Kirchheim

Umweltschützer verärgert: Gemeinde Kirchheim zerstört Hecke

Am Kirchheimer Rimbach wurde eine Hecke entfernt. Anwohner und Bund Naturschutz sind entsetzt. Die Gemeinde verteidigt die Maßnahme.
Trostlos: Der Rimbach am Kirchheimer Ortsrand nach der Maßnahme. Ein Anwohner konnte wenige Bäume retten. 
Trostlos: Der Rimbach am Kirchheimer Ortsrand nach der Maßnahme. Ein Anwohner konnte wenige Bäume retten.  Foto: Christian Ammon

Der Rimbach am Kirchheimer Ortsrand erinnert derzeit eher an einen Straßengraben als an einen echten Bachlauf. Seit gut zwei Jahren ist er zumindest zeitweise ausgetrocknet. Vor kurzem ist das Ufer zudem weitgehend kahl: Noch am 2. April, ausgerechnet an dem Tag, an dem Ministerpräsident Markus Söder ankündigte, die Forderungen des erfolgreichen Volksbegehrens "Rettet die Bienen" umzusetzen, kam ein Bagger zur Begradigung des Ufers zum Einsatz. Umso mehr ärgern sich nun einige Bürger aus der Siedlung Am Rimbach. Sie befürchten "eine Politik der vollendeten Tatsachen", bevor die Regelungen in Kraft treten.

"Wenn ich das erfahren hätte, wäre das ganz sicher so nicht passiert"
Björn Jungbauer - Kirchheimer Bürgermeister

"Der Bach hatte meistens genug Wasser, seit zwei Jahren ist es weitgehend weg", berichtet einer von ihnen, der in Kirchheim aufgewachsen ist und als Imker ganz bewusst seine Bienenkästen in der Nähe des Baches, der bei Kleinrinderfeld entspringt, aufgestellt hat. Für die Bienen sei das Wasser zum einen für den Bau ihrer Stöcke wichtig, zum anderen sei es die Blütenpracht der Hecke, die den Bienen im Frühjahr reiche Nahrung biete. Besonders ärgert ihn, dass bei dem Rückschnitt, der bis auf den Wurzelstock erfolgt sei, die Weiden größtenteils beseitigt und gerade auch die jungen Triebe, die besonders intensiv blühen, abgeschnitten wurden: Er hatte sie vor Jahrzehnten noch gemeinsam mit seinem Vater eigens als Bienenweide gepflanzt. Bisher hätten sie niemanden gestört, warum sie nun auf einmal weg mussten, bleibt ihm schleierhaft. Einige der Anwohner hätten sogar beim Kauf der Grundstücke die Auflage bekommen, die Hecken auf ihrem Grund und Boden zu erhalten.

So sah der Rimbach an der selben Stelle im Frühjahr 2016 aus.
So sah der Rimbach an der selben Stelle im Frühjahr 2016 aus. Foto: Christian Ammon

Tatsächlich vermittelt der Bachlauf derzeit ein trostloses Bild. Bis auf Gras, bloße Erde und einzelne Wurzelstöcke ist nicht mehr viel zu sehen. Da wo sich ehemals eine dichte Hecke aus Weiß- und Schwarzdorn, Holunder, wilden Pflaumenbäumchen und Weiden befunden hat, herrscht Leere. Die Anwohner berichten von Erdkröten und einem Paradies für Schmetterlinge und seltene Vogelarten und davon, wie die Gemeindearbeiter mit Motorsense und Mulcher die Hecke beseitigten. Als schließlich Anfang April ein Bagger anrollte, war der Schrecken komplett. Als "Tabula rasa" beschreiben die Bürger das Ergebnis. "Was hier geschehen, ist nicht nach vollziehbar, widersinnig und auch noch teuer", erzählen sie.

Klare Worte wählt auch Steffen Jodl vom Bund Naturschutz, der von einem "gravierenden Eingriff in das Gewässer" spricht. Die Maßnahme hätte darum auf jeden Fall eine Genehmigung im Vorfeld durch die Untere Naturschutzbehörde benötigt. Auch sei ein Rückschnitt auf Stock, um der Hecke Raum zum Neuausschlagen zu geben, zwar unter Umständen sinnvoll. Ein Rückschnitt sei jedoch auf die Wintermonate zu beschränken, mit Umsicht und abschnittsweise durchzuführen. Dass es am Rimbach noch Lebens- und Rückzugsräume gibt, bezweifelt er. Insbesondere die Begradigung der Uferböschung mit Baggereinsatz sei nicht zu rechtfertigen. Hier drohe Erosion. Das Entfernen größerer Büsche haben den Effekt, dass krautige Gewächse das Bachbett zuwachsen. Es sei nun abzuwarten, ob sich die Hecke erhole. Dafür benötige sie jedoch Zeit. "Sollte im Herbst wieder ein Eingriff erfolgen, hat die Hecke keine Chance", ist er sich sicher.

In diesem Karstloch verschwindet der Rimbach.
In diesem Karstloch verschwindet der Rimbach. Foto: Björn Jungbauer

Nach Auskunft der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamts sind "schonende Pflegeschnitte" ebenso wie ein "Rückschnitt" einer Hecke rechtmäßig, solange die Gehölze und die Hecke nicht beseitigt werden. "Grundsätzlich ist es verboten, Hecken in der freien Natur zu roden oder in sonstiger Weise zu beeinträchtigen", heißt es in der Antwort der Behörde. Bürgermeister Björn Jungbauer geht davon aus, dass sich die Natur schob bald erholen wird. Er verteidigt das Vorgehen als eine in einer Kulturlandschaft nötige "Pflegemaßnahme", die den Abfluss des Wassers erleichtern solle. Die Uferböschung sei bereits wieder angesät worden. Bei ausreichend Regen seien schon bald wieder Pflänzchen zu erkennen. Unzufrieden ist er jedoch mit dem Ablauf der Arbeiten. Der Einsatz des Baggers hätte ursprünglich früher erfolgen sollen. "Wenn ich das erfahren hätte, wäre das ganz sicher so nicht passiert", stellt er fest. Die Arbeiten seien in Absprache mit der Flurgenossenschaft durchgeführt worden und hätten das Ziel, die Pflege des Bachs zu erleichtern und spätere Einsätze des Mulchers zu ermöglichen.

Der Rimbach versickert im verkarsteten Boden

Geklärt scheint, wohin das Wasser des Rimbachs auf Höhe des Guts Egenburg verschwindet: Hier gab es einen Ortstermin mit dem Wasserwirtschaftsamt. Es gebe hier keine Hinweise darauf, dass Wasser illegal entnommen werde, fasst das Jungbauer des Ergebnis zusammen. Vielmehr gehe das Amt davon aus, dass an dieser Stelle der Muschelkalk verkarstet ist und an ein oder zwei Stellen das Wasser im Boden versickert. Auch gebe es Quellen, die aufgrund der Trockenheit kein Wasser liefern. Er setzt nun darauf, dass die vergangenen Regenfälle und eine Abdichtung das Bachbetts etwa mit Lehm ausreichen, damit das Gewässer wieder fließt.

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