WÜRZBURG

Und Haydns Schöpfung wird zum Abgesang

Mit Mozarts „Krönungsmesse“ begann in Würzburg die musikalische Arbeit des Philharmonischen Chores St. Stephan. 34 Jahre später endet die Geschichte. Joseph Haydns „Die Schöpfung“ morgen, Sonntag, 18. November, in der St. Stephanskirche wird das letzte Konzert der 60 Sängerinnen und Sänger sein.
Werner Wolfrum
Werner Wolfrum. Foto: FOTO Anita Schöppner

Chorleiter Werner Wolfrum erinnert sich sehr genau an das erste Konzert, bei dem auch eine Bach-Kantate zur Aufführung kam. Kurz vorher hatte Wolfrum die hauptamtliche Kantorenstelle in St. Stephan angetreten. In dieser Funktion war er für die Gestaltung der Gottesdienste zuständig, stellte einen Kirchenchor, einen Figuralchor und einen Oratorienchor zusammen.

Aus den Sängern dieser drei Chöre entwickelte sich der Philharmonische Chor St. Stephan, der sich fortan regelmäßig mit großen Orchesterkonzerten vorstellte. „Stimmlich waren die Sänger, die zum Teil aus dem seinerzeit in Würzburg agierenden ,alten‘ Oratorienchor kamen und schnell mit den Neuen harmonierten, in guter Verfassung.“ Sie hätten aber auf hohe rhythmische Präzision eingestimmt werden müssen.

Die gemeinsame Arbeit machte Chorleiter, Sängerinnen und Sängern viel Freude. „Nur so konnte sich der Philharmonische Chor über 34 Jahre halten.“ In den Neunzigern gehörten ihm über 125 Sängerinnen und Sänger an. Es hatte sich herumgesprochen, dass in dem Anbau neben der Stephanskirche mit Stimmbildnerin und Korrepetitoren gearbeitet wurde.

Locker und gewaltig

Zweimal im Jahr – abgesprochen mit den Kirchenmusikern Siegfried Koesler vom Dom und Christian Kabitz von St. Johannis – standen ehrgeizige Projekte auf dem Programm. Wolfrum und seine Leute erarbeiteten Bach-Passionen und Mozart-Messen, Verdi- und andere Requien, die großen Mendelssohn-Oratorien, Brahms und Haydn. „Der erste ,Messias‘ war gigantisch“, träumt Wolfrum heute noch. „Schön locker, gewaltig. Der Wahnsinns-Aufwand hat sich gelohnt. Immer wieder haben wir große Werke ohne Schmisse durchgestanden.“

Wolfrum liebt Kirchenmusik seit seiner Kindergartenzeit, als die Mutter, „eine Starsopranistin“ im lutherischen Kirchenchor in Forchheim, ihn regelmäßig mit in den Gottesdienst nahm, wenn sie sang. „Stolz wie ein Spanier war ich“, lächelt Wolfrum versonnen, „wenn ich beim Oberlehrer auf der Orgelbank sitzen durfte.“ Und erinnert sich an Erzählungen der Mutter, die den Siebenjährigen vor dem Radio beim Dirigieren einer Bruckner-Messe mit dem Kochlöffel überraschte. Oder an die Szene im Februar 1946, als er mit dem Teddy in der linken Hand hoch und heilig schwor, einmal Dirigent zu werden. Den Kinderschwur hat er eingelöst, Fagott, Kirchen- und Orchestermusik studiert und ist Kapellmeister „mit schönem Dirigier-Examen“ geworden.

Der in Forchheim geborene Musiker, der mit „seinem“ Chor Konzertreisen durch Bayern, nach Caen und sogar nach Japan unternommen hat, sieht der Auflösung mit schwerem Herzen entgegen. „Die Sängerinnen und Sänger haben neben ideeller auch finanzielle Kraft aufgewendet. Sie haben Instrumente wie den Flügel, zwei Klaviere, eine Continuo-Orgel, Noten, Stimmbildung und Korrepetitoren mitfinanziert und die Cäcilienstube neben dem Proberaum, unser Chorwirtshaus sozusagen, mit viel Aufwand eingerichtet.“ Doch da die kirchlichen Zuschüsse ab 2008 gestrichen sind, gibt es in dieser Form keine Zukunft für den Chor.

„Wir haben die ,Schöpfung‘ als letztes Chorwerk gewählt, weil der Satz der Schlussfuge in all den Jahren das Motto unserer Arbeit war.“ Der lautet: „Des Herren Ruhm, er bleibt in Ewigkeit“.

„Die Schöpfung“ von Joseph Haydn, Sonntag, 18. November, 16 Uhr, St. Stephan in Würzburg. Philharmonischer Chor St. Stephan, Leitung: Werner Wolfrum.

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