WÜRZBURG

Ulrike Schäfers kleine Erzählwunder

Lesung Ulrike Schäfer       -  Premiere: Autorin Ulrike Schäfer bei der Leseung aus ihrem neuen Band „Nachts, weit von hier“ in der Stadtbücherei. DANIEL PETER
Premiere: Autorin Ulrike Schäfer bei der Leseung aus ihrem neuen Band „Nachts, weit von hier“ in der Stadtbücherei. DANIEL PETER Foto: Foto:

„Glänzend, packend, überzeugend“ fand Verleger Hubert Klöpfer das, was er im Juli 2014 beim Literaturforum in Wangen im Allgäu von der Würzburger Autorin Ulrike Schäfer zu hören bekam. Da sei jemand „im Kleinen etwas ganz Großes“ gelungen, konstatierte er, nachdem er das ganze Manuskript, das nun Schäfers erster Band mit Erzählungen geworden ist, gelesen hatte. Ja, er spricht sogar von „kleinen Erzählwundern von dem was unter der Oberfläche geschieht“, als er „Nachts, weit von hier“ zum Auftakt des Literarischen Herbstes in der Würzburger Stadtbücherei vorstellt.

100 Gäste waren gekommen, um erstmals Texte aus dem Band mit den 18 Erzählungen zu hören. „Freudig erschrocken“ sei sie über die große Zuhörerschar, meinte die Autorin zu Beginn, um diese sogleich mit mit einem „ersten schnellen Eindruck vom Sound“ ihres Buches zu überraschen. Wahllos habe sie einige Sätze quer durch das Buch ausgesucht und zu einem Text-Medley aneinander geklebt, das sich gleichwohl stimmig zusammenfügte. Nach diesem einstimmenden literarischen „amuse gueule“ gab es dann als ersten „Hauptgang“ den dem Buch den Titel gebenden Text „Nachts, weit von hier“.

In klarer, sachlicher, präziser Sprache berichtet die Ich-Erzährlein, eine „mittelmäßig erfolgreiche“ Business-Frau, von einem Vorfall, den sie während einer Geschäftsreise vom Hotelfenster aus erlebt hat. Eine Frau liegt auf der Straße,. Ein Mann kniet über ihr. Beide steigen in ein Auto und fahren fort. Die Beobachterin unternimmt nichts. Offen bleibt, was sich zwischen den beiden ereignet hat. Noch geheimnisvoller wird die Geschichte gleich durch den ersten Satz: „Ob es diese Frau je gegeben hat, kann ich nicht sagen.“ Später findet die Geschäftsfrau einen roten Rock, den die Frau auf der Straße möglicherweise getragen hat. Auch ein langes, braunes Haar, das sie in ihrem Waschbecken findet, könnte von der Frau stammen. Die Geschichte bleibt rätselhaft, mysteriös, auch beklemmend. Man könnte kafkaesk sagen.

Abgeschlossen wird der 180-seitige Erzählband mit dem kurzen Text „Gelika entdeckt die Liebe“, den Ulricke Schäfer ebenfalls vorstellte. Wieder geht es um eine plötzliche Begebenheit, die das Leben eines Menschen durcheinander bringt, aber nicht rätselhaft-verhangen, sondern sehr poetisch. Diesmal ist es eine Kiste mit 30 Jahre alten Briefen, die Gelika auf dem Dachboden findet. Ist sie immer noch die, die diese Briefe „von jemandem. Einem“ erhielt? Gelika vereist, und spricht vorher auf den Anrufbeantworter erstmals seit Jahrzehnten wieder ihren vollen Vornamen ganzen Namen Angelika. zum Schluss heißt es: „Es bleibt also alles beim Alten, denkt sie verzagt. Und spürt doch, dass es anders ist, fühlt, wie es schlägt: ein ins Ungewisse geöffnetes Herz.“

Und es gibt auch zwei Texte, im Buch die direkt und indirekt mit Würzburg zu tun haben. Einer davon ist „Spiele“, der mit Basketball zu tun hat und auch wieder nicht. Sie jetzt gemein, sagte Ulrike Schäfer augenzwinkernd, denn sie werde den Text nicht bis zum Ende lesen. Deshalb wird auch hier nicht viel mehr verraten, außer dass er das in Würzburg beleibte Spiel aus einem ganz außergewöhnlichen Blickwinkel beschreibt. Wer wissen möchte, wie es ausgeht, muss sich das Buch kaufen.

Exzellent ergänzt wurde die Lesung vom jungen Jazzduo „Colours of Two“ mit Saxophonist Thomas Hähnlein und Gitarrist Philipp Schiepek, die an der Musikhochschule studieren und bewiesen, warum sie mehrere Preise gewonnen haben.

Das Buch: Ulrike Schäfer, Nachts, weit von hier, Verlag Klöpfer & Meyer, Tübingen 2015, ISBN 978-3-86351-405-1, 180 Seiten, 20 Euro

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