Würzburg

US-Tankstelle: Ein Stück Geschichte sagt Servus

Beim Aktionsbündnis überwog nach dem Aus im Stadtrat für die Tankstelle zwar die Enttäuschung, dennoch können die Aktivisten den vergangenen Monaten Gutes abgewinnen.
Die ehemalige US-Tankstelle am Hubland wird nun doch abgerissen. Charakteristisch sind die gebogenen Fenster der ehemaligen Verkaufsraumes. Foto: Torsten Schleicher

In der Deutlichkeit war das Abstimmungsergebnis dann doch überraschend: Nur zwölf von 33 anwesenden Stadträten wollten am Donnerstag, dass die Verwaltung einen Teilerhalt der alten US-Tankstelle am Hubland auf Kosten und mögliche Nutzung prüft. Damit steht fest, dass die aus dem Jahr 1952 stammende Tankstelle nun wie geplant abgerissen wird und Platz macht für die Erweiterung des Grüngürtels am Hubland. 

"Die Aktion möge anderen Mut machen, nicht alles blind hinzunehmen."
Herbert Stapff, Tankstellen-Aktionsbündnis

Den in der Sitzung anwesenden Vertretern des Aktionsbündnisses für den Erhalt der Tankstelle war die Enttäuschung anzusehen, als feststand, dass es für das Gebäude keine Zukunft geben wird. Am Morgen danach kann Hermann Stapff vom Aktionsbündnis den vergangenen vier Monaten, in denen die Debatte geführt wurde, dennoch etwas Positives abgewinnen: "Sicher bin auch ich enttäuscht, dass es nicht geklappt hat. Wir haben hinterher lange diskutiert woran es gelegen haben könnte. Aber alles hat auch sein Gutes: Die Aktion möge anderen Mut machen, nicht alles blind hinzunehmen, sondern sich auch mal aufzulehnen, mitzureden, mitzuentscheiden", sagt er am Freitag.

Und schiebt in seiner Stellungnahme sogar ein Lob ans Rathaus hinterher: "Ich bedanke mich trotzdem beim Baureferat, beim Baureferenten und auch bei den Stadträten. Diese Bewegung, dieses Verhalten, diese Kompromissbereitschaft wären vor ein paar Jahren noch nicht möglich gewesen. Viele Bau- und Verkehrssünden der 70er Jahre würden heute so nicht mehr gebaut, wenn man die Bürger mitentscheiden lässt."

Gesamtansicht der Tankstelle: Bei einem Teilerhalt wären das Hauptgebäude (Mitte) und ein Teil der rechts angrenzenden Werkstatt stehen geblieben.   Foto: Torsten Schleicher

Obwohl der Konversionsausschuss noch am 4. Februar empfohlen hatte, den Tankstellen-Erhalt zu prüfen, standen am Donnerstag im Stadtrat die Zeichen von Anfang an nicht gut. Oberbürgermeister Christian Schuchardt wies schon bei seiner Anmoderation auf die "Gesamtverantwortung" der Stadt für eine Vielzahl von anstehenden Projekten hin, darunter die Schulsanierung. Mit anderen Worten: Es gibt Wichtigeres als eine alte Tankstelle.

Während der Landesgartenschau wurde die Tankstelle als "American Diner" genutzt.  Foto: Torsten Schleicher

Baureferent Benjamin Schneider, der sich im Januar mit Vertretern des Aktionsbündnisses getroffen hatte, sprach von der "Barrierewirkung", die das Haus in der geplanten Grünachse zwischen den künftigen Sinnesgärten (am Standort der WVV-Bühne während der LGS) und dem zentralen Quartiersplatz bedeuten würde - auch dann, wenn bei einem Teilerhalt nur die Glaskanzel und die angrenzende Werkstatt übrig geblieben wären.

Ein weiterer Punkt: die Kosten. Beim jetzt beschlossenen Komplettabriss rechnet man im Rathaus mit Rückbaukosten von 1,15 Millionen Euro. Ein Teilerhalt wäre wohl mindestens 700 000 Euro teurer geworden - plus geschätzte 100 000 Euro Rückforderungen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), die das ehemalige US-Gelände 2012 an die Stadt verkauft hatte.

Das Innere des Verkaufsraums während der Landesgartenschau. Foto: Antje Hansen

Grünen-Fraktionschef Matthias Pilz war es schließlich, der sehr vernehmlich den Abgesang auf die Tankstelle anstimmte: "Irgendeiner muss der Böse sein." Es könne nicht sein, dass die Stadt Geld ausgebe für ein Gebäude, das kein Denkmal sei und bei dem man nicht einmal wisse, wofür man es nutzen kann. Stattdessen brauche die Stadt auch bei guter Haushaltslage Geld für andere Dinge – Kindergärten und Übungsräume etwa. Ein "emotionaler Wert" allein reiche als Begründung nicht aus. 

Eine klare Absage machte auch Wolfgang Roth, stellvertretender CSU-Fraktionschef. "Die Tankstelle hat keinen Denkmalwert, es geht um Steuergelder, das Gebäude steht an der falschen Stelle und außerdem würden wir das Gesamtkonzept am Hubland torpedieren", zählte er als Begründung auf, warum die CSU den Tankstellen-Erhalt ablehnt.

