Würzburg

Tüfteln und dabei Gutes tun

Der 15 Jahre alte Simon und die elfjährige Emily gehören zu den jüngsten Freiwilligen des Vereins 'angestöpselt'. Foto: Pat Christ
Der 15 Jahre alte Simon und die elfjährige Emily gehören zu den jüngsten Freiwilligen des Vereins "angestöpselt". Foto: Pat Christ

Seit Februar hat der Verein "angestöpselt" in der Zeller Straße 29/31 eine neue Heimat. "Wir haben uns von 40 auf 100 Quadratmeter mehr als verdoppelt", sagt Vorstand Moritz Beck. Weil es nun ausreichend Platz gibt, kann das Team von "angestöpselt" wesentlich aktiver sein als bisher. Seit Juli gibt es einen dritten Öffnungstag: Ab sofort kann "angestöpselt" nicht nur montags und mittwochs ab 18.30 Uhr, sondern auch freitags ab 17 Uhr besucht werden.

Wie rasant sich "angestöpselt" entwickeln würde, hätten die Gründer Steffen Hock und Christoph Fischer sicher nicht gedacht. Alles fing klein und überschaubar in einem privaten Keller an. Heute stehen 61 Mitglieder hinter der Idee, gebrauchte Rechner wieder fit zu machen und sie gegen eine Bearbeitungsgebühr von zehn Euro an Minirentner, Hartz IV-Empfänger und Flüchtlinge abzugeben.

Volles Lager dank zahlreicher Spenden

Binnen einen Jahres konnte der "Verein für Digitalkompetenz", wie sich "angestöpselt" auch nennt, seine Mitgliederzahl um 50 Prozent steigern. Mitmachen darf jeder, unabhängig vom Alter und seinem Computer-Knowhow. Wer etwas noch nicht weiß, lernt es. Zu den derzeit jüngsten Ehrenamtlichen gehören die elfjährige Emily, der 15 Jahre alte Simon und Lara Sand, 16 Jahre alte Kinderpflegerin.

Über mangelnde Rechnerspenden kann sich der Verein nicht beklagen. Das Lager ist voll, viele Firmen bringen ihre ausrangierten Geräte zu "angestöpselt". Rund 2500 Menschen konnten bisher mit einem gebrauchten, aber vollauf funktionstüchtigen PC oder Notebook versorgt werden. Heute holt Hilbert M. (Name geändert) ein Laptop ab. Der 72-Jährige, der zehn Jahre im Ausland tätig war, hat Freunde in aller Welt, mit denen er via Mail in Kontakt bleiben möchte. Sein altes Laptop funktionierte nicht mehr. Ein neues Gerät kann sich der ehemals Selbständige, dessen Firma am Ende keine Gewinne mehr abwarf, nicht leisten: "Ich lebe von 430 Euro Rente."

Inzwischen werden die Computer auch in andere Städte versandt

Nicht nur bei "angestöpselt" können Technikfreaks an Computern basteln. Das Besondere an dem Verein ist jedoch, dass man seiner Technikleidenschaft frönen und gleichzeitig etwas Gutes tun kann. Das motivierte Christoph Wolf, als 61. Mitglied beizutreten. Aus eigener Initiative hatte Wolf in den vergangenen eineinhalb Jahren alte Rechner repariert und verschenkt: "Von ‚angestöpselt' hatte ich gar nichts gewusst." Über seinen aktuellen Praktikumsbetrieb stieß der angehende Betriebs- und Wirtschaftsinformatiker auf den Verein.

Weil es nun mehr Platz und mehr freiwillige Helfer gibt, konnte "angestöpselt" seinen Aktionsradius ausweiten. "Seit kurzem versenden wir Computer", erzählt Florian Helmerich vom Vorstand. Um die 30 Rechner wurden inzwischen schon nach Berlin, Bonn, Köln und andere Städte verschickt. Die Nachfrage ist groß, weil es Organisation wie "angestöpselt" kaum gibt. Bayernweit existiert nur noch in München eine ähnliche Initiative: "Allerdings gibt das Team dort Rechner lediglich an andere Organisationen ab, von denen sie dann verteilt werden." Die Mitglieder von "angestöpselt" hingegen möchten nicht auf den direkten Kontakt zu ihren Kunden verzichten.

Erstmals Kooperation mit iWelt AG in Eibelstadt

"angestöpselt" hilft nicht nur dann, wenn jemand einen neuen Computer braucht. "Wir reparieren auch Rechner unserer Kunden", sagt Helmerich. Eine Bescheinigung, dass der betreffende Mensch auf Hartz IV-Niveau lebt, genügt. Ergänzt wird das Angebot durch kostenlose Kurse. Etwa alle zwei Monate erfahren Computerneulinge bei Infoabenden, wie man eine Maus benutzt, welche Methoden es gibt, um Übersicht ins Ordner-Chaos zu bringen, wie man eine Mail verschickt und Fotos lädt. "Es gibt Menschen, die erst 60 Jahre alt sind, jedoch bisher nie etwas mit Computern zu tun hatten", so Moritz Beck.

Für alle Kinder und Jugendliche, egal, ob sie aus ärmeren oder reicheren Familien stammen, bietet "angestöpselt" seit 2017 "CoderDojo"-Workshops an. "Wir sind damit Teil einer weltweiten Bewegung, die Programmier-Treffen für junge Menschen veranstaltet", sagt Beck. Bisher geschah dies in Kooperation mit der Würzburger Fachhochschule. Erstmals kooperiert der Verein nun mit der iWelt AG in Eibelstadt. Dort findet der nächste Workshop am 4. August statt.

Kids lernen programmieren
Im Projekt "CoderDojo" des Vereins "angestöpselt" tauchen junge Leute in die Welt des Programmierens ein. Der nächste Kurs findet am 4. August in der iWelt AG in Eibelstadt statt. Bis zu 20 Kinder und Jugendliche von neun bis 17 Jahren können daran kostenlos teilnehmen. Den Anmeldebogen gibt es im Internet: https://www.angestoepselt.de/coderdojo/. pat
Der 15 Jahre alte Simon bastelt an einem 3D-Drucker. Foto: Pat Christ
Der 15 Jahre alte Simon bastelt an einem 3D-Drucker. Foto: Pat Christ
Der 15 Jahre alte Simon bastelt an einem 3D-Drucker. Foto: Pat Christ
Der 15 Jahre alte Simon bastelt an einem 3D-Drucker. Foto: Pat Christ
Der 15 Jahre alte Simon und die elfjährige Emily gehören zu den jüngsten Freiwilligen des Vereins 'angestöpselt'. Foto: Pat Christ
Der 15 Jahre alte Simon und die elfjährige Emily gehören zu den jüngsten Freiwilligen des Vereins "angestöpselt". Foto: Pat Christ
In den neuen Räumen von 'angestöpselt' ist endlich ausreichend Platz zum Basteln (im Vordergrund Vorstand Moritz Beck, dahinter Christoph Wolf, das neuste Mitglied des Vereins). Foto: Pat Christ
In den neuen Räumen von "angestöpselt" ist endlich ausreichend Platz zum Basteln (im Vordergrund Vorstand Moritz Beck, dahinter Christoph Wolf, das neuste Mitglied des Vereins). Foto: Pat Christ

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