WÜRZBURG

Umsonst und Draussen: Hitzige Diskussionen bei der Musikauswahl

Wenn die Tore aufgehen und Leute hereinströmen, dann weißt du, für was du gearbeitet hast.“ So hat Ralf Duggen, der Macher des „Umsonst & Draussen“ in Würzburg, einmal seine Gefühle am Beginn des Festivals beschrieben. Jetzt gehen die Tore wieder auf. Nach langen Monaten harter Vorbereitungszeit beginnt am 18. Juni das 28. „Umsonst & Draussen“, ein Konzertereignis, das mit seinem kostenlosen Kunst- und Musikangebot bis zu 100 000 Freiluft-Fans anlockt. Rund 400 Helfer, davon etwa 200 ehrenamtliche, organisieren die Durchführung und das Programm. Mehr als 50 Bands aus Europa und Kanada werden bis 21. Juni auf den Mainwiesen an der Talavera auftreten.

Im Vorfeld mussten die Verantwortlichen aus 600 Bewerbungen die Bandauswahl treffen. Steffen Deeg vom „Umsonst & Draussen“-Verein in Würzburg spricht von harten Diskussionen. Er arbeitet für die Stadt im Jugendkulturhaus Café Cairo, kennt die jungen Strömungen. Ralf Duggen ist eher Traditionalist. So prallen manchmal die Interessen aufeinander, und so schieden sich die Geister auch bei einer Band wie „Shaky Foundation“ aus Würzburg, die ihre Musik als „Dream Pop“ bezeichnet. Die Jugend-Strömung setzte sich durch.

Dabei ist es erstaunlich, welches Gespür die Programm-Planer haben: Heute bekannte Bands wie Bananafishbones, Egotronic, Madsen, und Reamonn spielten schon zu Beginn ihrer Karriere in Würzburg. Und auch das gab es, schmunzelt Urgestein Ralf Duggen: „Wir hatten vor Jahren eine Bewerbung der Sportfreunde Stiller und haben sie abgelehnt.“

Im vergangenen Jahr war es auch der „Voice of Germany“-Sieger Andreas Kümmert aus Gemünden, der am Mainufer rockte. „Es herrscht dort eine wunderbare Atmosphäre“, sagt etwa der Würzburger Songwriter Markus Rill, der bereits mehrfach beim U&D aufgetreten ist und am Freitagabend eine Session mit seinen Freunden Robert Oberbeck, Maik Garthe und Hubert Treml spielt. „Ich habe größte Hochachtung vor Ralf Duggen und seinem Team, wie sie jetzt schon über eine so lange Zeit solch eine gute Idee immer wieder professionell umsetzen.“

Welche Faszination von dem mittlerweile 27 Jahre alten Klassiker ausgeht, beschreibt der Würzburger Musiker Markus Hammer, alias Fludid von „The New Black“: „Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich mit 13 Jahren auf dem TGW-Sportplatz in der Mergentheimer Straße stand und die Foolhouse Bluesband auf der Bühne bewunderte. Das war mein erstes Umsonst & Draussen. Für mich war damals schon klar, dass ich irgendwann mal mit einer eigenen Band auf der Bühne stehen will“, sagt Hammer. „Das U&D war für uns als junge Band immer das höchste Ziel. Viele Bands habe ich dort gesehen, die ich toll fand wie 'Don? Eat Yellow Snow' oder 'Blue Brothers'. Als dann das U&D auf die Mainwiesen umgezogen ist und nur drei Jahre später meine damalige Band MCF einen Platz auf dem Festival bekam, war das für uns wie ein Ritterschlag.“

Seitdem sind 22 Jahre vergangenen und Markus Hammer stand mit zwei Bands insgesamt zehnmal auf der Bühne. „Uns als Würzburger Schülerband hat U&D-Macher Ralf Duggen damals die Möglichkeit gegeben vor vielen Menschen aufzutreten. Und wenn die Musik eine so wichtige Rolle in deinem Leben spielt, gibt es nichts, was einen mehr erfüllt, als von einem Publikum wahrgenommen zu werden. Diese Förderung von regionalen Bands ist sensationell und immer noch ein fester Bestandteil der Veranstaltung und ein gutes Beispiel für jede andere Stadt“, so Hammer, der mit „The New Black“ diesmal jedoch fehlen wird.

Organsator Ralf Duggen ist deutlich entspannter als die Jahre zuvor. Er sagt uns, woran das liegt:
 

Video

Ralf Duggen, Festival-Organisator - Umsonst&Draussen 2015

Finanziert wird das Festival im wesentlichen über Sponsoren wie die Sparda-Bank, den Essen- und Getränkeverkauf sowie die Miete für Verkaufsstände. Immerhin beträgt der Finanzbedarf für die vier Tage Musik und Kunst 450 000 Euro. Erstmals, so Duggen, erhalten alle Bands in diesem Jahr als Gage einen kleinen Sockelbetrag. Angehende oder aktive Profimusiker bekommen dann noch einen Zusatz.

Die Bandbreite der Musik ist groß: Pop, Rock, Blues, HipHop, Folk, es gibt nahezu jeden Musikstil auf dem Festival. Einige der Top-Acts in diesem Jahr sind zum Auftakt am Donnerstag der Wiener Pop-Export „Wanda“ sowie Chartstürmer Joris mit seinem Hit „Herz über Kopf“ am Freitagabend. Im Begleitprogramm gibt es Kunstausstellungen einem Zelt und auf dem Open-Air-Gelände auf den Mainwiesen. Im Zelt stellen die Fotografen Rainer Wengel und Kathrin Königl aus. Thomas Berberich zeigt Würzburg im Postkartenformat. Im Freien geht die „Ansichtssache“ in die zehnte Runde. Die Aufgabe: innerhalb von zwölf Stunden zwölf Bilder zu zwölf Themen machen.

Übrigens: Für Smartphones gibt es eine eigene App: UND 2015. Und natürlich gibt die Homepage alles her, was der Besucher braucht und dort kann man sich auch für den Newsletter anmelden: www.umsonst-und-draussen.de


Umsonst & Draussen in der Region

Ralf Duggen stellte sich 1988 die Frage, wie die gute Idee, Livemusik kostenlos anzubieten, auf Resonanz stoßen könnte. Er überzeugte den damaligen Jugendpfleger der Stadt Würzburg, Hartmut Emser, und das erste „Umsonst & Draussen“ war geboren. Das Konzept ist beliebt, in der Region gibt es neben dem Klassiker in Würzburg zwei weitere Festivals:

Das U&D in Bad Kissingen existiert seit 1994 und findet in diesem Jahr vom 26. bis 27. Juni auf dem Festivalgelände am „Gewerbepark Sinnberg“ statt, erwartet werden rund 10 000 Besucher. An zwei Tagen werden 30 Bands auf den drei Bühnen spielen, darunter lokale Bands wie Soundladen und Scallwags, für den internationalen Touch sorgen diesmal The Kitchies aus dem französischen Nizza.

Bereits seit 1993 gibt es das U&D in Karlstadt. Auf dem Festivalgelände am Mäuerle auf dem Saupurzel werden in diesem Jahr vom 24. bis 26. Juli 25 Bands aufspielen, darunter „Conrads Kartell“, Hazel The Nut sowie der Gitarrist Jochen Volpert mit „Session 50.1“.

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