Würzburg

US-Tankstelle: Entscheidung über Denkmal-Status noch heuer?

Denkmal-Experten haben die historische Tankstelle auf dem ehemaligen LGS-Gelände besichtigt. Unterdessen formuliert das Aktionsbündnis Ideen für eine künftige Nutzung.
Die historische US-Tankstelle am Hubland auf dem ehemaligen Gelände der Landesgartenschau. Im Vordergrund erinnert eine Stele an die Zeit der Nutzung des Geländes durch die US-Armee. Foto: Torsten Schleicher

Die Landesgartenschau, bei der die historische US-Tankstelle auf dem Gelände der früheren Leighton-Kaserne für sechs Monate wieder zum Leben erweckt wurde, ist gut vier Wochen her, doch auf dem derzeit noch abgesperrten Bereich rund um das Gebäude gab es am Dienstag einen wichtigen Termin: Gemeinsam mit Stadtheimatpfleger Hans Steidle besichtigten Experten vom Landesamt für Denkmalpflege die Anlage. Der Vor-Ort-Termin könnte in eine wichtige Weichenstellung für die Zukunft der früheren Tankstelle münden.

Heimatpfleger rechnet mit Entscheidung noch vor Weihnachten

Wie Stadtheimatpfleger Hans Steidle gegenüber dieser Redaktion sagte, sei es bei der Besichtigung um die "Überprüfung der Denkmalwürdigkeit" gegangen. Eine Entscheidung sei vor Ort allerdings nicht gefallen. Die Ergebnisse des Ortstermins würden nun zunächst von den Denkmalexperten geprüft. Er rechne jedoch mit einer Entscheidung über einen formalen Denkmal-Status der Anlage "noch vor Weihnachten". 

Steidle selbst hatte in einer am 11. Oktober veröffentlichten Stellungnahme dem Ensemble die Eigenschaften eines Denkmals zugebilligt und den Vergleich mit ähnlichen Bauwerken gezogen: "Die Tankstelle auf dem Hubland weist alle Qualitäten eines erhaltenswürdigen Denkmals auf, wie der Vergleich mit historischen, als Denkmal geschützten Tankstellen beweist." 

Wie bereits berichtet, hatte sich in den letzten Tagen der Landesgartenschau Protest gegen den - seit langem geplanten - Abriss des aus dem Jahr 1952 stammenden Gebäudes formiert. Während der Landesgartenschau war die Tankstelle provisorisch hergerichtet worden. Im oberen, mit der markanten Glasfassade versehenen Teil war ein "American Diner" eingerichtet worden. Im Untergeschoss war eine viel beachtete Ausstellung zur Geschichte des Hublands zu sehen. 

Aktionsbündnis sieht "Symbol der deutsch-amerikanischen Freundschaft"

Ein Aktionsbündnis, das aus Mitgliedern der Siedlervereinigung Sieboldshöhe, des Oldtimer-Stammtischs Würzburg und des Vereins der Würzburger Gästeführer besteht, setzt sich für den Erhalt der Tankstelle ein. Die Gruppe traf sich am Montag. In einem danach veröffentlichten Positionspapier sprechen die Aktivisten mit Blick auf die Tankstelle von einem Symbol der deutsch-amerikanischen Freundschaft "vor historischem Hintergrund".

Hinsichtlich der künftigen Nutzung solle keine kommerzielle oder gastronomische Nutzung favorisiert werden. Stattdessen stellt man sich in der Gruppe eine "kulturelle Nutzung mit wechselnden Ausstellern" vor, mit der sich unter anderem weggefallene Ausstellungsflächen des Mozartareals kompensieren ließen. In einem Teil des Gebäudes könnten auch die Oldtimerfreunde unterkommen. Weitere Nutzer des Gebäudes sollten bei Bedarf die Stadtteilbücherei und ein "Deutsch-Amerikanisches Geschichtsmuseum" sein. Ferner ließe sich eine Toilettenanlage unterbringen.

Nutzung als Stadtteil-Treffpunkt

Grundsätzlich sieht das Aktionsbündnis das Tankstellen-Areal als "Stadtteil-Treffunkt", in dem auch künftig die historische Hubland-Ausstellung gezeigt werden soll. Für die Ausstellung hat die Stadt inzwischen aber bereits das geplante Sozialzentrum "HUB27+" als möglichen Standort ins Gespräch gebracht. 

In dem Papier des Bündnisses wird auch ein bisher noch völlig ungeklärter Punkt angesprochen: Sollte die Tankstelle erhalten und genutzt werden, könnten auf die Stadt Nachverhandlungen mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) zukommen. Beim Kauf des Geländes im Jahr 2012  war der Abriss des Tankstellenareals ein Teil des Vertrags gewesen - eine Weiternutzung war nicht vorgesehen. 

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