ZELLERAU

„Umsonst und Draussen“: Wo sich ganz Würzburg trifft

Musik und mehr: Auch diese feurige Jonglage war auf den Mainwiesen zu bewundern. Foto: Chris Weiss

Über die Mainwiesen flanierten am Wochenende Menschen ganz unterschiedlicher Couleur: Da waren Großmütter mit ihren Enkelkindern, Punks mit knallbunten Frisuren, Rollstuhlfahrer, Studenten und viele mehr. Ein Querschnitt der Bevölkerung hatte sich zum gemeinsamen Feiern eingefunden. „Unsere Zielgruppe sind alle Würzburger“, betont der Vereinsvorsitzende des „Umsonst und Draussen“, Ralph Duggen. „Wir wollen kein Spartenfestival sein. Es freut mich, dass die Leute sich auch ,trauen', zu kommen.“

Das diesjährige „U & D“ war für die Veranstalter ein voller Erfolg. Nach dem Sommergewitter vom Donnerstagabend blieb es weitestgehend trocken, was die Besucherzahlen ankurbelte. Etwa 90 000 Leute sind gekommen, schätzen die Veranstalter. Sie sind „vorsichtig optimistisch“, so Duggen, dass dieses Jahr nach der Abrechnung kein Minus verzeichnet werden muss.

„Manche Jungs gehen ziemlich nervös auf die Bühne und kommen als Rockstars wieder runter.“
Ralph Wollner, Moderator

Samstagnachmittag: Viele Besucher haben Picknick-Decken mitgebracht und lauschen in der Nachmittagssonne den Musikern. Das Programm ist so gemischt wie das Publikum: So präsentiert der Singer-Songwriter James Hersey auf der kleinen Cairo-Bühne ruhige Gitarrensounds unplugged und erzählt über das Leben als Musiker, während auf der großen Draussen-Bühne die Rockband „Rainer von Vielen“ samt Mundharmonika und Akkordeon die Besucher zum Tanzen animiert. Auf der Drinnen-Bühne spielt gleichzeitig die Gruppe „Mamsell Zazou“ einen gekonnten Stilmix, der in keine Schublade passt, irgendwo zwischen waberndem Jazz und Elektro-Effekten.

Auf der U25-Bühne können sich unterdessen Nachwuchsbands ausprobieren. Kriterium für die Anmeldung ist, dass die Musiker unter 25 Jahre alt sind. „Die jungen Bands spielen in den Umbaupausen der großen Bühne, das Publikum muss sich nur umdrehen“, sagt Moderator Ralph Wollner. „So viele Zuhörer, das ist für junge Bands eine tolle Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln.“

Da gilt es im Backstage-Bereich manchmal auch, flatternde Nerven zu beruhigen oder den Soundcheck gemeinsam durchzusprechen. „Ich hatte schon so manche Metamorphose“, erzählt Wollner, „da gehen die Jungs ziemlich nervös auf die Bühne und kommen als Rockstars wieder runter.“ Nervös sind die Würzburger Nachwuchsmusiker von „Devolution“ nicht, versichern die fünf Jungs zwischen 16 und 19 Jahren vor ihrem Auftritt. Sie sind gemeinsam aufs Röntgten-Gymnasium gegangen und haben dort ihre Band gegründet, erzählen sie. Dann geht es auch schon ab auf die Bühne: Für 20 Minuten heizen sie den Festivalbesuchern mit selbstkomponiertem Rock’n’Roll ein.

Das Motto bei anderen Volksfesten, „lauter, höher, schneller, weiter“, wolle man bewusst nicht mitspielen, sagt Duggen. Anfragen von Fahrgeschäften habe man daher beispielsweise immer abgelehnt. Die Musik und der kulturelle Anspruch stehen im Vordergrund. Wie viele Facetten Kunst haben kann, lässt sich beim Bummeln über das Festivalgelände erahnen.

Im Espressozelt lockt eine Fotoausstellung. Portraitkunst können die Besucher in einem Rondell aus gestapelten Bierkästen auf sich wirken lassen. Und für die kreativ gestalteten Gartenzwerge, die am Eingang versteigert werden, sind am Sonntagnachmittag bereits 15 Gebote eingegangen. An einem Pfeiler der Brücke der Deutschen Einheit hat die Würzburger Straßenkünstlerin Manou Wahler den ganzen Vormittag mit weißer Wandfarbe die Grundierung gepinselt. Jetzt entsteht eine fantasievolle Urwaldlandschaft aus der Spraydose. Viele Besucher bleiben stehen, um ihr bei der Arbeit zuzusehen.

„Wir wollen die Besucher auch die Kunst oder Musik nahe bringen, mit der sie sonst vielleicht nicht in Berührung kommen“, erklärt Tilman Hampl vom Organisationsteam den Anspruch des Festivals. Denn das hat sich das „U & D“ zur Aufgabe gemacht: Jedes Jahr aufs Neue unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Geschmäckern zusammenbringen – und am Ende alle zu überraschen.

ONLINE-TIPP

Viele stimmungsvolle Bilder von allen Tagen des Festivals: www.mainpost.de/uud

Ein Fest für alle Generationen: Beim „U & D“ feierten 90 000 Würzburger gemeinsam. Foto: Christoph Weiss
Ansturm der Fans: James Hersey verteilt nach seinem Auftritt Autogramme und Poster. Foto: Silvia Gralla
Ort der Begegnungen: Festival-Besucher können sich kostenloste Umarmungen abholen. Foto: Silvia Gralla

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