Die US-Streitkräfte prägten für über 60 Jahre das Straßenbild in Würzburg mit. Hier steht 1951 ein amerikanischer Soldat auf der Friedensbrücke.  Foto: Walter Röder

Das hatte Mitte Oktober bei der CSU noch anders geklungen. "Wir haben in unserer Fraktion beschlossen, dass wir der Weiterverfolgung des Antrags mehrheitlich zustimmen werden", hatte Stadträtin Helga Hoepffner damals bei der Übergabe einer Unterschriftensammlung durch die Tankstellenfreunde gesagt. Hoepffner war es am Donnerstag auch, die sich dann doch mit nachdenklichem Ton zu Wort meldete: "Mir blutet das Herz, wenn wieder ein Stück vom US-Gelände verschwindet." Sie sei auch erst für den Erhalt gewesen, aber wegen der Kosten sei sie nun dagegen. Da nützte es dann auch nicht mehr, dass ÖDP-Mann Heinz Braun zuvor der Tankstelle noch eine Bedeutung "für die Identifikation mit dem Stadtteil Hubland" attestiert hatte. 

"Wir waren schon weit mit unseren Überlegungen", sagt Tankstellen-Aktivist Herbert Stapff. Man habe Sponsoren gesucht, Nutzungsvorschläge erarbeitet und an die Gründung eines Fördervereins gedacht. "Aber", schiebt Stapff die Resignation beiseite, "wir haben auch gezeigt, dass man mit bürgerschaftlichem Engagement etwas bewegen kann."

Video

Rückblick

  1. Würzburgs amerikanische High School hat doch eine Zukunft
  2. Wie man am Würzburger Hubland Center trotz Kameras länger parkt
  3. Hubland: Ist die Kritik am Zustand des Geländes berechtigt?
  4. Abriss: Jetzt verschwindet die US-Tankstelle am Hubland
  5. Hubland: Der letzte Rest der ehemaligen US-Mall verschwindet
  6. Wie ein Flugplatz-Tower zu einer innovativen Bibliothek wird
  7. Neue Bibliothek: Öffentliches Wohnzimmer für das Hubland
  8. Skyline Office: Es entsteht ein neuer Baustein am Hubland
  9. Skyline Hill: 14 Millionen-Euro-Center bringt Hubland voran
  10. Ein Jahr danach: Wie die Landesgartenschau in Würzburg zum Park wurde
  11. Entdeckungstag im neuen Stadtteil Hubland
  12. Markanter Baustein im Stadtteil der kurzen Wege
  13. Hubland: Nachbarschaftsstreit wegen Industriegebiet
  14. Steidle: Tankstelle hätte "ein hübsches Stück" werden können
  15. US-Army in Würzburg: Wie viel Erinnerung brauchen wir?
  16. US-Tankstelle: Ein Stück Geschichte sagt Servus
  17. US-Tankstelle am Hubland: Stadtrat senkt den Daumen
  18. Wird an der ehemaligen US-Tankstelle künftig wieder getankt?
  19. US-Tankstelle am Hubland: Kompletter Abriss vom Tisch?
  20. Hubland: Im und am Stadtteilpark entsteht viel Neues
  21. Das LGS-Gelände ist jetzt Stadtteilpark
  22. Ist die US-Tankstelle ein Denkmal? Das sagen die Experten dazu
  23. US-Tankstelle: Entscheidung über Denkmal-Status noch heuer?
  24. Online-Petition fordert Erhalt der LGS-Tankstelle
  25. Rückkehr an einen Ort voller Erinnerungen
  26. Die geheimen Tunnel im Kürnacher Berg
  27. Neues Wohnheim für Studenten im Stadtteil Hubland
  28. Mein LGS-Balkon: Selfie-Alarm im Supermarkt
  29. LGS: Der "Treffpunkt Tower" ist eröffnet
  30. Historische Brüche: Was den Tower interessant macht
  31. Das Hubland Center ist eröffnet
  32. Skyline Hill Center: Ehrgeiziger Neubau auf dem Hubland
  33. Ein dickes Versorgungspaket für die Hubland-Bewohner
  34. Neues Kickers-Konzept für das Hubland
  35. Pläne für Hubland-Straba kommen wieder ins Rollen
  36. Wohnen mit Ausblick am Hubland
  37. Stadtbau-Werbung begeistert Design-Profis
  38. Neue Adresse: „Hubland Nord“
  39. Gründerszene: Forschung im Würfel rückt näher
  40. Würzburgs neue Straßenbahn: Jetzt macht auch die Uni Druck
  41. Hubland: Zentrum für Sport, Kultur, Soziales
  42. 170 000 Euro für Pedelec-Route zur Landesgartenschau
  43. Ein Zeichen für den Bau der neuen Straßenbahnlinie 6
  44. Infosim erhält ein neues Aushängeschild
  45. Am Hubland: Neues Hotel öffnet die Türen
  46. Hubland-Parkhaus: Kommission verweigert Zustimmung
  47. Wenn ein neuer Stadtteil Straßennamen braucht
  48. Bundesbauministerin besucht das Hubland
  49. Grundstücke am Hubland weiter sehr gefragt
  50. Die ersten Hubland-Bewohner ziehen im September ein

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Würzburg
  • Torsten Schleicher
  • Aktivistinnen und Aktivisten
  • Bundesanstalt für Immobilienaufgaben
  • CSU
  • Christian Schuchardt
  • Enttäuschung
  • Heinz Braun
  • Helga Hoepffner
  • Hubland Stadtteil
  • Matthias Pilz
  • Wolfgang Roth
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
7 7
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!