in der Region unter dem langjährigen Mittel. Wolfgang Patzwahl schätzt, dass infolge des Klimawandels ähnliche Extreme häufiger auftreten und dass die Wasserverdunstung um zehn Prozent steigen wird.

Dass etwas geschehen muss, zeigen die Zahlen: In der Bergtheimer Mulde, die sich von Estenfeld bis nach Hausen erstreckt, einer der trockensten Regionen Bayerns, wird schon heute stellenweise bis zu 50 Prozent der Fläche bewässert. Bei einer geschätzten Grundwasserneubildung von 30 Milliliter pro Quadratmeter sind die Spielräume gering.

Im roten Bereich

In Bergtheim sind 61 Prozent der mittleren Grundwasserneubildung an Wasserrechten fest vergeben. Davon werden nur etwa ein Viertel für Trinkwasser herangezogen, drei Viertel dienen zur Bewässerung. „Wir sind schon im roten Bereich, so kann es bei uns nicht weitergehen“, stellte Bürgermeister Konrad Schlier fest. Aber auch in Unter- und Oberpleichfeld sieht die Situation kaum besser aus.

„Wir haben erste Anzeichen, dass die Grundwasservorkommen bei der Entnahme ausgereizt werden und es gibt Anzeichen dafür, dass Engpässe in der öffentlichen Wasserversorgung auftreten können“, fasste Christian Guschker, Wasserexperte bei der Regierung von Unterfranken, zusammen.

Die Bergtheimer Mulde ist eine von drei Trockengebieten in Unterfranken, die an einem Pilotprojekt der Regierung zum Niedrigwassermanagement teilnehmen. Dabei gehe es darum, das System so gut zu verstehen, dass Wasserentnahmen auch dann funktionieren, wenn es noch trockener wird, erklärte er. Seiner Ansicht nach wird jedoch ein deutlich stärkeres Maß an Steuerung und Investitionen nötig werden. Er versicherte: Die öffentliche Wasserversorgung geht immer vor.

Bewässerung als Chance

Doch es gibt auch Stimmen, die für eine deutliche Ausweitung der Bewässerung eintreten: Ein Landwirt bezeichnete die Bewässerung als „bedeutende Chance“, um die Landwirtschaft effektiver und ertragreicher auszugestalten. „Wir wünschen uns hier mehr Unterstützung durch die Politik“, sagte er.

Tatsächlich gibt es weiterhin Überlegungen, das Wasser aus dem Main auf die Hochfläche zu pumpen. Ähnliches geschieht etwa in der Pfalz, wo der Rhein als Wasserquelle herangezogen wird.

Thema Fremdwasserversorgung

MdL Manfred Ländner (CSU) erinnerte an die vor einigen Jahrzehnten geführte Diskussion um die Fremdwasserversorgung, bei der das Wasser aus den Brombach-Seen nach Norden abgeführt wird: Während sich damals Kürnach angeschlossen habe und nun „fein raus“ sei, hätten andere Gemeinden für ihre eigene, ortsnahe Wasserversorgung gekämpft.

Eines wurde jedoch auch klar: Die Wasser-Engpässe sind zu großen Teilen hausgemacht: Schon auf der Anfahrt sei ihm die radikal ausgeräumte Landschaft aufgefallen, beschrieb Wolfgang Patzwahl seinen Eindruck: „Es fehlt hier eindeutig an Hecken“, sagte der Wissenschaftler. „Bei derart windoffenen Flächen hat die Verdunstung leichtes Spiel.“

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