REGION WÜRZBURG

Umgeben von lauter guten Engeln

Danke! Den „Pionieren“ der Flüchtlingshilfe im Landkreis Würzburg galt der Dank von Landrat Eberhard Nuß bei einem Dankeschönfest in Rimpar. Foto: Herbert Ehehalt

Über Wochen haben, auf freiwilliger Basis, ehrenamtliche Helfer in den Notunterkünften für Flüchtlinge im Landkreis Würzburg in Rimpar, Kirchheim und Greußenheim die Essens- und Kleiderausgabe, Deutschunterricht, Freizeitgestaltung und Notwendigkeiten des Alltags organisiert. Rund 130 ehrenamtliche Aktive von BRK, Johanniter und Malteser bildeten unterstützt mit Helferkreisen vor Ort die „Wellenbrecher“, als im Sommer eine seither nicht enden wollende Woge von Flüchtlingen im Landkreis versorgt und untergebracht werden musste. Gemeinsam mit dem zuständigen Mitarbeiter-Team aus dem Landratsamt hatte Landrat Eberhard Nuß nun rund 200 „Flüchtlingsengel“ für ihr Engagement zu einem Dankeschönfest eingeladen.

„So stell ich mir das Paradies vor. Bei gutem Essen umgeben von lauter guten Engeln,“ sagte dann Nuß auch zu all jenen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die als Mitglieder der Rettungsdienste und Freiwilligen Feuerwehren vor Ort oder im Bürgerschaftlichen Engagement beim Auf- und Abbau sowie während des Betriebs der ersten drei Notunterkünfte für Flüchtlinge im Landkreis Würzburg in Rimpar, Kirchheim und Greußenheim tätig waren.

Und Mitarbeiter des Landratsamtes verteilten als kleine Anerkennung Eintrittskarten zum Heimspiel der „Rimparer Wölfe“ in der 2. Handball-Bundesliga am Sonntag, 25. Oktober, gegen EHV Aue in der s.Oliver-Arena in Würzburg. Die Tickets waren unentgeltlich von der Event-Agentur Gebrüder Krimm zur Verfügung gestellt worden.

Freilich war der Abend in der Sporthalle Neue Anlage in Rimpar bei Musik durch die örtliche Kapelle „Ouwa Lings“ nicht nur dem Beisammensein bei leiblichen Genüssen gewidmet. Mit etwas Abstand und außerhalb des ehrenamtlichen Engagements stand vor allem der Austausch von Erfahrungen, Erlebnissen und bemerkenswerten Eindrücken mit den Flüchtlingen im Mittelpunkt. „Bis zu 150 Helfer der Rettungsdienste haben bisher seit Juli fast 4000 Stunden ehrenamtlichen Dienst geleistet“, berichtete Stefan Dietz vom BRK.

„Bis zu 150 Helfer der Rettungsdienste haben fast 4000 Stunden ehrenamtlich Dienst geleistet.“
Stefan Dietz BRK

Hilde Bäumel vom Helferkreis in Greußenheim berichtete, wie ein 17-Jähriger wieder mit seiner Familien zusammengeführt werden konnte, die er auf dem Weg nach Deutschland in Ungarn verloren hatte.

„Kinder haben mit Liedern das Eis gebrochen“, lautet auch die Erfahrung von Cordula Kurbel. „Danach sind in kürzester Zeit Kontakte nicht nur entstanden, sondern richtig gewachsen“, berichtete die Kindergarten-Leiterin aus Kirchheim.

Kinder als positive Multiplikatoren registrierten auch Rimpars Bürgermeister Burkard Losert mit Alexander Kager und Ingrid Hackl. Dank des Engagements der ehemaligen Pädagogin als Deutschlehrerin konnten sich viele der in Rimpar untergebrachten Flüchtlinge von dort mit einem „Auf Wiedersehen“ in Deutsch verabschieden.

Und Landrat Eberhard Nuß zeigte sich ebenso begeistert. Anerkennung zollte der Landkreischef „seinem“ Team im Landratsamt, den rund 150 ehrenamtlichen Aktiven von BRK, Johanniter und Malteser sowie den unzähligen „guten Seelen“ vor Ort.

Insbesondere lobte er Paul Justice (Organisationsleiter Notunterkünfte), Thomas Gabel (Fachbereichsleiter Asylbetreuung), Geschäftsbereichsleiter Michael Horlemann, Hermann Gabel (Leiter des Kreisjugendamts und Servicestelle Ehrenamt) und Kerstin Gressel.

Personelle Unterstützung sicherte der Landrat den Mitarbeitern ab November zu durch einen eigenen Fachbereich „Asyl“ in Kooperation mit der Caritas zur Betreuung der ehrenamtlichen Helfer. Dies ist ebenso ein Novum, wie es der Landkreis Würzburg als Pionier war im Juli 2015 in Unterfranken bei der Bereitstellung von Notunterkünften, verkündete Nuß nicht ohne Stolz.

Deutliche Kritik hingegen richtete der Landrat in Richtung der Verantwortlichen der Bundespolitik: „Ihr großartige ehrenamtliche Helfer und wir im Landratsamt, eigentlich nur für die Daseinsvorsorge vor Ort zuständig, sind in der Weltpolitik angekommen und näher an der Wahrheit, als es uns die große Politik glaubhaft machen will“, sagte Nuß.

Aktuelle Situation

230 000 Flüchtlinge kamen allein im September und Oktober nach Bayern.

Der Landkreis Würzburg war erstmals mit der Thematik konfrontiert, als seit Oktober 2012 die Gemeinschaftsunterkunft überbelegt war und am 19. November 2012 Flüchtlinge nach Tückelhausen gebracht wurden.

Derzeit sind im Landkreis 1080 Menschen untergebracht. In dezentralen Unterkünften in mehr als 20 Gemeinden leben 498 Flüchtlinge. 302 Personen befinden sich in Notunterkünften in einem rollierenden System, an dem sich fast alle Landkreisgemeinden beteiligen. In Gemeinschaftsunterkünften in Aub, Giebelstadt und Ochsenfurt leben 155 Menschen. Dazu kommen 125 „unbegleitete Minderjährige“, die sich allein aus Krisengebieten bis in den Landkreis Würzburg durchgeschlagen haben.

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